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Wir freuen uns auf Sie!      Sabine + Bert-Holger Fütterer

Informationen zur Corona-Pandemie 

Täglich aktualisiert - Ein Tagebuch in der Krise

Liebe Freundes unseres Hauses, verehrte Gäste und Interessenten unseres Angebots,

aus gegebenem Anlass möchten wir Sie ab #Sonntag, den 15. März 2020, regelmäßig an dieser Stelle darüber informieren, wie wir in der aktuellen Krise agieren und reagieren, was wir gleichermaßen für Ihre und unsere eigene Sicherheit unternehmen, um gesundheitliche Gefahren durch die aggressive, weltweite Ausbreitung des Corona-Virus weitestgehend von unserem Betrieb abzuwenden und berechtigte Bedenken für einen Aufenthalt in der Moltkestrasse 89 eigenverantwortlich zu bewerten. Unsere Ferienwohnung steht für Reisende, die wegen beruflicher oder geschäftlicher Veranlassung unterwegs sein müssen, weiterhin zur Verfügung.


#Dienstag, den 07. April, 19:35 h: An diesem Dienstag Abend gibt das Gesundheitsamt bekannt, dass sich sieben Personen neu mit dem Coronavirus infiziert haben. Da inzwischen 147 vormals Erkrankte als "geheilt" gezählt werden, geht die Rechnung der Behörde dahin gehend auf, dass es aktuell nur noch 56 Infizierte in Stadt und Landkreis gäbe. Auch die Zahl der "Verdachtspersonen" hat sich weiter verringert auf 175.

#Montag, den 06. April, 13:30 h: Es ist der 24. Tag unserer freiwilligen Ausgangsbeschränkung und die Nerven liegen blank: "Das Bild hängt schief!" Natürlich kennen wir alle den hinreißenden Sketch von Loriot, der vom wunderbaren Bolero begleitet wird. Aber damit hat dieser kleine Tagesbericht nun rein gar nichts zu tun!

Liebe Freunde bezeichnen mich gern als pedantischen Erbsenzähler und auch andere ehrabschneidende Ausdrücke fallen wie einst im "Schwiegermuttermörder" Jürgen von Mangers. Selbst die "beste Frau Fütterer der Welt" schickt sich an, mich regelmäßig darauf hinzuweisen, dass mein Ordnungssinn sei "wider jede Natur", nur weil ich ein einziges mal anrege, dass ich es nur schön fände, wenn Besteck auf dem Tisch nicht kreuz und quer angeordnet liegt. Diese Leute wollen sogar meine immerwährende Bitte um Verständnis nicht mehr zulassen und grinsen nur noch mitleidig, wenn die "ewige Leier losgeht" und meine abgenudelte Schutzbehauptung auf kein offenes Ohr mehr trifft: "Trommler werden so erzogen. Der erste Schlag, der daneben geht, ist auch dein letzter!" Aber keiner weiß, dass ich 67 Fenster putzen muss, 30 Türen gangbar halte und allein heute schon 167 Treppenstufen bewältigten musste! Warum nur will niemand wissen, dass ich exakt 379 Chilischoten im letzten November in unserem Gewächshaus geerntet habe und dass... Jetzt erlebe ich einen Supergau. "Das Bild hängt schief!" Es ist das vom "gemütlichen Hermann" vor dem "Henkeltöpfchen", eine Fotografie aus dem Berlin der frühen 20-ziger Jahre, als die Welt noch in Ordnung war. Neben dem dickwanstigen Hermann gibt es auf dem Bild noch drei Damen und vier Herren mit schaumlos gefüllten Biergläsern in der Hand. Eine Schiebermütze, drei Schnurrbärte, zwei Glatzköpfe, ein doofes, dickes Kind und zwei leere Sektflaschen, die millimetergenau auf einem schräg nach links stehenden Tisch angeschraubt wurden. Obendrein vermittelt die Szenerie auch gar keine Sektlaune, denn drei der vier Herren schauen irgendwohin, bloß nicht in die Kamera. Und Hermann selbst blickt, selbstgefällig und teilnahmslos, nach rechts oben ins Nichts mit angewinkeltem Arm, der eine deutliche Distanz zum Geschehen unverkennbar macht. Zwei Damen rauchen Zigaretten, eine dritte sitzt einfach nur blöd da. Ein Zigarrenstummel verbreitet keinen Qualm. Außerdem ist da noch ein Mettauge und der Ansatz eines frivolen Lächelns. "Und dieses Bild hängt plötzlich schief!" Alle Alarmglocken läuten, mein Adrenalinspiegel und die Frequenz meines arrhythmischen Herzschlags steigen stolpernd und rasant zugleich. Kalter Schweiß bricht heraus aus allen Poren, das Hirn fährt Achterbahn. "Das kann nicht sein!" Surreale Wahnvorstellungen, Bilder der einstürzenden Twin Towers und der Riesenwelle vor Fukoshima wechseln sich ab. Fips Asmussen zotet in der "Violetten Zwiebel" und Uwe Barschel erstickt an einem Ehrenwort. Aber jetzt mal "Tacheles": Wo ist die Kabeltrommel? Wer hat den 6-er Steinbohrer versteckt? Die kurze Wasserwaage war eben doch noch da! Scheiße. Immer und immer wieder und wieder bricht die Spitze des Bleistifts ab beim Versuch des Anzeichnens eines Fadenkreuzes, dort, wo sich stürzende Linien mit der Geometrie des rechten Winkels gar nicht vereinen wollen.

Mein Schatz zwitschert fröhlich, oben im Treppenhaus: "Hast du schon deine Tabletten genommen?" Und die Welt ist schlagartig im Lot. Mit einem winzigsten Schups des Zeigefingers, unten links am Rahmen, schaut der "gemütliche Hermann" wieder geradeaus und die Sache könnte erledigt sein.

Wir freuen uns trotz fernbleibender Gäste auf das Osterfest, machen Sie es sich gemütlich zuhause! 

Das lokale Gesundheitsamt meldet mittags Informationen zum "Umgang mit Brauchtumsfeiern" und erstmals keine einzige, neu infizierte Person. Da inzwischen 139 vormals Erkrante als geheilt aus der häuslichen Quarantäne entlassen werden konnten, bleiben noch 57 akut betroffene, davon leben 23 im Stadtgebiet. 191 Bürgerinnen und Bürger gelten weiterhin als "Verdachtspersonen". Sieben werden stationär behandelt.

#Sonntag, den 05. April, 19:30 h: Wir hoffen in den kommenden Tagen auf weniger Neuinfektionen, aber deutlich steigende Temperaturen. Wohl dem, der den Grill herausholen und auf die sonst übliche, große Runde von Mitessern während der "Corona-Krise" verzichten kann! Das Gitter, das unseren Ausgang derzeit beschränkt, gehört nun auf die Feuerstelle. Und es muss nicht immer Bratwurst sein! Folgen Sie diesem Rezept gegen drohendes Einerlei und nehmen ein ganzes, küchenfertiges, möglichst großes Huhn zur Hand. Zum Wohlsein gehören auch eine Flasche guten Weins und Suppengemüse. Ihre Ostereier hat das Tier schon vor einigen Tagen gelegt. In gastronomischen Betrieben gehört es zum Alltag, wirtschaftlich und nachhaltig zu kochen, aber gleichzeitig Schmackhaftes und Kreatives aus Lebensmitteln zuzubereiten. Eifern Sie dem zuhause nach! An der notwendigen Zeit mangelt es im Moment jedenfalls nicht.

Lösen Sie das Brustfleisch von der Karkasse, legen es zum Grillen beiseite. Teilen Sie den "Rest" in grobe Stücke und kochen Sie eine Brühe. Bei deren Zubereitung müssen die Herren von Knorr und Maggi nicht helfen und schon die Urgroßmutter kannte sie als Heil- und Hausmittel im Falle einer Infektion. Verwenden Sie ein Teesieb oder einen Mundschutz aus Stoff, um später, notwendige Gewürze und das fortlaufende, verbale Gesülze problemlos dem Topf entnehmen zu können, und denken daran, dass beim Kleinschnippeln des Gemüses alle mithelfen dürfen. Das Gleiche gilt beim Abwasch, der heutzutage nicht zwingend maschinell oder nur von Mutti allein erledigt werden muss. Garzeit etwa eine Stunde bei mäßiger Hitzezufuhr. Ein wichtiger Hinweis: Lassen Sie den Topf, bei dessen Ansetzen der gute Schuss Wein nicht fehlen sollte, über Nacht abkühlen! Gießen Sie erst dann die Flüssigkeit vorsichtig ab und zwar ohne vorher umzurühren. So landet der größte Teil der Trübstoffe nicht in der Suppenschüssel und Sie sparen sich den Aufwand, im Nachhinein etwas klären zu müssen. Am folgenden Tag, auf der Basis neuer Daten und Fakten, würde aus den gegarten Fleischstücken ein Frikassee zubereitet und die Gemüse womöglich als Beilage Verwendung finden können. Zerkochtes Gemüse, fein püriert, diente neben etwas Brühe als Basis einer Soße, so, wie sie auch beim "Tafelspitz" oder "Vitello tonnato" allerorts gemacht wird. Auf dem Grill dient das Fleisch der Hühnerbrüste purem Vergnügen, wenn es, als hauchdünnes Schnitzel geschnitten nur für Sekunden großer Hitze ausgesetzt wird. Orientalisch oder fernöstlich inspiriertes Würzen kleiner, flacher Fleischspießchen bringt ein geheimes, multikulturelles Interesse ans Licht und zum saftigen Hochgenuss wird die ganze Sache, wenn eine Hälfte der Brust, zusammen mit Wein, Brühe, Gewürz und Gemüse in Alufolie gewickelt, allen Aromen die Kontaktbeschränkung verweigert. Der letzte Schluck aus der Flasche gebührt traditionsgemäß demjenigen, der später Verantwortung übernehmen muss und dem die Rechnung präsentiert wird. 

Wir sitzen noch im Garten, die Dämmerung bricht herein und ich entzünde eine kleine, gelbe Kerze auf dem Tisch. Tagesaktuelle Fallzahlen liegen nicht vor. Jetzt versuche ich, meinem Schatz mit den von Fettaugen der Hühnerbrühe geschmeidig gemachten Lippen einen kleinen Kuss auf die Wange zu drücken. Doch sie lehnt dankend ab und schlürft genüsslich weiter aus der Tasse dampfend heißen Lebenselixiers. Beide Hände umklammern fest den kleinen Ofen. Im Moment vollendeten Genusses wird keinerlei Ablenkung geduldet. 

#Samstag, den 04. April, 19:10 h: Auch am Wochenende ist das lokale Gesundheitsamt nicht untätig. Es werden sieben Neuinfektionen gemeldet. Die Zahlen steigen verhältnismäßig langsam, wie die Flut im Wattenmeer. Es geht hin und her, vor und zurück, bleibt aber ein todsicheres, tägliches Ereignis von immenser Tragweite. Im Bezirk befinden sich heute insgesamt 86 infizierte Personen. 30 davon entfallen auf das Stadtgebiet Hildesheim, vier Erkrankte stammen aus unserem Postleitzahlbereich. In häuslicher Quarantäne müssen 266 Verdachtspersonen ausharren. Fünf der Infizierten befinden sich in stationärer Behandlung. Bislang bleibt es bei einem Todesopfer.

#Freitag, den 03. April, 12:45 h: Unser Start in die vierte Woche der selbst gewählten Ausgangssperre: "Es ist Frühling!"

Im Winter des Jahres 1980 gab es sogar im norddeutschen Flachland noch Schneehöhen von bis zu 40 cm! Wir befinden uns in der Ära der atomaren Abschreckung, Glasnost ist ein unbekannter Begriff, die biologische Kriegsführung weltweit geächtet. Nicht nur draußen wird es langsam wärmer. Es ist ein Freitag im Frühling, so wie heute, und meine Fahrt beginnt im Zwielicht auch dessen, was mich erwartet. Wie im Märchen, tief versteckt im Wald der bösen Hexe, erreiche ich ein Zuhause für die nächsten 54 Stunden. Das furchteinflößende, einmeterdicke Tor steht bedrohlich, weit offen. Die Stahltüren der Schleuse schließen sich. Das letzte Blinzeln des Tageslichts flüchtet zusammen mit seinem Freund, der frischen Luft, durch absterbende Schlitze ins Freie. Der Druck im Ohr steigt schlagartig und das tiefe Brummen der Aggregate wird zum ständigen Begleiter. Angekommen bin ich im Warnamt III Rodenberg. Es geht weiter unter der Erde. Neben mir auf der Treppe: Ein Verwaltungsmensch. Er hechelt, versucht ununterbrochen, die sintflutartigen Ströme des eigenen Schweißes vom frisch gebügelten, feinen Zwirn fernzuhalten. Und auch daheim hat er wohl nur zu oft nichts zu melden, wie sich später herausstellen wird. Ich nenne ihn "Heinrich, den Landrat", trottele treppab im schützenden Mantel meiner Jugend.

Es ist nur eine Übung! 

Damals, nach den totbringenden Bränden in der Lüneburger Heide und dem verheerenden Orkan, der den nahen Harz in nur wenigen Stunden einer Einöde gleichmachte, glaubte ich an den Sinn des Katastrophenschutzes als beste Alternative zum Dienst an der Waffe.

Gemeinsam kommen wir an im Lagezentrum, knapp 30 Höhenmeter unterhalb des Waldbodens. Der Raum gleicht auf das Haar genau dem des Kontrollzentrums in Houston während der Tage der Mondlandungen. Anhand der vorbereiteten Namensschilder finden wir vorbestimmte Plätze. Einer, der im Ernstfall die gesamte Verantwortung tragen soll, ganz vorn, der andere hinten auf einem "Beobachtungsposten". Bald lerne ich, dass das Beobachten auf einer AMAST oder BAMST einem Himmelsfahrtskommando gleichkommt und fühle mich beschissen. Abends steigt die Stimmung des Kantinenwirts: "Stets geschlossene Gesellschaft". Beim Skatspielen frage ich einen Kiebitz, warum er, als verbeamteter Ausbilder, tagsüber wissentlich Unsinn absondert. Später darf er Mitsitzen am Tisch.

Das Planspiel muß am Sonntag abgebrochen werden. "Heinrich" hat mit dem Wissen des Schreibtischtäters inzwischen 238.000 Opfer zu verantworten. Ich möchte auf gar keinen Fall in seiner Haut stecken. Sesam öffnet sich. Achtmal habe ich ähnliches mitgemacht: "Same procedure than every year!"

Hochachtung, dass es wenigstens in Heinsberg jemanden gibt, der "Eier in der Hose hat!" 

In den Jahren meiner Mitarbeit im Zivilschutz lernte ich gnadenlos, dass in Krisensituationen eine wohlformulierte Desinformation der Betroffenen zum Tagesgeschäft zählen muss, um Ströme zu lenken und Schlimmeres zu vermeiden.

Ein Fazit: Lesen Sie "zwischen den Zeilen" und glauben Sie weder an Schönredner, noch Gesundbetern oder Fatalisten. Bewerten Sie alle Informationen kritisch, wägen tagtäglich ab, was wirklich richtig und wichtig sein kann oder muß. Wir alle sind lange noch nicht "über den Berg".

Der Landkreis Hildesheim meldet zehn, neue "Laborbefunde", beziffert die Zahl der Infektiösen mit 76 und noch weniger vielen "Verdachtspersonen" als gestern. Wie hoch ist wohl die Dunkelziffer?

#Donnerstag, den 02. April, 13:00 h: So, jetzt haben wir den Salat! Nordischer Tradition folgend müssen heute die Eingangsschilder der Region Hildesheim erneuert werden, die vormaligen Aufschriften sind zu ersetzen durch "Helheim". 

Modgudur war stets wachsam, so, wie wir alle es bleiben müssen, und Garm hatte ununterbrochen gebellt, die Zähne gefletscht wie die Virologen in Echtzeit, dennoch öffnete sich gestern der Helgrind, um ein erstes Todesopfer einzulassen, einen 70-jährigen Mann, der zu der bekannten Hochrisikogruppe zählte und im Krankenhaus verstorben ist. Eine Infektion mit dem Coronavirus ist labordiagnostisch bestätigt. Den Hinterbliebenen, Freunden und allen Bekannten möchte ich offen und genau an dieser Stelle mein aufrichtiges Beileid und meine Anteilnahme aussprechen.

#Mittwoch, den 01. April, 10:30 h: An diesem Morgen vergeude ich keine Zeit für einen Aprilscherz. Auch Galgenhumor ist nicht angezeigt, obwohl mich eine unbekannte Dame aus dem mittleren Osten weckte. "Not macht erfinderisch!" 

Der Hassprediger Abu Walaa hat in einer Hildesheimer "Terror-Moschee" bis November 2016 seine extremistische Ideologie innerhalb des Islamismus und obendrein ein perfides Akquiseprogramm für den IS verfolgt, steht aber bis heute noch frei von jedem Urteil vor Gericht. Und die mediale Diskussion über Erlasse zum Thema "Kopftuch" und das Vermummungsverbot finden, seitdem der G7-Gipfel per Videokonferenz zu Ergebnissen führen kann, in Deutschland nicht statt.

Es ist nicht der düstere Charon, der seinen Obolus fordert für die Überfahrt in das Reich der Infizierten, etwas schläfrig erkenne ich das Augenpaar im Sehschlitz der Burka. Stolz präsentiert mein Schatz die Frühlingsmode des Jahres 2020! Zugegeben, die Bastelarbeit aus dem, was der eigene Kleiderschrank und die Hausapotheke hergeben, kann den hohen Ansprüchen der Haute Couture noch nicht genügen. Aber: "Viel hilft viel!" verspricht uns sogar der klassische Irrglaube. Jedenfalls wärmt mein Herz ein prächtiger Strauß kreativer Ideen und erweist sich als willkommene Abwechslung während Tagen, die ich jetzt fast ununterbrochen im Büro verbringe. Dort versteckt ein federloser Vogel seine Eier bis weit nach Ostern im einem Verzeichnis von erforderlichen Formularen. Die Elster wird dem Bundesadler auch demnächst in Form, Farbe und Vielfalt zwar nicht gleichen, aber im selben Maß Rätsel aufgeben.  

Wir sind also heute schon gewappnet, falls ab morgen das Tragen eines Mundschutzes nicht nur in Jena, sondern auch hier im Süden Niedersachsens und womöglich in den eigenen vier Wänden zur täglichen Pflichtaufgabe bestimmt wird!

Die lokale Presse druckt ebenfalls keinen Aprilscherz, sondern titelt mit einer kleinen Sensation. 86 Infizierte werden gezählt in Stadt und Landkreis Hildesheim, 75 vormals Erkrankte wurden als "geheilt" aus der häuslichen Quarantäne entlassen. 9 der Infizierten befinden sich in stationärer Behandlung. "Bitte halten Sie sich weiterhin an die angeordneten Beschränkungen sozialer Kontakte. Sie retten damit Leben! Vielen Dank."

#Dienstag, den 31. März, 18:35 h: Abends veröffentliche an dieser Stelle wieder die aktuellen Infektionszahlen, die meine Freunde vom lokalen Gesundheitsamt herausgeben. Das sind natürlich Angaben von gestern. Dennoch geben sie Anlass zur eingeschränkten Freude, denn es wird keine Neuinfektion gemeldet. 54 Genesene schönen die Statistik. 

#Montag, den 30. März, 08:30 h: Hat es an der Tür geschellt? Das muss er sein, der Paketbote, bringt Abwechslung und Rettung in die Isolationshaft! Einer Feder im frischen Herbstwind gleichend fliege ich über den Treppenstufen hinunter ins Erdgeschoss, vergessen sind die Qualen der Rückenschmerzen vergangener Tage, verschwunden wie im Nu. Und da steht er morgens in meiner Fantasie mit dem gebotenen Abstand zur Schwelle in bekleckerter, staubiger Arbeitsjacke. Es ist der neue Nachbar von schräg gegenüber: "Guten Morgen Herr Fütterer, mein Name ist Friedensreich Lager-Koller. Sie sind doch auch Heimwerker?" Blitzschnell kombiniere ich wie der Kommissar Schneider an besseren Tagen. Vater: Oberstudienrat i.R., Deutsch, Geschichte und Religion. Eine Staffelei im Hobbykeller zum stillen Ausgleich des täglichen Tohuwabohus einer Mittelstufenklasse, begleitet von einer insgeheimen Verneigung vor Yosuke Yamashita. Die beste Ehefrau von allen: "Kinder, das Essen ist fertig! Und dann wollen wir alle Filzen!" Das Paar lernte sich schätzen und lieben ganz hinten links im Labyrinth des Baumarkts. Dort blieben sie tagelang verschwunden auf der Suche nach dem 5-er Kippdübel mit Rundhaken. Orgelpfeifen auf dem Sofa vor dem Fernseher, nicht nur Struppi bekommt ab heute Futter aus der Dose. 

Gestern, Sonntag, pünktlich 13:58 h. Jäh werde ich herausgerissen aus dem seichten Anflug des Schlummers. Ein Hilfeschrei!? Jammernd, klagend, heulend, eine wahre Folter für jedes Trommelfell! Es ist dieses Geräusch, wenn der stumpfe Bohrer trotz aller Kraft partout kein Loch machen will im Stahlbeton. Immer und immer wieder. Draußen wird es langsam dunkel. Jetzt kommt endlich der große Vorschlaghammer zum Einsatz, Kinder schreien am offenen Fenster, selbst der Hund japst nach Luft. Das gewaltige Donnern eines nahenden Weltuntergangs verstummt erst ganz spät in der Nacht. Worte unendlicher Liebe erreichen dann mein Ohr: "Schlaf schön, mein Schatz!"

"Haben Sie ´mal ´nen Bohrfutterschlüssel? Meiner ist weg." 

"Nein, ich bin Schlagzeuger." Tür zu.

Quarantänezeit ist auch Heimwerkerzeit. Zweifelsfrei. Von letzterer gibt es weit mehr Infizierte zu vermelden als insgesamt 149, die bislang in Hildesheim von Covid-19 betroffen sind .

#Sonntag, den 29. März, 14:45 h: Spät in der Nacht hat uns die Zeitumstellung wenig gestört. Morgens gibt es eine Überraschung. Pünktlich zum verfügten Beginn des Sommers fällt in Hildesheim der erste Schnee dieses Winters. Der ganze Spuk dauert zwar nur zwei Minuten, dann ist die weiße Pracht auf den noch warmen Flächen wieder verdunstet, aber schön war´s und seltsam zugleich. Das Gespenst "Corona" wird wahrscheinlich zu Beginn der "Winterzeit" immer noch mit am Tisch sitzen und uns sein stacheliges Mondgesicht vorhalten, weil wir bis dahin zuhause bleiben, behördlich angeordnet wie das Umstellen der Uhren. Aber einen Vorteil hat die gesamte Misere: Unser kleiner Biergarten bleibt geschlossen, das gesamte Mobiliar und der schöne, große Grill werden erst wieder im Frühjahr 2021 aus dem Winterschlaf geweckt und deren Abnutzung deshalb deutlich verringert. Die Zahl des Tages kommt heute aus Hannover vom Gesundheitsamt des Landes: 144 Infizierte in Hildesheim, 5 mehr als gestern. 

#Samstag, den 28. März, 09:30 h: Pflichtgemäß verfolge ich das Spiel. Heute steht ein Brite im "Schach". Die Situation wird brenzlich, weil seine englische Eröffnung, die eigentlich als eine flexible, eine in der man noch andere umgehen und eine Vielfalt an Möglichkeiten erhalten kann, kläglich gescheitert zu sein scheint. Eben stand der noch am Ausstiegsfenster, jetzt ist er schwer getroffen in der Luftschlacht um England, muss irgendwie ´raus aus der Bredouille und verkündet den Erklärungsnotstand. 

Das Gesundheitsamt Hildesheim erklärt hingegen, ohne dass es den erkennbaren Sinnzusammenhang gäbe: "Hinweis: Bei der Meldung an das Landesgesundheitsamt werden alle Fälle addiert, d.h. als geheilt entlassene Patienten werden dort weiter in der Statistik geführt." Nicht Jedermann muss in Krisenzeiten dem Vorbild eines Yoga- oder Tanzlehrers am kleinen Bildschirm des Smartphones versuchen nachzueifern. Auch nach der Ära des Homeoffice bietet eine lokale Volkshochschule Deutschkurse nicht nur für Asylbewerber an. Verfassern des Teletexts im deutschen Fernsehen sei dort, ganz vorn in der ersten Reihe sitzend, eine Buchung ebenfalls uneingeschränkt empfohlen. 

Heute Vormittag verkünde ich bedauerlicherweise nur Zahlen vom gestrigen Abend. Aktuelleres gibt es noch nicht an diesem sonnigen Samstag. Zwei neue Infektionen. Es leben jetzt insgesamt 38 Infizierte im Stadtgebiet. Erfreulich: Zwei der vormals Infizierten aus unserem, dem oststädter Postleitzahlbereich, konnten als geheilt aus der Quarantäne entlassen werden.

#Freitag, den 27. März, 09:45 h: "Treppensteigen hält immer noch jung?" Bepackt und behutsam einen Schritt vor den anderen setzend erreiche ich unseren "Versorgungskeller". Denn ich habe einen Begleiter, der auch in der Krise keine Hilfe gewährt: Rückenschmerzen. Niedersachsen machen es anders, dazu gestern Ministerpräsident Stephan Weil: „Die Aufnahme von zehn Intensivpatienten aus Norditalien ist ein kleines Zeichen der Solidarität und der Nächstenliebe. Wir fühlen uns den Menschen in Italien eng verbunden – auch weil viele Niedersachsen aus diesem wunderschönen Land stammen, das jetzt eine so dramatische Zeit durchleben muss. Niedersachsen kann allerdings angesichts der auch hier stark ansteigenden Fallzahlen leider nicht mehr als zehn Intensivbetten zur Verfügung stellen.“

In der kleinen Schankwirtschaft plätschern sonst muntere Gespräche über das Tagesgeschehen, die zu hohen Bierpreise. Überhaupt geht es stets um alles, was uns wichtig erscheint, also in erster Linie um viel Unsinn. Heute Vormittag erwartet mich aber eine Solidargemeinschaft, aus anderem Holz geschnitzt, an der Stelle, wo vor zwei Wochen ein eleganter Franzose seine samtigen Schlieren im voluminösen Glas lächelnd präsentierte und ein zimmertemperierter Norweger die Grenzen seines Königreichs nicht geschlossen hatte vor den Gefahren, die draußen lauern. Ich sitze vor dem Schachspiel. Unsere Figuren sind weder weiß, noch schwarz. Diese archaische, vorverurteilende Trennung in gut und böse hätte mir nicht gefallen, zumal weiß im Spiel immer den klaren Vorteil des ersten Zuges beansprucht. Unsere Protagonisten tragen eine Uniform aus sonnigem Gelb und strahlendem Blau, Synonyme für Wärme und die grenzenlose Freiheit des Himmels und der Meere. Das Spiel hat bereits begonnen. Alle sind versammelt wie beim "Dinner vor one". Die Chinesen hatten den ersten Zug: Bauer E2 auf E4. Die Blauhelme kontern mit der spanischen Eröffnung, die später einen offenen Schlagabtausch gewährleistet. Die Uhr, die mein Freund Manfred vor einigen Jahren mitbrachte, tickt. Ein mittlerweile bekannter Gegner hat den Auslösemechanismus der Bombe in Gang gesetzt. Wie in jedem billigen Agenten- oder Katastrophenfilm sehe ich in Großaufnahme die Zeit verrinnen. Es wird wohl eine italienische Partie. Eine, die in mehrere Varianten mit der Möglichkeit schwerster Folgen unterteilt ist. Gegenüber formiert sich zielstrebig die Berliner Verteidigung, orientiert sich noch am Verlauf, während die hypermoderne Schule schon reagiert und eine besondere Strategie verfolgt: "Beherrschen statt besetzen!" Dabei übernehmen die Bauern eine zentrale Aufgabe. Fachleute sprechen von der "indischen" Verteidigung. Im wahren Leben sind die Kleinen auch zu oft die Dummen. Nicht nur im deutschen Sprachgebrauch ist deren Ausscheiden aus dem Spiel der Mächtigen, das "Bauernopfer", schon lange angekommen. Inzwischen haben die Russen das Schlachtfeld betreten. Ihre Springer können über eigene und fremde Linien hinweg Einfluss nehmen. 

Jeder Schachspieler hat die, die es nicht geschafft haben, fest im Blick. Sie stehen neben dem Spielplan wie die Kreuze Namenloser, wenn der Krieg endlich vorbei war. 

Mir reicht´s. Langsam aber unaufhaltsam beginnt das Endspiel, ein Remis wird es nicht geben. Schachspieler erheben sich, wenn es so sein könnte, lange bevor der König fiele, wie vom unsichtbaren Faden des Marionettenspielers gezogen, im selben Moment von ihren Plätzen, gewähren den freundschaftlichen Händedruck. Der feste Blick in das Auge desjenigen, der eben noch versucht hatte, einen Sieg zu erringen, transportiert Fairness, Anerkennung und gegenseitige Wertschätzung. Das kann bei einem Feind, der heimtückisch und hinterhältig an jeder Ecke lauern könnte, nicht in Frage kommen. Morgen komme wieder hierher und schaue dem neuen Tag optimistisch entgegen. Auf meinem Spielbrett bilden nämlich alle Figuren eine gemeinsame, starke Reihe gegen den Unsichtbaren. 

Heute geht das Hildesheimer Gesundheitsamt aus von 112 Infizierten, davon 36 im Stadtgebiet. 360 Personen befinden sich in Quarantäne. Aus der konnten bislang 132 Bürgerinnen und Bürger entlassen werden, weil sie sich nicht infiziert hatten. 32 haben die Erkrankung unbeschadet überstanden. Es gibt keine Opfer am Rand des Spielfelds.

#Donnerstag, den 26. März, 15:50 h: "Frau Dr. Katharina Hüppe, die Leiterin des Hildesheimer Gesundheitsamtes, unterstützt ausdrücklich den Aufruf der Medizinischen Hochschule Hannover! Die Mitarbeiterinnen des Gesundheitsamtes werden jetzt die mittlerweile 16 genesenen Patienten aus dem Landkreis Hildesheim bitten, sich bei der MHH zu melden wegen einer Blutplasmaspende. Das entnommene Blutplasma soll Schwerkranken und Risiko-Patienten verabreicht werden, damit die fremden Antikörper an das Virus andocken und somit unschädlich machen können. Die COVID-19-Genesenen können sich unter der kostenlosen Rufnummer 0800 532 5325 oder per E-Mail an RKP-Spende@mh-hannover.de melden." Ist das der Funken Hoffnung, auf den wir alle warten? Gleichzeitig wird ein Anstieg der Infizierten auf 109 Personen bestätigt, davon jetzt 34 im Stadtgebiet Hildesheim. Und weiter: "Bleiben Sie aktiv! Eine Runde Joggen oder mit dem Fahrrad fahren tun gut. Falls Sie zuhause bleiben, können Sie auch in der Wohnung Yoga oder einen Online-Sportkurs machen. Viele Medien und Fitness-Center bieten derzeit solche Angebote kostenlos an." Hiermit erteile ich den Verfassern dieser amtlichen Empfehlungen einen schweren Verweis und dulde auch keine Entschuldigung nach dem Motto: "Wegen der angespannten Lage, tun wir sowieso schon mehr als das Menschenmögliche!" Oder Ähnliches... Warum verwenden diese Schreiber die Worte "können" und "falls"? Die Spätfolgen eines Notabiturs der letzten Kriegsjahre können es jedenfalls nicht mehr sein. Auch die Nachwehen der Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996 fallen als Ursache aus, denn der Konjunktiv und andere Möglichkeitsformen wurden davon nicht betroffen. Provinzielle Einfältigkeit darf bei dem Ausmaß der Krise nicht als Grund für Unfertigkeit herhalten, genauso wenig wie die Richtlinien der Datenschutz-Grundverordnung des Jahres 2016, die wir, dem eigenen Todesurteil ähnlich, allerorts seither unterzeichnen müssen. Der Bürger an der Straßenecke würde sagen: "Verdammt nochmal, meldet Euch gefälligst!" Und die medial allgegenwärtigen Virologen sprächen verbindlich: "Bleiben Sie zuhause! Sie können auch in Ihrer Wohnung Yoga … machen." Selbst ein ehemaliger Berufspolitiker und Landesvater, der als Kanzlerkandidat scheiterte und endlich von allen weggelobt in Brüssel zum ehrenamtlichen Leiter einer Arbeitsgruppe der europäischen Union zum Abbau der Bürokratie ernannt wurde, hätte es neben dem "Äh, äh,...äääh!" besser hinbekommen.

#Mittwoch, den 25. März, 17:00 h: Hier sind die aktuellen Zahlen. In Niedersachsen gibt es heute insgesamt 2.313 Infizierte. Das sind 242 mehr als gestern. Vom Landkreis Hildesheim werden nur noch 99 Fälle gemeldet aber 360 Kontaktpersonen. 459 Menschen befinden sich somit in Quarantäne, 4 davon in stationärer Behandlung. 15 Menschen wurden inzwischen als geheilt aus der Quarantäne entlassen. 30 Infizierte im Stadtgebiet.

#Dienstag, den 24. März, 19:30 h: Vorab die Zahlen vom lokalen Gesundheitsamt: Es bleibt, in Stadt und Landkreis zusammen, bei 100 Infizierten! Zitat: "Insgesamt konnten jetzt schon 9 ehemals laborbestätigt infizierte Personen nach nunmehr negativem Test als geheilt aus der häuslichen Quarantäne entlassen werden, ebenso 66 Kontaktpersonen, die sich nicht infiziert hatten." Es gibt 7 Infizierte in unserem Postleitzahlbereich, also im nahen Umfeld, und keine Entwarnung, nur weil die Kurve heute wieder nicht ansteigt.

"Glauben Sie nicht allem, was in der Zeitung steht." 

Als pubertierende Rotznase hatte ich wirklich nichts Besseres zu tun, als auf das Setzen des Kommas zu achten. Viel, viel wichtiger für mich war diese junge Dame, mittig links in der Gruppe. Plötzlich verliebt. Was macht es da schon aus, die einzige Fünf im gymnasialen Diktat zuhause dem Familienvorstand zur Kenntnisnahme und Gegenzeichnung vorzulegen! Pustekuchen. Ohrfeige, Straflager: Androhung häuslicher Quarantäne. Es folgt ein erster, hoheitlich verfügter Aufsatz, verkündet zur sofortigen Vollstreckung: "Mein Stück Seife!, zwei Seiten, bis morgen Mittag! Und dass endlich mal diese langen Loden vom Kopf kommen!" Blödsinn? Geglaubt hatte ich bis in dieses Moment hinein, dass mich eine wallende Haarpracht unantastbar machte für Angriffe von jeder Seite, insbesondere von Kamm und Schere. Vor wenigen Tagen war ich noch im Kino zusammen mit dem Schatz, den ich heben wollte. Woodstock. Niemand trug dort angefüllt von der Selbstüberzeugung und Zweckmäßigkeit heutiger Tage eine Glatze. Es gab keinen einzigen Verdachtsfall, der als Begründung für eine Klage eines Alt-Bundeskanzlers herhalten konnte wegen des Färbens von Informationen bezüglich des jeweils aktuellen Status` seines Haupthaars.

Mein Vater war ein Herr von Feder und Fotos, Journalist seit den ersten Stunden nach Kriegsende, wusste nur zu oft aus dem "FF", worum es gehen musste in einer Zeit, wo Informationen nur morgens im Briefkasten Bewertung erfahren haben. 

Der "Ritterschlag?"

"Und es war Sommer, es war ein schöner Tag..." Zwischen Sport- und Deutschunterricht, knapp zwei Jahre vor dem Abitur, auf dem Rückweg von der städtischen Badehalle, dem verpflichtenden Mutsprung vom Fünf-Meter-Turm kopfüber in die unendliche Tiefe des Beckens in der "Speicherstraße", führt mich mein Weg zur Rotation im Pressehaus am "Bankplatz". "Drei Mann machen Zeitung für die gesamte Region!" heißt es dort im "Sommerloch" sehr hektisch. Eine Herkulesaufgabe damals in einer Ära, wo vom Internet noch niemand etwas wusste und Zeitung noch sehr wichtig war. Das Telefon auf dem Schreibtisch hat eine komische "Wählscheibe", die sogar mit Wurstfingern fehlerfrei und unglaublich schnell bedient wird. Ein Fernschreiben trifft ein in der Redaktion der Hildesheimer Presse! Das riesige Empfangsgerät spuckt meterweise Lochstreifen aus immer und ohne Unterlass. Ich kannte das alles gar nicht. Wer um Himmels willen könnte etwas Herauslesen aus dem ganzen Haufen? "Wo bleibt das Horoskop?" schallt es von unten heraus, von denjenigen, die den Bleiguss fertigen müssen, bevor riesige Walzen Unmengen von Papier verschwendeten, ohne dass eine Vorausschau für gläubige Fatalisten mit gedruckt würde. Plötzlich ein Auftrag meines Vaters: "Horoskop für Morgen, heute bis 18:00 h!" Bis dato kannte ich ein Mikroskop und das Teleskop, ein Periskop und Stethoskop. "Ließ, was während der Woche in der Zeitung stand!" Ich fahre mit dem Rad bergauf in Richtung "Marienburger Höhe", rätselratend und angespannt. Während der notwendigen Recherche treffe ich auf keinerlei Unbekannte. Es gibt Tiere, ein Küchengerät, Kinder, deren besondere Lebensumstände ich aus der Nachbarschaft kenne und den "Schützen". Der Letztere mag wohl "keine gute Perspektive" haben in den nächsten Tagen: "Ein eher nebensächliches Problem wird künstlich aufgebauscht!" steht in der Zeitung von gestern, bleibt aber stets aktuell. "Fische muss man im Normalfall gar nicht lange bitten..." Stier: "Viele Menschen sind momentan überfordert, Ihre Missstimmungen richtig einzuordnen!" Ich sitze in meinem kleinen Zimmer unterm Dach und denke nach.

Zeitsprung: 24.03.2020: "Ich habe ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte meiner Mitmenschen, und man muss mich im Bedarfsfall auch gar nicht lange bitten!" (Zitat: Hildesheimer Allgemeine Zeitung vom 21.03.2020, Seite:10, "Ihr Horoskop" - Fische) 

Geändert hat sich also rein nichts seit den Tagen meiner Jugend.

17:10 h: Mein Vater erreicht das Haus, verschwindet sofort zum Bearbeiten der Fotos des Vormittags grußlos im stockfinsteren Keller. Zielpunkt: 18:00 h! Das mit dem "Entwickeln" der Aufnahmen könnte geklappt haben? Ich stehe vor unserem Wohnzimmer mit meiner Zettelwirtschaft. Es gibt bestimmt keinen Fehler mehr bei Setzen der Kommas? Übergabe. Schweigen. Lesen. In einem solchen, ganz fies knisternden Augenblick hoffst Du auf eine Falltür unter den Füßen, den Fahrstuhl zur Hölle für das Moment, dass Deine Ideen beim Ausdenken eines Horoskops für tausende von Lesern nicht ausreichten. Erlösung von dem Übel... Links im Mundwinkel Deines Gegenüber erreicht der verbale Unsinn erst ein kleinstes, aber stetiges Zucken, dem folgt ein leichtes, dann sich unaufhaltsam steigerndes Schütteln des Oberkörpers, gefolgt von hingebungsvollem, quasi irrsinnigen Gelächter: "Wer glaubt schon, was in der Zeitung steht!" Wir wurden nach den Fehlern in meiner Jugend Freunde bis zum bitteren Ende.

Was ich Ihnen in dieser sehr persönlichen Art und Weise heute empfehlen möchte: "Bleiben Sie zuhause!" Vertrauen Sie nicht uneingeschränkt allen Informationen, die Sie erreichten. Machen Sie nur das Beste in der aktuellen Situation und "fordern Sie nichts heraus"!

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen, wenn Sie nach der Pandemie wieder unsere Gäste sein möchten!

Sabine und Bert  

#Montag, den 23. März, 08:30 h: Achtung, Achtung! Der "Oststädter Inselfunk" sendet aus dem "Untergrund"! Ich sitze früh morgens in unserer kleinen Weinstube, einem ehemaligen Kohlenkeller, den ich im Jahr 2016 unter unsäglichen Anstrengungen rekonstruieren konnte. Mein Blick schweift vorbei an den gut gefüllten Regalen, den untrügerischen Werten unserer heutigen Konsumgesellschaft, führt nach oben und ruht nun auf dem Tonnengewölbe der preußischen Kappendecke. Jetzt werde ich eingefangen von meiner Erinnerung. Genau hier stand ich vor vier Jahren auf einer Leiter, gezeichnet vom Tagewerk, vollkommen erschöpft. Der rheinländer Fugenmörtel tropft unaufhörlich wieder und wieder auf die Schutzbrille, das Atmen durch die Maske wird zur unsäglichen Qual, der Schutzanzug ist total zerrissen. Zementstäube sind sehr giftig! Da höre ich ein sanftes Poltern im Treppenhaus. Sabine, der gute Geist des Hauses, schwebt engelsgleich herunter, steht an der Schwelle des Sperrgebiets und verordnet mit strenger Gebärde die sofortige Pause. Ich füge mich nur zu gern. Watschelnd erreiche ich den Garten, der Pegelstand der Flüssigkeiten in meinen Gummistiefeln übersteigt die des legendären "Hildesheimer Hochwassers" im Jahr 2015. "Damals" füllten sich kleinste Rinnsale, mutierten zu gewaltigen, reißenden Strömen, traten über alle Ufer. Bei jedem Schritt ins Freie folgen mir eigene und fremde Säfte auf den Böden. Später werden mir diese riesigen, nassen Flächen unweigerlich den Weg zurück in die Folterkammer weisen. Jetzt fällt mein Blick geradeaus in den Kristallspiegel an der Wand. Und dort, ganz hinten rechts, erscheinen langsam Gesichter. Die Gesichter derer, die genau an dieser Stelle vor 75 Jahren verängstigt und versteinert saßen, verzweifelt Schutz suchten. Blicke in eine vollkommen ungewisse Zukunft. Tags zuvor, noch kurz vor Kriegsende, war der verheerende Bombenhagel aus den Schächten britischer und kanadischer Flugzeuge auf die Oststadt niedergegangen. Am "Tag danach" gab es genauso wenige Informationen wie heute, wo das lokale Gesundheitsamt keine neuen Zahlen nennt, sondern bislang nur darauf hinweist, dass 6 vormals Infizierte wieder als gesund zuhause sind. Anfang April 1945 stand eine Rechnung: Allein 52 Tote in unserem Stadtteil, die Leute von nebenan, Freunde, Nachbarn, womöglich der Wirt "von schräg gegenüber", wo gestern noch ein Haus war. Ungewissheit. Mit vielen Überlebenden des Bombenangriffs habe ich noch persönlich und sehr intensiv sprechen können. Die Sätze bleiben wie eingemeißelt, immerwährend präsent. Aus irgendeinem Grund wendet sich mein Kopf nach links. Unwillkürlich, berufsbedingt, beginne ich mit dem Zählen von Gläsern und Konserven. Auf Neudeutsch heißen die Dinge, die ich liebe, nun unverständlicherweise "Home convenience". Verstehe das, wer will. "Unser Omma" hat früher jedenfalls noch Gemüse und Obst aus dem Garten eingekocht. Und die Dosenwurst kam vom Metzger des Vertrauens. Apropos Vertrauen: Vertrauen Sie in der Krise insbesondere den Kollegen aus der lokalen Gastronomie. Die waren bis gestern immer für Sie da, "wenn der kleine Hunger kam", kämpfen nun allesamt ums Überleben wie die Menschen, die ich eben noch in meinem Spiegel sah. Wenn wegen der ab heute auch in Niedersachsen verordneten Ausgangsbeschränkungen Kochversuche am eigenen Herd unerwartet, aber dennoch kläglich scheitern oder im Kühlschrank Ihnen die übliche Leere fratzengleich entgegen grinst: Bestellen Sie keine "Pappe" beim x-beliebigen Lieferdienst, der in Hildesheim auf einem Hochglanz-Flyer im Briefkasten mit "Original italienischer Pizza" und angeblich frischen Zutaten lockt. Rufen Sie dort an, wo Köche am Werk bleiben, die ihren Beruf gelernt haben und lieben. Fragen Sie genau dort nach Speisen, die Ihnen für den Verzehr in den eigenen vier Wänden zubereitet und ab nun zum Mitnehmen zur Verfügung stehen werden.  

#Sonntag, den 22. März, 20:30 h: Sehr geehrte Leser, wegen der aktuellen Lage in der Corona-Krise schließen wir heute Abend die Buchungsmöglichkeit unserer Gästezimmer im 1. Obergeschoss des Hauses zunächst bis zum 02. Mai des Jahres, bitten um Ihr Verständnis! Unsere abgeschlossene Ferienwohnung im Erdgeschoss bleibt weiterhin verfügbar und zwar ausschließlich für Gäste, deren Aufenthalt in unserer Region beruflich oder geschäftlich veranlasst ist. Wir leisten auf diesem Weg unseren Beitrag, denjenigen ein sicheres Zuhause zu geben, die durch eine Tätigkeit dringende, unverzichtbare Aufgaben fern von ihrer Familie in Hildesheim erfüllen müssen. Wir begrenzen aus gegebenem Anlass verantwortungsvoll die Nutzung der Räume auf Buchungen für 1 bis 2 Personen. Da sich unser Haus in der Nähe des lokalen HELIOS-Klinikums befindet, sehen wir uns veranlasst, Anfragen für den Aufenthalt von Ärzten und klinischem Personal, insbesondere von Firmen, die diese Berufsgruppe für kurzzeitige Einsätze vermitteln, stets vorrangig zu bearbeiten. 

#Sonntag, den 22. März, 11:45 h: Die Zahl der bestätigten Corona-Patienten ist nun auf 100 angestiegen, davon 31 im Stadtgebiet Hildesheim. 451 Menschen befinden sich in "häuslicher Quarantäne". Die Statistik des Gesundheitsamts des Landkreises weist vor allem jüngere Menschen als Betroffene aus! Bislang konnten 3 Patienten als geheilt aus der Quarantäne entlassen werden.
Der verhältnismäßig moderate Anstieg der Zahlen gibt weder Grund zur Freude, noch Anlass zu Entwarnung oder Fahrlässigkeit. Wir befinden uns erst am Beginn der eigentlichen Problematik. Ab Montag sind weitere, einschneidende Maßnahmen zur Beschränkung des öffentlichen Lebens von der Landesregierung Niedersachsens angekündigt. Sabine und ich nehmen die Sache sehr ernst, so, wie wir es alle tun sollten. Wir gehören zu der Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern, deren Erkrankungsrisiko als besonders hoch eingestuft werden muss. Deshalb haben wir uns bereits gestern Abend ganz freiwillig eine "Ausgangssperre" auferlegt und bitten ab heute auch gute Freunde und liebe Bekannte von Besuchen auf unserer "Oststädter Insel" bis auf weiteres abzusehen. 
Für mich erringt die ungeliebte Empfehlung "Treppensteigen hält jung!" wieder mehr Beachtung und Wertschätzung, denn Bewegung muss sein und zwar auch zuhause, nicht nur rein körperlich, sondern insbesondere mental in alle Richtungen. Als "Trommler", der seinen Beruf "von der Pike auf" erlernt hat, fallen mir Disziplin, Exaktheit, Umsicht und vorausschauendes Denken und Handeln nicht schwer. Neue Regeln und Vorgaben sind eigentlich nur ein nächster Schritt, es geht "eine Stufe" nach oben. Wer sich in der Krise nur abwärts bewegt, sollte jeden einzelnen Schritt täglich neu und genauer bewerten.

#Samstag, den 21. März, 14:45 h: Ab heute, 18:00 h, gilt nachfolgender Erlass des Niedersächsischen Gesundheitsministeriums
"1. Restaurants, Speisegaststätten, Systemgastronomie, Imbisse und Mensen und dergleichen sind für den Publikumsverkehr zu schließen.
2. Es gelten folgende Ausnahmen:
2.a) die in Nr. 1 genannten Betriebe dürfen Leistungen, den Verkauf von Speisen und Getränken, im Rahmen eines Außerhausverkaufs für den täglichen Bedarf nach telefonischer oder elektronischer Bestellung erbringen,
2b) gleiches gilt für entsprechende gastronomische Lieferdienste.
3. Der Verzehr ist innerhalb eines Umkreises von 50 Metern zu diesen Betrieben unzulässig.
4. Aus hygienischen Gründen ist eine bargeldlose Bezahlung dringend zu empfehlen.
Diese Weisung gilt ab sofort bis einschließlich Sonnabend, den 18. April 2020. Eine Verlängerung ist möglich.
"
(Zitat: Runderlasse vom 16.03.2020, (Einschränkung sozialer Kontakte) und 17.03.2020, AZ: 401.41609-11-3 (Übernachtungen, Gaststätten, Restaurants)

#Samstag, den 21. März, 12:00 h: Vormittags zwingen mich pralle Sonnenstrahlen nach draußen. Nein, selbstverständlich gehe auch ich nicht auf die Straße, sondern nehme Platz am kleinen Tisch in unserem Garten und wärme mich an der ersten Tasse heißen Kaffees. Den Pflanzen geht es gut, sie begrüßen mich mit zahllosen frischen Knospen, zartem Grün überall. Der große Rosmarinbusch steht sogar in voller Blütenpracht vor mir wie ein Fels in tobender Brandung und das Thermometer im Gewächshaus vermeldet stolz: 20°!  Aber etwas ist anders als sonst. Ich höre nichts. Dort, auf dem Giebel des Nachbarhauses, wo sich gestern noch in einer Inszenierung Alfred Hitchcocks ähnelnden, langen Reihe die "Aasgeier" ihrem fröhlichen Balztanz hingaben: Leere. Es ist kalt draußen. Alle Fenster sind geschlossen. Fern von hier tut sich etwas! Das bekannte Intervall des Martinshorns ist im Moment ein einziger Beweis für Leben in der Region. Es wird leiser und leiser und noch leiser. Wieder Stille. 
Das lokale Gesundheitsamt meldet lediglich 2 Neuinfektionen im Stadtgebiet Hildesheim, jetzt insgesamt 26. Im Landkreis hat sich die Zahl der Betroffenen auf 63 erhöht. Öffentlich wird von einem ersten Fall mit der Notwendigkeit der stationären Behandlung im Krankenhaus informiert. Aber ich erkenne, wie sich Formulierungen ändern. Dort, wo es gestern noch "häusliche Quarantäne" hieß, wird jetzt verharmlosend von "Verdachtsfällen" (338) gesprochen. Diese Vorgehensweise ist Bestandteil von Katastrophenschutzplänen, die ich selbst aus meiner jahrelangen Tätigkeit im Zivilschutz nur zu gut kenne. Bleiben Sie zuhause! Befolgen Sie unbedingt die Empfehlungen und Vorgaben der zuständigen Behörden! Vermeiden Sie soziale Kontakte! Leisten Sie Ihren Beitrag durch verantwortungsvolles Tun und Handeln, helfen Sie persönlich, um die Expansion der Pandemie weiter zu verlangsamen!

#Freitag, den 20. März, 12:00 h: Am 20.03. ist der kalendarische Frühlingsanfang! Der Morgenhimmel empfängt uns grau in grau, die eiskalte Nässe des Nieselregens zieht beißend durch die Atemluft und die Glocken des nahen Kirchturms läuten sanft aber bestimmt, so, wie bei einer Hinrichtung. Zwölfmal, erst dann höre ich auf mitzuzählen. Ich schaue aus dem Fenster: Totenruhe in der Oststadt. Mein Blick schweift nach links, ein erster Sonnenstrahl erreicht mein Gesicht. Das Zwitschern der Vögel erwacht und am Horizont, da ist er. Nein, nicht Gary Cooper betritt allein, von allen enttäuscht, in aussichtsloser Lage, die Szenerie und er wird auch nicht begleitet von grandioser Filmmusik. Erst jetzt verstummt gurgelnd der Motor der kleinen Rüttelplatte, dessen Handgriff er eben noch umklammerte wie den Colt, der zum finalen Schuss immer bereit ist. Es ist der letzte Mitarbeiter der STRABAG, der am östlichen Rand der "Steingrube" während der Woche gearbeitet hat, nun endlich nach Hause fahren darf, um die Liebste zu umarmen und alle Sorgen und Ängste zu teilen. Seine Warnweste und der gelbe Helm verschmelzen in der Corona des Sonnenlichts, das ihn nun von hinten einfängt, er wird zur wahren Lichtgestalt. Das Absperrgitter ist geschlossen. "Mein Held des Tages" sorgt für Sicherheit und das nicht nur in Zeiten der Pandemie.
Ein Funken Hoffnung spiegeln auch die tagesaktuellen Zahlen des lokalen Gesundheitsamts: 2 vormals Infizierte konnten, als "geheilt" eingestuft, wieder aus der häuslichen Quarantäne entlassen werden. Aber die Zahl der Betroffenen steigt auch in Hildesheim dramatisch und unaufhörlich, wie vorausgesagt. Gemeldet werden heute 24 Infizierte in der Stadt und 62 im Landkreis Hildesheim. Insgesamt 383 Personen zuhause in Quarantäne. Es gibt keinerlei Grund zur "Entwarnung" nur aus dem billigenden Grund, dass momentan keine Fälle öffentlich gemacht werden, die stationär behandelt werden müssten. Aber es liegt nahe, dass die Vorbereitungen der lokalen Krankenhäuser, mit der notwendigen Ruhe, Exakt- und Gewissenhaftigkeit vorgenommen, später nicht zu "italienischen" Verhältnissen führen werden, in einem Moment, wo die Spitze des Eisbergs noch lange nicht in Sicht sein kann.
Ich veröffentliche an dieser Stelle auch pflichtgemäß die aktuelle Pressemitteilung des Niedersächsischen Ministers für Inneres und Sport, Pistorius sagt: „Leider ist es so, dass einige Menschen immer noch nicht akzeptiert haben, dass die durch die Landesregierung aufgestellten Regeln lebensnotwendige und lebensrettende Maßnahmen sind. Wir befinden uns in einer einmaligen und historischen Ausnahmesituation. Niemand kann sagen, wo wir in einigen Wochen stehen werden. Wir appellieren darum noch einmal eindringlich an die Vernunft und die Verantwortung aller Bürgerinnen und Bürger. Denn ohne ihre Einsicht und ihre Vernunft geht es nicht! Es muss jetzt allen klar sein, dass weitere Schritte folgen müssen, wenn die jetzt erlassenen Regeln nicht überall ohne Ausnahme eingehalten werden. Wenn wir jetzt alle gemeinsam solidarisch und vernünftig sind, haben wir eine Chance, die Folgen dieser Krise zu mildern, die Zahl der Opfer so klein wie möglich zu halten. Diese Chance hat jeder Einzelne. Aber jeder hat auch eine eigene Verantwortung. Jeder und jede Einzelne kann durch richtiges Verhalten unserer Gesellschaft dabei helfen, so schnell es geht wieder in die Spur zu kommen. Damit dieses Land schnell wieder da ist, wo es gestern war. Ich wünsche mir heute, dass alle diese drastischen Maßnahmen, die vor wenigen Wochen kaum jemand für möglich gehalten hätte, schnell wieder aufgehoben werden können, weil die Krise überwunden ist. Dazu braucht es der Mithilfe aller." (Zitat: Pressestelle des MI vom 19.03.2020)

"Mein Held des Tages" ist nun unterwegs. Der kleine Transporter mit der großen, roten Aufschrift schnurrt in Richtung Autobahn davon. Ich freute mich auf ein Wiedersehen in der kommenden Woche, denn dort, wo er die Tage bis dahin verbringt, wird er genauso gewissenhaft handeln und leben wie bei uns. Machen wir es alle so wie dieser Mann, fahren wir wie einst Gary Cooper, schwer verletzt, aber mit den Zügeln fest in der Hand und befeuert von Liebe und Herzlichkeit in die untergehende Abendsonne, sehen schweren Zeiten mit Zuversicht entgegen.

#Donnerstag, den 19. März, 12:45 h: Heute, nach der herzzerreißenden Ansprache unserer Bundeskanzlerin vom gestrigen Abend, erscheint die Stadt wie ausgestorben. Toll, wie "Mutti" die Situation gemeistert hat, meine Hochachtung! Lange überlegte, mahnende, teils erschreckende und trotzdem irgendwie herzliche Worte rütteln endlich wach. Und nur wer gelernt hat, zwischen den Zeilen zu lesen, weiß, worum es im Moment eigentlich geht. 
Die lokale Presse titelt heute mit neuen, alarmierenden Zahlen, dieses mal vom  zuständigen Gesundheitsamt des Landkreises: Jetzt 66 Infizierte in Stadt und Kreis. 19 in der Stadt Hildesheim und 47 im Landkreis. "Neben den Betroffenen befinden sich noch 245 Personen in häuslicher Quarantäne." (Zitat: HAZ vom 19.03.2020). Die Gemeinde Harsum ist am schwersten betroffen, was allerdings womöglich zu erwarten war. Das RKI und die zuständigen Stellen des Landes verwalten noch die Zahlen "von vorgestern". Zu mutmaßen bliebe, ob das mit Absicht passiert. Vor der Haustür spüren wir jetzt die Verunsicherung ganz unzweideutig. Simple Strukturen beklagen gebetsmühlengleich und lautstark den Engpass bei der Versorgung mit Toilettenpapier, schleichen dann eher etwas zittrig, jedoch vom schelmischen Grinsen begleitet, den 12er-Pack "vom ALDI" ganz fest von beiden Armen in einer Art Schraubzwinge vor Halunken und brutalen Straßenräubern gesichert um die nächste Ecke herum, verschwinden im Nichts.

#Mittwoch, den 18. März, 19:45 h: Die Landesregierung gibt um 15:00 h bekannt: 740 bestätigte Corona-Fälle in Niedersachsen insgesamt. Das ist eine Steigerung um 177 Fälle im Vergleich zum Vortag. Bislang kein Todesfall und in Hildesheim keine neuen Infektionen!

#Mittwoch, den 18. März, 13:00 h: So, der Erlass des Niedersächsischen Gesundheitsministeriums ist mit sofortiger Wirkung bis zunächst zum 18. April 2020 umzusetzen: "Betreibern von Beherbergungsstätten und vergleichbaren Angeboten, Hotels, Campingplätzen, Wohnmobilstellplätzen sowie privaten und gewerblichen Vermietern von Ferienwohnungen, von Ferienzimmern, von Übernachtungs- und Schlafgelegenheiten und vergleichbaren Angeboten ist es untersagt, Personen zu touristischen Zwecken zu beherbergen". Ausgenommen von diesem Verbot sind ausdrücklich beruflich und geschäftlich bedingte Aufenthalte. Begründung: "Vor dem Hintergrund der sehr dynamischen Verbreitung von Infektionen mit dem SARS CoV-2 Virus und Erkrankungen an COVID-19 müssen unverzüglich weitere umfänglich wirksame Maßnahmen zur Verzögerung der Ausbreitungsdynamik und zur Unterbrechung von Infektionsketten ergriffen werden. Weitreichende effektive Maßnahmen sind dazu dringend notwendig, um im Interesse der Bevölkerung und des Gesundheitsschutzes die dauerhafte Aufrechterhaltung des Gesundheitssystems in Niedersachsen sicherzustellen. Die großflächige Unterbrechung und Eindämmung des touristischen Reiseverkehrs ergänzt die bereits ergriffenen Maßnahmen und stellt im Kontext der übrigen Maßnahmen zur Kontaktreduzierung ein wirksames, angemessenen Vorgehen dar, um das Ziel einer Entschleunigung und Unterbrechung der Infektionsketten zu erreichen. Angesichts des angestrebten Ziels der Aufrechterhaltung der Gesundheitsversorgung für die Gesamtbevölkerung ist die Maßnahme auch verhältnismäßig." Zitate: Runderlass vom 16.03.2020, AZ: 401.41609-11-3 (Einschränkung sozialer Kontakte)

#Mittwoch, den 18. März, 10:45 h: Die Zahl der amtlich bestätigten Infektionsfälle in ganz Niedersachsen ist "über Nacht" auf 563 sprunghaft angestiegen. Für Hildesheim wurden aber bislang keine neuen Infektionen gemeldet. Es bleibt bei 28 bestätigten Fällen. Viele Geschäfte sind wegen gesetzlicher und behördlicher Empfehlungen und Beschlüsse nun geschlossen. Die Versorgungslage in der Stadt präsentiert sich jedoch (nach wie vor) uneingeschränkt lückenlos. Wir rechnen quasi stündlich mit nachvollziehbaren Maßnahmen, die den Tourismusbetrieb in der Region zusätzlich und womöglich nachhaltig einschränken werden und haben uns heute dazu entschlossen, als weitere präventive Maßnahme das Angebot von Versorgungsleistungen im Restaurantbereich (Frühstück/Abendessen) ebenfalls für unbestimmte Zeit einzustellen, um Infektionsgefahren im größtmöglichen Umfang in unserem Haus auszuschließen, bitten unsere Gäste um Verständnis, hoffen auf gegenseitiges Einvernehmen.

#Dienstag, den 17. März, 16:40 h: Keine neuen Infektionen in Hildesheim gemeldet. Im Landkreis Peine 1 Neuinfektion. In Niedersachsen keine Veränderung der Zahl der Infizierten, da inzwischen 1 vormals Erkrankter als "wieder genesen" eingestuft ist! Insgesamt also 391 Infizierte. Schön! In unserer Stadt gibt es bislang keine Beschlüsse über die mögliche Schließung von Hotels und Beherbergungsbetrieben. Für Kneipen und Gaststätten gelten aber gesonderte Öffnungszeiten und Hygiene-Richtlinien. Restaurants werden ab heute jeweils um 18:00 h absperren.

#Dienstag, den 17. März, 10:30 h: Die Bundesregierung und die Regierungschefs der Bundesländer haben am 16. März 2020 Leitlinien zum einheitlichen Vorgehen zur weiteren Beschränkung von sozialen Kontakten im öffentlichen Bereich angesichts der Corona-Epidemie in Deutschland vereinbart. U.a.: Regelungen, dass Übernachtungsangebote im Inland nur zu notwendigen und ausdrücklich nicht zu touristischen Zwecken genutzt werden können. Wir bitten deshalb neue Interessenten um entsprechende Beachtung! Unser Haus bleibt für Gäste, deren Reiseanlass beruflich bedingt ist, weiterhin geöffnet.

#Montag, den 16. März, 22.30 h: Jetzt 391 bestätigte Infektionen in Niedersachsen, 28 davon in Hildesheim (unverändert)

#Montag, den 16. März, 8:45 h: Die Zahl der gemeldeten Infizierten in der Stadt Hildesheim ist heute Morgen auf 14 gestiegen. Im Landkreis Hildesheim: 14 Infizierte, 145 Personen in häuslicher Quarantäne, insgesamt 287 Fälle in ganz Niedersachsen

#Sonntag, den 15. März, 15:00 h: Gemäß des aktuellen Situationsberichts des Robert-Koch-Instituts vom #14. März 2020, 15:00 h, gibt es in Niedersachsen insgesamt 253 laborbestätigte Fälle von Infektionen, nur 10 davon entfallen auf die Stadt Hildesheim mit etwa 103.000 Einwohnern. Die regional zuständigen Organe und Verwaltungen haben rechtzeitig und zielgerichtet gehandelt, um zusätzliche Infektionen einzudämmen und die momentan Betroffenen unter Quarantäne gestellt (85 Personen). Wir haben keinerlei Kenntnis von Komplikationen oder einem schweren, bedrohlichen Verlauf der Erkrankungen, wünschen von ganzem Herzen "Gute Besserung!" Auch in unserer Stadt sind inzwischen alle größeren Veranstaltungen oder Versammlungen abgesagt, die präventiven Maßnahmen greifen ganz offensichtlich. Schulen, Museen, Kirchen, Bäder und andere öffentliche Einrichtungen bleiben vorerst geschlossen, im Personennahverkehr werden Busfahrer sogar dadurch geschützt, dass Fahrgäste nur noch im hinteren Bereich der Fahrzeuge zu- und aussteigen dürfen.

Wir haben trotz alledem ein gutes Gefühl, fühlen uns sicher!

Stammgäste unseres Hauses wissen, welchen hohen Stellwert die Hygiene bei uns seit der Eröffnung des Beherbergungsbetriebs ununterbrochen einnimmt. Wir können unsere Standards auch im Fall der Krise eigentlich gar nicht mehr verbessern. Dennoch gehört seit einer Woche die täglich mehrmalige Desinfektion aller Türgriffe und -Klinken unter Verwendung biologisch abbaubarer Reinigungsmittel zum selbstverständlichen Prozedere. Wir glauben, das Einbringen des Virus durch Dritte, wie Postboten, Paket- und Lieferdienste, auf diesem Weg gewissenhaft auszugrenzen. Wir führen weder ein Hotel, noch eine öffentliche Gaststätte. Es gibt also weder Fremde, noch Laufkundschaft im Haus. Alle Leistungen erbringen wir bekanntermaßen nur für diejenigen, die unsere Gäste sein möchten. Unsere Wohneinheiten sind in sich abgeschlossen und gewährleisten eine komplette Selbstversorgung während der Anwesenheit. Obendrein werden auch wir, rein präventiv, den Schankbetrieb in unserem "Versorgungskeller" für unbestimmte Zeit einstellen und unsere Weinstube nicht öffnen. Fühlen Sie sich als unser Gast bitte so wie auf einer kleinen Insel, die mitten im Ozean, im größten Orkan aller Zeiten, jeder Sturmflut trotzen kann!

Die Region Hildesheim wird sehr stark wegen des nahen Messe-Geländes in Hannover-Laatzen frequentiert. Die Industrie- (Hannover-) Messe wurde frühzeitig und nach bestem Wissen und Gewissen der Verantwortlichen in den Monat Juli des Jahres verlegt: Das ist sehr gut! Alle Buchungen für unser Haus von Gästen aus dem Ausland, dort, wo das Virus viel stärker grassiert als im Süden Niedersachsens, wurden inzwischen für die kommenden acht Wochen im gegenseitigen Einvernehmen storniert. Dadurch können wir noch mehr Sicherheit gewährleisten, um das Ankommen des Virus von der Moltkestrasse 89 abzuwenden. Außerdem bitten wir Geschäftsreisende und Interessenten aus den bekannten Risikogebieten Deutschlands und dem europäischen und insbesondere, internationalen Umfeld, die bei uns wohnen möchten, ab sofort konsequent auf Anfragen oder Onlinebuchungen während der nächsten sechs Wochen zu verzichten, insbesondere für den Fall, dass sie Anzeichen einer Erkrankung, die dem Erscheinungsbild des Corona-Virus entsprechen könnten, wahrnähmen, weil wir deren Unterkunft in unserem Haus, quasi "an der Tür" ablehnen müssten. Wir bitten in einem solchen Fall bereits weit im Voraus für unbedingtes Verständnis und eine diesen Rahmenbedingungen entsprechende Vorgehensweise.

Wir möchten Sie abschließend dahingehend versichern, dass wir in der Krise stets und überaus gewissenhaft unser Bestes geben und Ihre Vorstellungen und Wünsche uneingeschränkt erfüllen möchten! Frei nach unserem Motto "Wir freuen uns auf Sie!" bleiben wir also gut gelaunt und sehen den erforderlichen Aufgaben angefüllt von Kraft und Ehrgeiz entgegen. Bleiben Sie gesund!

Sabine und Bert-Holger Fütterer

 
 
 
 
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