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Wir freuen uns auf Sie!      Sabine + Bert-Holger Fütterer

Informationen zur Corona-Pandemie 

Täglich aktualisiert

#Ein Tagebuch in der Krise

Liebe Freunde unseres Hauses, sehr geehrte Gäste und Interessenten unseres Angebots,

aus gegebenem Anlass möchten wir Sie ab #Sonntag, den 15. März 2020, regelmäßig an dieser Stelle darüber informieren, wie wir in der aktuellen Krise agieren und reagieren, was wir gleichermaßen für Ihre und unsere eigene Sicherheit unternehmen, um gesundheitliche Gefahren durch die aggressive, weltweite Ausbreitung des Corona-Virus weitestgehend von unserem Betrieb abzuwenden und berechtigte Bedenken für einen Aufenthalt in der Moltkestrasse 89 eigenverantwortlich zu bewerten.

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#Freitag, den 29. Mai 23:20 h: Keine Neuinfektion in Hildesheim. Im Stadtgebiet ist die Zahl der Infektiösen auf sechs gesunken. Nur noch zwölf Erkrankte werden derzeit in Krankenhäusern behandelt. Insgesamt sind im Zuständigkeitsbereich des Gesundheitsamts jetzt 41 Personen als infiziert gelistet. Gute Zahlen, frohe Pfingsten!

#Donnerstag, den 28. Mai, 19:10 h: Auch heute meldet das lokale Gesundheitsamts keine Neuinfektion. Es bleibt also beim Stand vom Mittwoch. Das freut uns sehr! Beim Auswerten der Zahlen des Landesgesundheitsamts in Hannover gibt es allerdings Grund zur Besorgnis. Nach den Lockerungen für Hotellerie und Gastronomie an der ostfriesischen Küste steigen dort in den Landkreisen die Mengen der Infektiösen unaufhörlich. Eine geplante Reise ans Wattenmeer wird deshalb nicht in Frage kommen und wir bleiben schön in Hildesheim!

#Mittwoch, den 27. Mai, 23:10 h: Für den Landkreis Hildesheim werden keine Neuinfektionen gemeldet. Bedauerlicherweise gibt es aber ein weiteres, das fünfte Todesopfer im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung zu beklagen. Ein 92-jähriger Herr ist nach stationärer Behandlung verstorben. In den regionalen Kliniken werden noch 13 Personen wegen eines schweren Verlaufs behandelt. Es gelten heute 43 Personen als infektiös, davon sieben im Stadtgebiet. 

#Dienstag, den 26. Mai, 21:30 h: Heute ist der 75. Tag unserer Isolation. Der Bund will beschließen, dass die Kontaktbeschränkungen bis zum 29. Juni gelten sollen. Im Kreis Hildesheim gibt es zwei neue Infektionsfälle. Im Wohnheim der Diakonie in Bad Salzdetfurth wurden auch diese Personen inzwischen als "positiv" getestet. Die Betroffenen befinden sich dort, ganz oben auf dem "Burgberg", in Quarantäne, eigentlich so wie immer. In Stadt- und Kreisgebiet bleiben die Fallzahlen rückläufig und folgen dem allgemeinen Trend. Hildesheim meldet noch sieben Infektiöse. Im Landkreis gibt es in zehn Gemeinden jeweils einen einzigen, bestätigten Fall. In der Gemeinde Harsum sind es zwei. Insgesamt bleibt es deshalb bei 45 Infektiösen in Quarantäne und Kliniken auf 276.600 Bürgerinnen und Bürger in unserer Region. Im lokalen Freibad dürfen Schwimmer seit gestern wieder ihre Bahnen ziehen und das Stadtmarketing plant, ab September des Jahres eine Vielzahl von öffentlichen Veranstaltungen, die Corona-bedingt während des Sommers ausfallen müssen, mit aller Gewalt im Herbst nachzuholen. Bei Gastronomen herrscht große Unzufriedenheit, weil ein Wirt in Ostfriesland der gesamten norddeutschen Branche einen Bärendienst erwiesen hat. Gerüchte über dessen aktive Tischarbeit am Gast ziehen Kreise. Informationen über die Höhe der Bußgelder bleiben im Verborgenen, weil die beteiligten Gäste, Mitglieder der Geschäftsleitung der hinlänglich bekannten Meyer-Werft in Papenburg, in einer strukturschwachen Gegend Gewerbesteuern zahlen, auf die in Krisentagen niemand verzichten möchte. Auch bei Frau Dr. S. aus H. bleiben Stühle im Warteraum leer. Ich bin der einzige Patient. Meine Ration liebevoll zubereiteten Linseneintopfs ist die beste Suppe, die ich je verkosten durfte. Das Rezept kann in keiner Apotheke eingelöst werden.

#Montag, den 25. Mai, 23:00 h: Am Wochenende haben sich im Landkreis Hildesheim vier Menschen neu mit dem Corona-Virus infiziert. Das ist eine Folge des Ausbruchs der Erkrankung in einem Wohnheim der Diakonie in Bad Salzdetfurth. Dort gibt es nun 23 infektiöse Personen. Im Stadtgebiet von Hildesheim bleibt die Lage stabil, es werden nur noch acht Infektiöse auf 103.000 Einwohner gezählt. Von insgesamt 45 Betroffenen in unserer Region werden 17 stationär in Kliniken behandelt. 337 gelten als genesen.

#Sonntag, den 24. Mai, 15:15 h: Wie üblich gibt es feiertags keine aktuellen Zahlen aufzuschreiben. Statt dessen beziehe ich mich wieder auf meine Information vom Vortag und darf heute das Gesundheitsamt des Landkreises zitieren:

"Ab Montag, 25. Mai gilt in Niedersachsen die neue Verordnung über infektionsschützende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus. Darin sind viele Lockerungen enthalten.

Grundsätzlich bleibt es aber bei den wesentlichen Hygiene- und Abstandsregeln. Auch die „Zwei-Haushaltsregel“ für den öffentlichen Raum bleibt weiterhin bestehen. Das bedeutet, es dürfen sich immer nur Personen aus maximal zwei Haushalten in der Öffentlichkeit treffen und zum Beispiel gemeinsam in einem Restaurant essen gehen.

Aber auch in der eigenen Wohnung gilt weiter das Prinzip der Kontaktminimierung: der Kreis der Menschen, die sich zuhause treffen, soll zum Schutz aller Beteiligten möglichst klein und idealerweise weitgehend gleichbleibend sein.

Während bisher nur bei Hochzeiten und Beerdigungen eine größere Anzahl von Menschen aus dem engsten Familien- und Freundeskreis zusammen kommen durfte, wurde dies auf weitere Anlässe ausgeweitet. Zukünftig dürfen auch bei standesamtliche Trauungen, Taufen, Erstkommunion, Firmung, Konfirmation, humanistische Jugendweihe, Bat Mizwa, Bar Mizwa u.ä. bis zu 20 Personen zusammenkommen und gemeinsam feiern. Dies ist ausdrücklich ab Montag auch in Restaurants an einem großen Tisch möglich.

Die Aufzählung der Anlässe ist abschließend und gilt daher nicht für Verlobungsfeiern und Silberne oder Goldene Hochzeiten. Auch Geburtstagspartys oder Abibälle bleiben wie alle anderen öffentlichen Veranstaltungen bis auf weiteres verboten."

Schade, denn wir wollten eigentlich am 28. Mai 2020 im vernünftigen Rahmen die Gnadenhochzeit am großen Tisch in unserer kleinen Schankwirtschaft feiern. Daraus wird nun wieder nichts.

#Samstag, den 23. Mai, 16:30 h: Im Kreis Hildesheim gibt es zwei weitere, neue Infektionsfälle. Im Stadtgebiet sinkt die Zahl der Erkrankten auf elf. Von 45 infektiösen Personen wird seitens der Behörden in Summe ausgegangen. Fünf Todesopfer sind zu beklagen und aktuell befinden sich 125 Menschen in häuslicher Quarantäne sowie 17 in stationärer Behandlung in einem Krankenhaus. Das Innenministerium betrachtet 86,3 % der vormals Betroffenen als genesen. Weitere Lockerungen von Beschränkungen treten ab Montag, den 25. Mai in Kraft. Wer die Fallzahlen genauer betrachtet, erkennt, dass nun wider den Trend im Flächenland Niedersachsen die Infektionszahlen in den Kreisen an der Nordseeküste steigen, wo vor der Einführung von Lockerungen quasi niemand als erkrankt gemeldet worden war. Thüringen, ein Nachbar in Richtung Osten, will ab dem 06. Juni alle geltenden Beschränkungen aufheben. Mecklenburg-Vorpommern meldet zum zweiten mal keine Neuinfektion. Frau Dr. S. aus H. verweigert die Aufnahme hausgemachter Falafel und die Muslime dürfen das Fastenbrechen nicht ihrer Religion entsprechend feiern. Die hannoversche TUI will wieder "all-inklusive" auf Mallorca ermöglichen und Spanien ruft zur Urlaubsplanung auf. Ich bezeichne die allgemeine Lage heute deshalb als durchwachsen. Jemand, der sich mit Fleischwaren auskennte, weiß, dass das eine Bezeichnung für Stücke minderer Qualität ist. Genießer schätzen jedoch deren Saftigkeit und Aroma. Es geht wohl bergauf.

#Freitag, den 22. Mai, 19:45 h: Heute Abend nehme ich Bezug auf meinen Beitrag von gestern, denn die "Herrschaften", die ich erwähnt habe, hatten "alle Hände voll zu tun". 26 Neuinfektionen im Landkreis galt es zu "verarbeiten". Da kann eine schnelle Information der Öffentlichkeit schon einmal im Stau stehen, um am Problemtag/"Vatertag" keine zusätzliche Panik zu befördern. Auch die verharmlosende Formulierungsweise der Lokalpresse im selben Zusammenhang heiße ich nicht gut. Und dass in einer Großstadt diejenigen, die sich online Kenntnis von der aktuellen Lage verschaffen wollten, für das Lesen einer einfachen Information in der "ältesten Tageszeitung Deutschlands" horrendes Geld für den "Klick" auf einen Zugangscode per Bankeinzug bezahlen sollen, prangere ich an. Diese Zeitung ist das amtliche Sprachrohr der Stadt Hildesheim und müsste deshalb auch denjenigen, die sich den vorgenannten "Klick" für € 1,79, insbesondere in Krisenzeiten, nicht leisten können, uneingeschränkt zur Verfügung stehen! Schämt Euch!

Konkret geht es bei den neu Infizierten um behinderte Bewohner sowie Pfleger/Angestellte einer kirchlichen Einrichtung in der Gemeinde Bad Salzdetfurth. Der Kreis der Betroffenen sei erkannt und könnte eingegrenzt werden. Die Gefahr wird heruntergespielt. Ob sich nun alte Männer wie geplant im wieder geöffneten Dorfgasthof dem Doppelkopfspiel hingeben dürften, wird Fragen aufwerfen müssen. 

Frau Dr. S. aus H. rät wie immer zur Besonnenheit: "Achten Sie auf Risiken und Nebenwirkungen und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!" Nehmen Sie stets etwas Kleingeld zur Hand.  

#Donnerstag, den 21. Mai, 13:00 h: Am Vatertag nennt das Gesundheitsamt keine aktuellen Zahlen! Stattdessen haben sich die Herrschaften noch kurz vor Toresschluss ebenfalls dem Thema übermäßigen Alkoholkonsums während dieses traditionsreichen Feiertags angenommen und eine Unmenge von Restriktionen für den Aufenthalt in öffentlichen Bereichen verhängt. Das kommt viel zu spät! Zum einen erreicht es diejenigen, die Planungen schon längst abgeschlossen haben, gar nicht. Sie werden ihre Vorhaben nicht mehr ändern. Zum anderen ist die Vorlaufzeit der Veröffentlichung eben viel zu kurz. Und die Wege und die Art und Weise derer, eine kurze Notiz in der Tageszeitung, erscheint haarsträubend undurchdacht. Auch auf der "Steingrube", dem wunderbar neugestalteten grünen, großen, innerstädtischen Park, der direkt vor unserer Haustür beginnt, gilt heute plötzlich ein absolutes Alkoholverbot. Eben habe ich meinen sicheren Standort im Garten verlassen und bin wieder einmal der Isolationshaft nur für ein Nu entkommen. 30 m braucht es, um die Straßenecke zu erreichen. Auf dem Gehweg versperren mir schwitzende Beamte mit einem mächtigen Polizeibus den Fortgang meiner winzigen Tour. Die Damen und Herren müssen in praller Sonne wohl bis in den späten Abend hinein dort verharren, um auch einen allerletzten, einsamen Zecher ausfindig und dingfest zu machen. Ist das wirklich notwendig oder nur simpler Blödsinn? Der Park ist jedenfalls zur Mittagszeit menschenleer. Eine alte Dame führt ihren Fiffi aus. Ein kleines Kind fährt mit seinem Tretroller im Verkehrskindergarten auf und ab.

#Mittwoch, den 20. Mai, 02:00 h: Nachtschicht. Langsam kehrt wieder etwas Normalität ein. Frau Dr. S. aus H. raschelt mit der Tablettenbox und mahnt: "Bleiben Sie wachsam und achten Sie darauf, wen und wo Sie wen treffen! Ich empfehle Ihnen weiterhin Stubenarrest und als neurotischer, einfacher Kassenpatient vereinbaren Sie bitte an der Rezeption einen Gesprächstermin ab dem 30. Juni 2022. Ich bin jetzt immer für Sie da!"

Abends meldet die lokale Behörde acht neue Infektionsfälle! Und seit Ausbruch der Pandemie gibt es in der Stadt Alfeld, die etwa 30 km von hier entfernt im Leinebergland liegt, einen Erkrankten!? Womöglich hängt die Sache zusammen mit einem aktenkundigen Störfall in einer der örtlichen Papierfabriken. Der oder die Betroffene erfüllte sich einen langgehegten Traum und hat das gewohnte und geliebte Umfeld im Talkessel erstmals im Leben verlassen, um sich einen "frischen Wind" um die Nase wehen zu lassen, sich dann beim Ausflug in eine große, weite Welt prompt angesteckt. Spaß beiseite. Sieben Neuinfektionen gibt es auch in der Gemeinde Bad Salzdetfurth, einem kleinen Kurort südlich von Hildesheim an der Lamme. Diese zurzeit unproportional hohe Zahl von Neuinfektionen kann nur verdeutlichen, dass wir "noch lange nicht über den Berg sind" und dass eine ganze Gruppe von BürgerInnen die geltenden Empfehlungen und Vorschriften nicht ernst genommen hat. Gestern hatte ich vor den "Himmelfahrtskommandos" gewarnt. Schon heute folgt, was ich gar nicht heraufbeschwören wollte, aber noch oft genug passieren wird, wenn die Abstandsregeln in Gleichgültigkeit und Feierlaune untergehen. In der Stadt Hildesheim werden per Stichtag 19. Mai 21 Infektionsfälle festgestellt, eine Person konnte inzwischen aus der stationären Behandlung entlassen werden. Insgesamt gelten in der Region 39 Personen als infektiös. Im Bundesland Niedersachsen sind 84,9 % all´ derer, die sich infiziert hatten, genesen. 

Frau Dr. hat einen Termin beim Coiffeur ergattert, zeitnah am Freitag um 11:00 h: "Langsam kehrt wieder etwas Normalität ein!" 

#Dienstag, den 19. Mai, 08:45 h: An diesem Morgen beginnt der 68. Tag des Hausarrests. Nach den "Eisheiligen" steigen die Temperaturen deutlich und die Pflanzen in unserer kleinen Außenanlage entwickeln sich prächtig. Das lange Himmelfahrtswochenende steht bevor. Im letzten Jahr war das Hildesheimer Weinfest, das während dieser Zeit zig-tausende in die Innenstadt sog, noch ein stets wiederkehrender, echter Publikumsmagnet. Heuer bleiben die Flaschen verkorkt und der Marktplatz verwaist. Ob sich anlässlich der in unserer Region untersagten "Vatertagstouren" regional eine bislang positive Entwicklung in Sachen Corona-Infektion fortsetzt, bleibt abzuwarten. Denn die unverbesserlichen "Himmelfahrtskommandos", vornehmlich Nichtväter, werden wohl ihr Plätzchen finden, um sich auch ohne öffentliche Zuschauer den eigentlich nur als Erfrischung gedachten Getränken wieder einmal hemmungs- und sinnlos hinzugeben, bis der Arzt kommt.

#Montag, den 18. Mai, 23:35 h: Neue Nachrichten vom Landkreis Hildesheim! Nach dem Wochenende werden nur zwei neue Infektionen nachgewiesen. 16 Personen müssen weiterhin in den lokalen Kliniken versorgt werden. Die Gesamtzahl der Infektiösen ist jedoch auf 35 gesunken. Das ist der niedrigste Wert seit dem 16. März des Jahres. Von 353 vormals Erkrankten gelten heute 315 als genesen. Der positive Trend hält also weiter an. In der Gastronomieszene erwacht eine Art von Goldgräberstimmung. Kneipen, denen es noch nicht erlaubt ist, hatten geöffnet und wurden durch sofortige Einsätze der zuständigen Behörden wieder geschlossen. Jetzt drohen dort, wo der Überlebenswille die Vernunft außer Kraft setzt, obendrein saftige Bußgelder. In den Hildesheimer Restaurants haben sich viele Wirte mit den erforderlichen Rahmenbedingungen gewissenhaft auseinander gesetzt und unter Einhaltung der geltenden Regeln wieder den Betrieb aufgenommen. 

#Freitag, den 15. Mai, 18:55 h: Heute meldet der Kreis Hildesheim zwei neu Infizierte Personen. Insgesamt gelten nun 306 als genesen. Die Zahl der Infektiösen verringert sich auf 42 Betroffene. 16 BürgerInnen werden weiterhin in Klinken behandelt. Die Menge der Gemeinden, in denen es keine nachweisbaren Corona-Fälle gibt, ist auf sieben angestiegen. Die Anzahl der "Verdachtspersonen" hat sich um zwei auf jetzt 68 gesenkt. Eine überaus erfreuliche Entwicklung! 

#Donnerstag, den 14. Mai, 23:50 h: Die Lage in Hildesheim, einer niedersächsischen Großstadt mit ca. 103.000 Einwohnern, folgt dem Trend des Bunds. Das Gesundheitsamt meldet zum zweiten mal seit Ausbruch der Katastrophe keine Neuinfektion! Heute ist nur noch von 43 Betroffenen zu berichten. Außerdem befinden sich 70 sog. "Verdachtspersonen", die sich womöglich gar nicht angesteckt hätten, in häuslicher Quarantäne. Bedauerlicherweise bleiben immer noch 15 Personen in stationärer Behandlung in einem Krankenhaus. Im gesamtem Kreisgebiet werden nur 14 Infizierte gezählt und in vier von 17 Gemeinden gibt es sogar keine akuten Corona-Fälle. Hoffentlich bleibt diese Entwicklung von Dauer, damit auf der Basis von Vernunft und Gewissenhaftigkeit wieder ein Mehr an Normalität eintritt und eine notwendige Form von Lebensqualität über das Maß der "Lockerungen" hinaus entstehen kann. 

Rückkehr zur Normalität bedeutet für uns, dass nun wieder der Paketdienst regelmäßig an der Tür klingelt, um lagerfähige Lebensmittelspezialitäten unserer bewährten Lieferanten abzugeben. Auch der Weinkeller füllt sich langsam, aber sicher mit frischen Abfüllungen. Wir bereiten uns vor und hoffen auf einen erholsamen Sommer, der im Süden Norddeutschlands frei von Stürmen und Unwettern bleiben mag, wo der Auslandsurlaub in diesem Jahr ohnehin gestrichen ist.

Frau Dr. S. aus H., die in diesem Blog vielfach zitierte Expertin, läuft jetzt zur Hochform auf! Bislang unbeachtete Blätter und Pflanzenarten, die in unserem kleinen Biergarten nun wirklich nichts zu suchen hätten, haben plötzlich unaufgefordert einen Platz in ihrem Herbarium namens Biotonne. In Zeiten des Klimawandels finden zukunftsorientierte Strategien zur Bewässerung bedrohter Beete Einzug in die gängige Fachliteratur und Frau Dr. konnte "draußen" sogar die bislang unbekannte Gattung eines fiesen Schädlings bestimmen. Es handelt sich dabei um Aphidoidea nigreos Heinrich phaulius. "Heinrich, die schwarze Blattlaus" wurde womöglich beim Regen per Tröpfcheninfektion eingeschleppt, der Ursprung vermutet auf einem Tiermarkt des Nachbargrundstücks. Mit der eindeutigen Klärung des Infektionswegs wird sich ein Team von zahllosen, zusätzlichen Fachleuten bis in die nächste Vegetationsphase hinein beschäftigen müssen und erst viel später auch der Bundesregierung mit hilfreichen Empfehlungen zur Seite stehen, um die Ausbreitung einer Plage zu verlangsamen.

#Mittwoch, den 13. Mai, 09:30 h: Nachdem am letzten Wochenende die Hildesheimer Fallzahlen rasant in die Höhe geschnellt waren, pendeln sie sich nun wieder auf einem niedrigen Niveau ein. Das lokale Gesundheitsamt hat gestern Abend lediglich eine Neuinfektion auf ca. 276.600 Einwohner gemeldet. 15 Personen werden wegen eines schweren Verlaufs der Erkrankung weiterhin stationär in den örtlichen Kliniken versorgt. 46 BürgerInnen gelten als infektiös, davon 17 im Kreis und 29 im Stadtgebiet. Auch im Bundesland Niedersachsen bleibt die Lage stabil. Während der letzten sieben Tage gab es im Durchschnitt nur noch 68 Neuinfektionen auf 7.982.000 Einwohner. 81,7 % der vormals Erkrankten gelten bereits als genesen. Die höchste Zahl an Infektionen haben die Universitätsstandorte gemeldet, während große Bereiche des Nordens des Landes von den Auswirkungen der Pandemie weitgehend verschont blieben. Die Hildesheimer haben sich bislang wacker geschlagen und auch wir geben uns weiterhin große Mühe, das Virus von unserem Betrieb fernzuhalten. Anlass zur Beunruhigung, trotz der drohenden Gefahr einer nachfolgenden, zweiten "Welle", verspüren wir zurzeit nicht. "Bleiben Sie gesund!" wird später bestimmt zum "Satz des Jahres 2020" gekürt werden.

#Dienstag, den 12. Mai, 09:30 h: Zahlen vom Gesundheitsamt liegen nun vor. Gestern waren 59 Infektiöse registriert, weitere 15 Personen werden in Kliniken versorgt. Macht zusammen 74 Betroffene. Insgesamt befinden sich 183 Menschen in häuslicher Quarantäne. 

#Montag, den 11. Mai, 11:15 h: Wir starten in eine neue "Corona-Woche". Es ist der 60. Tag unseres Hausarrests. Die Stimmung bleibt weiterhin gut, auch wenn die "Kalte Sophie" während der kommenden Tage Nachtfrost möglich machen könnte. Wir sehen dem, was noch kommen wird, gut vorbereitet entgegen. Während des "Muttertag-Wochenendes" ist die Zahl der Infizierten in Hildesheim angestiegen. Das war wegen der allseits bekannten Lockerungen von Kontaktbeschränkungen zu erwarten. Es gibt also keinerlei Überraschungen und wir melden die aktuellen Zahlen, wenn sie vom lokalen Gesundheitsamt offiziell bekannt gegeben werden.

Ab heute dürfen wir Reisende und Urlauber, die in unserer Stadt Besuche nachholen möchten oder müssten, wieder aufnehmen. Denn auch private und touristisch veranlasste Übernachtungen sind wieder erlaubt. In unserem kleinen Familienbetrieb finden Sie ein sicheres Zuhause und das nicht nur in den Zeiten der Pandemie! Bis auf weiteres dürfen wir Sie wegen der geltenden Vorschriften nicht in der gewohnten Form mit Speisen und Getränken versorgen. Auch unser Biergarten, der "Vorsorgungskeller" und unsere Weinstube müssen zunächst noch geschlossen bleiben. Wir bitten Sie um Verständnis und sehen "trotz des gesamten Dilemmas"  Ihrer Buchung nur zu gern entgegen!

#Mittwoch, den 06. Mai, 19:40 h: Sechs Neuinfektionen, die Gesamtzahl steigt auf 51, davon 17 im Stadtgebiet. Zwei Betroffene konnten aus stationärer Behandlung entlassen werden.

#Dienstag, den 05. Mai, 23:15 h: Die Lage bleibt in Hildesheim stabil. Zwar gibt es heute von fünf neuen Infektionen zu berichten, aber auch von 291 Personen, die als "genesen" gelten. Unterm Strich bleiben 46 Infektiöse, davon 14 im Stadtgebiet. 17 Erkrankte müssen nach wie vor in Kliniken versorgt werden.

#Montag, den 04. Mai, 23:00 h: Für den langen Zeitraum des zurück liegenden Wochenendes hat das lokale Gesundheitsamt lediglich eine Neuinfektion gemeldet. Die Gesamtzahl der infektiösen Personen ist auf 45 gesunken, 17 Erkrankte werden immer noch in Kliniken der Stadt und des Landkreises versorgt. Im Stadtgebiet leben jetzt elf Hildesheimer, die sich infiziert haben, in häuslicher Quarantäne. Die Fallzahlen sinken, das Gleiche gilt für ganz Niedersachsen. Hier gelten 76,5 % der vormals Betroffenen als "genesen".

Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass in Hannover Lockerungen der Beschränkungen, die Gastronomie und Hotellerie betreffen, noch in dieser Woche beschlossen werden sollen. Ab Montag, den 11. Mai wird es Veränderungen geben, die der Entwicklung der Pandemie entsprechend angemessen erscheinen. 

Und auszugehen ist heute davon, dass wir ab dem vorgenannten Termin auch Gästen, deren Reisen in die Region rein privat, familiär oder touristisch veranlasst ist, neben Geschäftsreisenden und Monteuren wieder fern vom eigenen Bett und Herd ein Zuhause geben dürfen. 

#Sonntag, den 03. Mai, 09:45 h: Wider Erwarten kann ich heute noch neue Fallzahlen vom vergangenen Freitag Abend melden. Bis dahin gab es vier Neuinfektionen. Weil sich die Summe der "Genesenen" auf 249 Personen erhöht hat, gelten jetzt lediglich 52 BürgerInnen als infektiös, zwölf leben in der Stadt Hildesheim. Die Lage wird als "stabil" bewertet, landesweit sinkt die Zahl der neuen Infektionen deutlich. 75,3 % aller Betroffenen in Niedersachsen haben die Erkrankung überstanden. Es gilt aber weiterhin die Maskenpflicht für das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel und beim Einkaufen im Einzelhandel. Am Montag können die Friseure wieder öffnen. Die Viertklässler der Grundschulen dürfen wieder zum Unterricht. Und auch über "einen ersten Schritt in Richtung einer Öffnung des Tourismussektors" wird bereits am kommenden Mittwoch in Hannover entschieden. Campingplätze und Ferienwohnungen sollen auch wieder für touristische Zwecke genutzt werden können.

#Freitag, der 01. Mai, 07:45 h: Heute beginnt ein neuer Monat. Es ist der Wonnemonat Mai und wir starten in den 50. Tag unserer Ausgangssperre. Schön ist dieser Morgen noch nicht. Aus Richtung Westen ziehen dunkle Regenwolken hinein in die Hildesheimer Oststadt. Aber in unserem kleinen Biergarten sind alle wohlauf. Die Pflanzen haben sich wirklich prächtig entwickelt. Blätter wiegen sich nur ganz seicht im faden Wind. Aasgeier gurren zufrieden und fett auf dem Dach des Nachbarhauses. Die Glocken der Elisabethkirche schlagen sehr vorsichtig, achtmal, wollen die Schläfer noch nicht aus ihren Träumen reißen. Im Gewächshaus stehen die Tomaten stramm in Reih und Glied, kraftvoll und buschig. Im Warmen haben sie eine Wuchshöhe von 45 cm bereits überschritten. Und heute Mittag landet der erste Salatkopf der Saison auf dem Tisch. Eigentlich könnte die Welt in Ordnung sein, denn sogar die Parade des Gewerkschaftsbunds, die jährlich von unsäglichem, überflüssigen Getrommel und Gepfeife am Maifeiertag durch die Moltkestraße gezogen ist, findet dieses mal online statt. Auch unser Grill bleibt kalt. Denn der ganze Aufwand lohnte nicht, wenn zwei Figuren draußen im Regen stünden. 

Bis Montag Abend werden vom Gesundheitsamt wieder keine neuen Informationen veröffentlicht. Bis dahin stochern wir im Ungewissen und an dieser Stelle bleibt mir nur das Nennen der Zahlen vom gestrigen Abend. Vier neue Infektionsfälle, 241 Personen, die als "genesen" gelten, schönen die Statistik. 55 BürgerInnen werden als infektiöse ausgewiesen und 212 Menschen befinden sich in häuslicher Quarantäne. 17 verbleiben in stationärer Behandlung. Im Stadtgebiet ist die Zahl der laborbestätigten Fälle auf 14 gesunken.

Ich kümmere mich jetzt um unser Überleben in der Krise und widme mich hingebungsvoll der Herstellung von "Home convenience". Mit Hilfe unserer Gartenkräuter gilt es Frisches zu marinieren, einzulegen und einzukochen, wie es unsere Großmütter nicht nur seit Kriegsende beherrschten. Der erste Schritt ist bereits gemacht. Sechs Liter konzentrierten Kalbsfonds sind abgefüllt und dienen als Basis zahlloser Produkte. 

#Donnerstag, den 30. April, 02:45 h: Das Gesundheitsamt hat zwei neue Corona-Fälle gemeldet. Damit gibt es jetzt insgesamt 295, von denen 58 aktuell noch infektiös sind. 15 leben im Stadtgebiet. 19 Patienten müssen in Kliniken versorgt werden. Hochgerechnet auf etwa 270.000 Einwohner in Stadt und Landkreis Hildesheim ist das Risiko, hier auf einen Infizierten zu treffen, als sehr gering zu betrachten. Wenn nun in Berlin und Hannover öffentlich intensiver über Lockerungen für die Tourimusbranche nachgedacht wird, ist das zweifelsfrei angemessen. Die Bundesregierung hat zwar die weltweite Reisewarnung um mehr als einen Monat verlängert. Ob und in welcher Form Sommerurlaube, insbesondere im Ausland, möglich sein werden, bleibt weiterhin offen. Es ist aber davon auszugehen, dass im Inland Ferienhäuser und Ferienwohnungen zuerst für private Reisen wieder geöffnet werden dürfen. Wir freuen uns auf Sie!

#Mittwoch, den 29. April, 09:15 h: Es gibt drei neue Infektionsfälle. Insgesamt befinden sich 61 nachweislich Infizierte in häuslicher Quarantäne und 19 in stationärer Behandlung in einem Krankenhaus. 154 "Verdachtsfälle" dürfen den eigenen Hausstand nicht verlassen und 229 Personen gelten als "genesen". Heute erinnert die lokale Presse daran, dass es zur Krisenbewältigung auch in Hildesheim einen zuständigen Hauptverwaltungsbeamten gibt. Der kommt in seiner Versenkung zu Wort und darf die Meinung äußern, dass angesichts niedriger Neuinfektionszahlen eine Notwendigkeit bestünde, über "weitere Aufweichungen der Verbote zu diskutieren". Es gibt Bundesländer, Regionen, Städte, die viel schlimmer betroffenen sind als wir oder fast gar nicht unter den Auswirkungen der Pandemie leiden. Überall dort werden konkrete Ergebnisse bereits in die Tat umgesetzt. 

#Dienstag, den 28. April, 10:40 h: In direkter Nachbarschaft unseres Hauses steht seit etwa 60 Jahren ein großes, städtisches Gymnasium. Seit gestern herrscht dort wieder Schulbetrieb für die Klassen der oberen Jahrgänge. Auf meinem Weg zum Mini-Markt an der Straßenecke komme ich am Hof der renommierten Bildungseinrichtung vorbei. Da wollen uns nun Politiker, Behörden und anerkannte "Fachleute" vorgaukeln, dass in der aktuellen Situation ältere Jugendliche verantwortungsvoller und umsichtiger wären als jüngere. Die Realität sieht anders aus. Etwa 65 Kinder tummeln sich in der ersten, großen Pause auf dem weitläufigen Gelände, das allseits gut einsehbar ist. Platz zum Abstandhalten gäbe es dort mehr als genug für die wenigen Pennäler. Die Stimmung ist sehr gut und ausgelassen, denn in großen Gruppen stehen sie dicht gedrängt, cliquenweise zusammen. Es wird gefeixt und gelacht. "Nix ist´s" mit Mindestabstand oder dem Tragen von Schutzmasken. Es klingelt zum Unterricht. Wie eine Herde Schafe setzt sich die Menge trottelnd und zielstrebig in Bewegung zum Futtertrog. Dort, an der engen Tür, die den Weg zu den Klassenzimmern zu einem Nadelöhr macht, kommt es unweigerlich zu Rangelei, zum Schupsen und Schieben. Schließlich will jeder der erste sein, der beim wieder erwachenden Lernen unter der gestrengen Aufsicht und in der Obhut gewissenhafter und engagierter PädagogInnen das Klassenziel trotz erheblicher, corona-bedingten Wissenslücken erreichen könnte. Die Elternvertretung hatte bis in die späte Sonntag Nacht hinein alle Räume persönlich in Augenschein genommen. In Art einer Bürgerwehr waren sie im Schutz der Dunkelheit bis in die letzten Ecken und Winkel des verschachtelten, vielstöckigen Gebäudes vorgedrungen, um exakt zu dokumentieren, bewaffnet mit Zollstöcken, Maßbändern und Klemmbrettern. Und nach schier endlosem Palaver mit Direktor und Lehrern wurde das gefährliche Kampfgebiet endlich für den Montag Morgen freigegeben, um Verantwortung auf Andere zu übertragen. Hoffentlich kommen die Kinder gesund zurück.

#Montag, den 27. April, 23:45 h: Vom Sonntag gibt es nur zu berichten: Wir haben uns den Tag vollgepackt mit Arbeit in unserem kleinen Biergarten. Denn eigentlich wollten wir traditionsgemäß dort am kommenden Freitag mit großem Pomp und vielen Gästen die Grillsaison eröffnen. Das fällt nun, genauso wie vieles, ins Wasser und womöglich kommt das Nass dann auch noch von oben. Jedenfalls wird das Jahr 2020 in den Annalen des Hauses eine besondere Erwähnung finden. Saisoneröffnung für Zwei.

Die Zahl der Infizierten ist in Landkreis und Stadt Hildesheim weiter rückläufig. Heute meldet das Gesundheitsamt lediglich einen, neuen Laborbefund. Insgesamt befinden sich noch 60 Infizierte in häuslicher Quarantäne, davon 14 im Stadtgebiet und nur ein Erkrankter in unserem Postleitzahlbereich. Aber die Zahl der Toten ist auf vier gestiegen. Eine 95-jährige, alte Dame ist am Sonntag im Krankenhaus verstorben. 

#Samstag, den 25. April, 08:50 h: Im Moment steht das Thema der Lockerungen von Beschränkungen im öffentlichen Leben allseits im Mittelpunkt. Jeder darf seinen Senf dazugeben. Auf dem Flickenteppich der Bundesländer werden unterschiedlichste Entscheidungen getroffen, die eine allgemeine Verunsicherung nur noch vergrößern. Während der letzten großen Krise, in den Jahren 2008 bis 2010, haben uns Österreicher schon einmal vorgemacht, wie es gehen kann. Damals überflutete noch die "Neue Deutsche Welle" die Musikbranche. Eine Ohrenfolter jagte die nächste. Während hierzulande das tägliche  "Da, Da, Da!" nicht als sozialkritischer Fingerzeig gelten dürfte, hatten sich Jahre zuvor einige junge Leute in der Steiermark das Etikett einer Klamaukband angeheftet und ihre politischen Statements überaus geschickt in einer Mischung aus Pop-Rock, Comedy und Musiktheater versteckt. Als "Erste Allgemeine Verunsicherung" landeten sie weit vorausahnend mit "Ba-Ba-Banküberfall" einen internationalen Volltreffer und auch der Titel des Riesenerfolgs im Jahr 2010, am Ende der Krise, "Neue Helden braucht das Land!" erfährt nun täglich wieder eine verbale und mediale Würdigung. Der Name der Band wurde anno 1977 in Anlehnung an das Geschäft eines großen, österreichischen Versicherungsunternehmens gewählt, das zunächst wegen der Abwandlung seiner Bezeichnung juristische Schritte einleitete, später aber sogar Sponsor wurde. Das ist ein wunderbarer Beweis dafür, wie Ursache und Profitgier stets zusammenwirken. Auch das Erstlingswerk der Steiermarker, "Die sieben mageren Jahre", macht eine Reaktivierung der inzwischen pensionierten Altbarden, nun als Orakel der Bundesregierung, uneingeschränkt empfehlenswert.

#Freitag, den 24. April, 23:50 h: Zum Start in das Wochenende meldet das zuständige Gesundheitsamt lediglich zwei neue Infektionsfälle. Insgesamt sind seit Beginn der Krise 310 Personen in unserer Region erkrankt, davon gelten jetzt 210 als "genesen". Drei Kreuze mahnen still am Wegesrand. Bis zum kommenden Montag Abend werden von der Behörde keine aktuellen Zahlen genannt. Hoffentlich halten sich die MitarbeiterInnen auch beim Angrillen an die vorgeschriebenen Mindestabstände.

#Donnerstag, den 23. April, 22:50 h: Neben einer steifen Brise aus Osten gibt es heute wenig zu berichten. Am Montag erwähnte ich die Stadt Elze. Dort hat gestern der Zug tatsächlich angehalten und offensichtlich einen Infizierten in der Einöde ausgesetzt. Und auch die Zahl derer, die sich im Norden des Landkreises Hildesheim angesteckt haben, steigt, während der Wert für das Stadtgebiet konstant bei 19 Personen verharrt. Für unseren Postleitzahlbereich wird nur ein Betroffener gemeldet, der sich in häuslicher Quarantäne befindet. Insgesamt gibt es 80 Infektiöse, zusätzlich werden 22 stationär behandelt und 233 BürgerInnen verbringen ihre Zeit zuhause, ohne vor die Tür gehen zu dürfen. Ab Montag gilt in Niedersachsen die Pflicht, im öffentlichen Personennahverkehr und beim Einkaufen im Einzelhandel eine Schutzmaske zu tragen. Das soll auch für weitere Monate die Regel bleiben. Bitte bereiten Sie sich entsprechend vor, wenn Sie in unsere Gegend kommen müssten. Weiterhin bleibt es bei drakonischen Strafen für diejenigen, die sich nicht an die Verordnungen halten, die das Land für die Dauer der Krise beschlossen und verkündet hat. Dazu empfehle ich das genaue Studium des aktuellen Bußgeldkatalogs, den Sie durch das Anklicken des nachfolgenden Links einsehen könnten, wenn Sie sich gern gruselten:

https://www.bussgeldkatalog.org/corona-niedersachsen/#bkat

Als ganz individuelle Form von Schutzmechanismus hat mein Organismus, ausgelöst durch eigene Unvernunft, inzwischen eine große Zahl von Antikörpern gebildet. Meine Hausärztin, die vielgeliebte und oft zitierte Frau Dr. S. aus H., nennt die Sache kurz und knapp beim Namen: "Sie haben Bandscheibe? Da empfehle ich Ihnen das Berliner Care-Paket!" In Windeseile öffnet sie einen großen Umschlag mit geeigneten Therapievorschlägen, den der Postbote heute Vormittag persönlich an der Haustür übergeben hatte. Wegen der Vielzahl der täglichen Sendungen, die es seit Ausbruch der Pandemie zu verteilen gilt, kann auch er sich nicht mehr bis zum Briefschlitz, ganz unten an der Haustür, herunterbeugen. "Ich habe Rücken!", zischt es schmerzverzerrt aus vorbeugender Schonhaltung. Frau Dr. hat das Rezept für den kommenden Freitag schon parat: "Bei abnehmendem Ostwind energiearme und vitaminlose Kost! Frische Lektüre aus der Bundeshauptstadt bei strengem Gebot, die Liege im Garten keinesfalls zu verlassen." 

#Mittwoch, den 22. April, 22.15 h: Die Infektionszahlen steigen weiter. Es gibt ein drittes Todesopfer, einen alten Herren, der heute nach stationärer Behandlung im Krankenhaus verstorben ist. Das lokale Gesundheitsamt verwendet für pflichtgemäße Veröffentlichungen weiterhin verharmlosende Formulierungen, die die Lage nicht schönen dürften. Ich prangere das an und zitiere verwirrt: "Im Landkreis Hildesheim gab es heute neun sieben positive Laborbefunde." Was will uns das sagen? Wenn in einer Krisensituation ein Mitarbeiter einer Behörde unzureichende Fertigkeiten öffentlich ausweisen darf, bekommt das Hissen der schwarzen Fahne über unserem Hauseingang eine zusätzliche Dimension. Ich zitiere weiter: "Derzeit befinden sich ... 24 Infizierte ... in einer Klinik." Hoffen möchte ich, dass dort, wo es tatsächlich um Leben und Tod geht, das Personal in der "Warmlaufphase" der Pandemie besser mit Werten und Fakten jonglieren kann als andernorts. Die Chance im Falle des schweren Verlaufs der Covid-19-Infektion in der kommenden Woche keinen Lottoschein mehr abgeben zu können, ist auf 1 : 8, bezogen auf die Menge der Betroffenen, gestiegen und damit um ein Vielfaches höher als per reinem Zufall den Jackpot der Erkrankung zu knacken. Wir waren heute Mittag in einem Gartenmarkt, um Gemüsepflanzen und Saatgut für unseren kleinen Hof zu besorgen. Die Inhaber des großen Geschäfts erfüllen zweifelsfrei alle Vorgaben, um während der aktuellen Lockerungen der Möglichkeiten für das Öffnen gewerblicher Betriebe zu profitieren. Das ist beim "Lotto am Mittwoch" wie ein 5er mit Zusatzzahl, während unser Nachbar an der Straßenecke mit seinem kleinen Imbiss weiterhin Däumchen dreht. Es gibt aber auch Gutes zu berichten. Im Gartenmarkt gab es neben Petunien, Gänseblümchen und Mausfallen sogar Atemschutzmasken zum Preis eines kleinen Einfamilienhauses zu kaufen! Da greifen wir doch gern zu. Und es wundert mich nicht, wenn Sabine und ich die einzigen Kunden waren, die beim Betreten des Ladens wegen ihrer Maskerade Verwunderung auslösten. Schön, dass es einen weiteren Gewinner in der Krise gibt, den bulligen, überaus freundlichen Herren mit unübersehbaren Migrationshintergrund, der nun einen Türsteher gibt im Gartenmarkt. Die imposante Figur kann Kunden erschrecken, interessante Hinweise geben zum Benutzen von Einkaufswagen und gleichzeitig, einhändig mit links, ununterbrochen auf dem Display seines Smartphones tippen sowie feine Konversation mit seinem Bruder per Videokonferenz pflegen. Auf meine gezielte Frage hin antwortet er höflich, präzise und respektvoll: "Ohne diese Corona-Scheiße wäre ich jetzt arbeitslos." 

#Dienstag, den 21. April, 19:00 h: An diesem Tag gibt es neun weitere Personen, deren Infektion mit dem Corona-Virus laborbestätigt wird. 211 befinden sich in häuslicher Quarantäne und 22 in stationärer Behandlung in einem Krankenhaus. Die Zahlen steigen. Betroffen sind vornehmlich ältere Herrschaften, die aus dem nördlichen Kreisgebiet stammen, während die Menge der Infizierten in der Stadt Hildesheim nahezu unverändert bleibt. Es geht weiterhin um notwendige Disziplin, an der es während der Osterfeiertage offensichtlich in Dorfgemeinschaften gemangelt hat.

Mittlerweile sind alle Großveranstaltungen in der Region bis Ende August des Jahres abgesagt. Dazu zählen die Jazztime Hildesheim, vor und im Stadttheater, das Schützenfest, das Méra-Luna Festival auf dem Flughafengelände, zahllose Sportveranstaltungen und Optionen zur Freizeitgestaltung. Alle für den Sommer geplanten Feste und Konzerte im Bereich der Innenstadt finden ebenfalls nicht statt. Auch wenn dort nun wieder, meiner Meinung nach gegen jedwede Vernunft, Geschäfte öffnen, wird sich der Weg kaum lohnen, das Zentrum zu einer Geisterstadt mutieren, die von einer Pleitewelle überflutet im seelenlosen Nichts untergeht. Ob Hildesheims Bewerbung als europäische Kulturhauptstadt für das Jahr 2025 aufrechterhalten werden darf, möchte ich sehr stark in Frage stellen. 

#Montag, den 20. April, 23:15 h: Abends meldet das Gesundheitsamt, dass sich während des Wochenendes zehn Personen neu mit dem Corona-Virus infiziert haben. Neun wurden parallel dazu als "geheilt" aus der häuslichen Quarantäne entlassen. 19 BürgerInnen befinden sich in stationärer Behandlung und insgesamt gelten 75 heute als infektiös. Knapp 22 km von Hildesheim entfernt siedelten in der Stadt Elze im Leinebergland Menschen schon vor dem Jahr 800. Die bleiben bis in die Gegenwart hinein aus verschiedenen Gründen gern unter sich. Als sehenswert gelten die Kirche St. Petrus zu den Ketten und tatsächlich der Bahnhof, der den Weg in die weite Welt öffnete. Für etwa 8.950 Einwohner gibt es sogar ein Freibad und wunderschöne Fachwerkhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Womöglich steht aber nicht nur das gesamte Gebiet der Leineaue unter dem Rammelsberg unter Naturschutz, sondern auch alle diejenigen, die dort wohnen. Denn in Elze gibt es keinen einzigen Corona-Fall. 

#Sonntag, den 19. April, 12:45 h: An diesem sonnigen Mittag gibt es zwar keine neuen Zahlen, aber begründeten Anlass zur Besorgnis! Meine Hausärztin, die überaus renommierte und viel gefragte Expertin, Frau Dr. S. aus H., eine überregional bekannte, wegen ihrer guten Ratschläge und noch besseren Empfehlungen hochgeschätzte Fachkraft, hat die Diagnose gestellt: "Ich bin krank!" Und die Infektion befindet sich bereits im fortgeschrittenen Stadium. Nur radikalste Maßnahmen könnten einen Rettungsanker bieten im letzten Abschnitt meines nichtswürdigen Daseins als Kassenpatient!

Dr. S., die namentlich an dieser Stelle nicht genannt werden möchte, stellt wegen vorliegender Symptomatik unzweideutig fest: Ich habe zwar weder erhöhte Temperatur, noch trockenen Husten und auch müde scheine ich leider nicht zu sein. Eindeutig wird deshalb ausgeschlossen, dass ich an pAVK, der peripher arteriellen Verschlusskrankheit, litte. Aber: Auch wenn meine Erkrankung heimtückisch schleichend und erst während der zurück liegenden Wochen kam, zunächst weiterhin frei von Schmerzen verlaufen würde, handelte es sich unmissverständlich um eine besonders schwere Variante der "Schaufensterkrankheit": Es ist die sadFK, landläufig bekannt als "Schauausdemfensterkrankheit". Ich bin erschrocken und betrachte die Situation in Zukunft nur noch nüchtern. Pflichtgemäß belehrt mich Dr. S. über Ursachen, Nebenwirkungen und die vorstellbare Therapie. 

Ursachen sind, wie üblich, schnell gefunden: Zu wenig Bewegung und zu viel Gartenarbeit, Nikotin- und Frischpilsabusus in häuslicher Quarantäne. Die üblichen Bekannten. Genannt werden auch "coronale" Rahmenbedingungen und Sauerstoffmangel an sich.

Nebenwirkungen: Vereinsamung und Kontaktbeschränkung, selbstgemachte, schmackhafte Verpflegung.

Ja, da bleibt die Frage offen nach einer wirksamen Therapie. Derzeit wird über Ergebnisse klinischer Studien spekuliert. Die Entwicklung eines Impfstoffs erwarteten die beteiligten Wissenschaftler erst für das Jahr 2021. Zunächst kann es nur um "Schadenbegrenzung" gehen. Ein Aderlass sei verpflichtend angezeigt.  

#Samstag, den 18. April, 03:00 h: In der Hildesheimer Oststadt, zu der auch das Siedlungsgebiet "Stadtfeld" gezählt wird, leben 14.129 Menschen auf einer Fläche von 4,03 km². Es ist der am dichtesten besiedelte Teil unserer Stadt. Der Kernbereich erstreckt sich von der "Goslarschen-" bis zur "Fahrenheitstraße" von Süden bis Norden, dem "Kennedydamm" bis zur "Triftäckerstraße" in West-Ost-Richtung. Zum Postleitzahlbereich 31135 gehören außerdem die Vororte Drispenstedt, Bavenstedt, Einum, Achtum und Uppen sowie Teile des "Galgenbergviertels". Diese Vororte haben sich bis heute eine bewusste Form von Eigenständigkeit bewahrt und verteilen sich über weitere 18,77 km², auf denen nur etwa 5.000 BürgerInnen wohnen und arbeiten. Das Kreisgesundheitsamt gibt gestern bekannt, dass sich in unserem Postleitzahlbereich insgesamt zwei infizierte Personen in häuslicher Quarantäne befinden. Deshalb will ich heute Vormittag einen ersten Ausbruch aus der Isolation wagen: Unser Altglasbehälter quillt über! "Geschützt" durch das fachgerechte Anlegen einer FFP-2-Maske möchte ich zusätzlich durch eindeutiges Wedeln mit einem roten Warnhandtuch hoch über dem Kopf andere Oststädter darauf aufmerksam machen, dass Gefahr im Verzug ist, wenn ich den Gehsteig vor dem Haus betreten werde! Schließlich nehme ich die aktuelle Lage ernst und der Weg bis zur nächsten, öffentlichen Sammelstelle für leere Gläser und Flaschen beträgt beachtliche 95 m. Etwas mulmig ist mir schon, wenn ich jetzt, mitten in der von Gedanken geschwängerten Vorbereitungsphase, sogar daran denken muss, dass ich auch den erschreckend weiten Rückweg zu bewältigen habe, ohne mich anzustecken. Wieviel Zeit wird es in Anspruch nehmen keiner Menschenseele zu begegnen? 

Ich gerate in einen Gewissenskonflikt. 

Als anständiger Staatsbürger bin ich seit Jahrzehnten angehalten, gewissenhaft unseren Müll zu trennen und Wiederverwertbares dem Recyclingkreislauf zuzuführen. Wegen dieser Erbsenzählerei machen andere Europäer zu Recht alberne Witze über die Deutschen und schmeißen ihren Dreck einfach auf die Straße oder in den nächsten Fluss, erheben ihre Stimme dahingehend, dass es beim Mülltrennen mehrheitlich um das Verfolgen wirtschaftlicher und volkswirtschaftlicher Interessen ginge. Das ist natürlich Unsinn. Schließlich lehrt uns die Evolutionsgeschichte, dass der Mensch schon seit der Steinzeit sammelte und allein deshalb bis in die Neuzeit glücklich und zufrieden blieb. 

Auf der anderen Seite hinge das Schwert des Damokles über meinem Haupt in Form der Bushaltestelle an der "Steingrube". Dort müsste ich sowohl auf Hin- und Rückweg d´ran vorbei. Und womöglich warteten genau an dieser Stelle Leute bis in den Nachmittag hinein, die gar nicht wissen können, dass wegen der Corona-Krise samstags Vormittag gar kein Fahrzeug halten wird. Wegen ihrer Unzufriedenheit könnten diese Menschen Gefahr laufen die eigene Schutzmaske, dessen Tragen zur Teilnahme am öffentlichen Personennahverkehr ab heute berechtigt, abzunehmen, um während der unendlichen Wartezeit dem sicheren Erstickungstod zu entkommen. Aufflackernde, brodelnde Gespräche würden zweifelsfrei zur Verringerung des vorgeschriebenen Mindestabstands führen, wenn es nicht sogar zu Handgreiflichkeiten käme. 

Ich sitze noch immer im Keller. Allein mit der Risikobewertung und den Flaschen und Gläsern. Draußen wird es langsam hell, es ist gleich sechs Uhr. Kein Gremium von Fachleuten kann mir, dem einfachen Bürger, beratend zur Seite stehen, um meine Verunsicherung noch zu vergrößern. Ich kann auch keinen Publikumsjoker ziehen oder einen guten Freund anrufen, der mir hätte ins Gewissen reden wollen, nicht über absurden Quatsch nachzudenken. Die Zeit verrinnt, die Vögel beginnen mit ihrem morgendlichen Konzert. Am Freitag sechs neue Infektionen, 74 laborbestätigte Corona-Fälle, jetzt 17 Menschen in stationärer Behandlung! Eingesperrt wie eine gefährliche Bestie laufe ich hin und her vor den Panzerglasscheiben meines Kerkers.

06:00 h: Die Entscheidung fällt. Ich lüge mich heraus wie ein Politiker. Auf eine direkte Frage kann es niemals eine konkrete Antwort geben. Jetzt trage ich den Behälter in die leere Erdgeschosswohnung und tue so, wie wenn er schon immer dort gewesen wäre. Aus dem Auge, aus dem Sinn. Und wenn später wieder einmal jemand "oben" unvermittelt die Tür öffnet, bleibt mir wenigstens der Lacher, wenn über ihm der Trümmerberg hereinbricht.

#Freitag, den 17. April, 07:15 h: Spät nachts weckt mich das seichte Brummen eines Motorrollers. Es ist das treue Gefährt des Zeitungsboten, das ihn bei seinem nächtlichen Treiben in der Dunkelheit begleitet. Deckel von Briefkästen schnappen zu wie eine giftige Kobra. Eine Haustür fällt langsam stöhnend ins Schloss. Schnelle Schritte auf dem Pflaster entfernen sich vom Tatort. Jetzt ist die Zeit reif, der Hausgeist geht um! Schnell raffe ich alles zusammen, was nun notwendig ist, klemme es unter den Arm. Ich folge dem winzigen Lichtkegel meiner kleinen Taschenlampe und irre durch leere Gänge und Flure, treppauf, treppab. Die Anleitungen der Apotheken-Rundschau waren mein Lehrmeister für dieses Moment. Alle Sinne des Senioren sind geschärft wie die Klinge eines japanischen Kochmessers. Irgendwo erreiche ich schlafmützig eine kleine Tür "auf halber Treppe", lege ganz, ganz vorsichtig mein Ohr daran. Da ist es auch wieder, ein bekanntes Geräusch aus den Tagen meiner Kindheit! Genau dort, hinter diesem Türchen! Zitternd ergreift meine Hand die Klinke. Noch bieten Bretter aus massivem Holz Schutz vor dem Unbekannten. Ein Spalt öffnet sich. Flackernder Kerzenschein teilt mein Gesicht in die gute und böse Seite. Da sitzt er, einer von gleich zwei Hausgeistern, die sich nachts begegnen! Der Geist meiner Großmutter Else hockt konzentriert an der Singer 15 D im faden Licht des Kämmerleins. Kurze Beinchen erreichen geradeso den Fußantrieb. Links überträgt ein flatternder Riemen die Bewegungen bis hin in das rollende Auf und Ab der Nähnadel. Eine knöcherne Hand steuert das Schwungrad mit unvorstellbarer Fingerfertigkeit. Sie näht und näht und näht, schenkt mir keinerlei Beachtung während ihres Tuns. 

So, jetzt reicht´s! Schließlich habe ich ab heute in der Dunkelheit der Nacht eine neue Aufgabe! Und Gäste gibt es schließlich keine mehr im Haus. Ich muss umdenken, mich neu orientieren. Meine alten Unterhosen und Socken, sogar ein wunderbares Teil vom Vorhangstoff aus den Tagen des Krieges 1870/71, ein Dachbodenfund, kommen mir da gerade recht. Diese Schätze fallen nun federleicht aus der Umklammerung von Achsel und Ellenbogen direkt auf den Arbeitstisch der historischen Maschine. Ab heute Nacht steige ich groß ein in das Geschäft "Homemade in Hildesheim - Atemschutz aus dem stillen Kämmerlein!". Wen das nicht überzeugt! Eine Idee zum Überleben ist geboren! Auch die Namen der Erzeugnisse stehen bereits fest. Es gibt nur die Modelle "Sedan" und "Verdun" in stiller Erkenntnis dessen, dass sie auch damals nichts genutzt hätten. Es geht los. Es geht noch nicht los. Also wieder auf Anfang. Wo "zum Teufel" ist eigentlich meine Brille? Warum habe ich bloß so dicke Finger? Klappen kann es jedenfalls nicht mit dem Einfädeln eines weder spür-, noch sichtbaren Fadens in ein Öhr. Wieder einmal sind die Chinesen schuld...

Da ist plötzlich ein ganz anderer Duft im Kämmerlein. Es riecht nach Kaffee. Der Alptraum endet mit der Frage: "Hast Du gut geschlafen, mein Schatz?" 

14 neue Infektionen gibt es seit gestern in Stadt und Landkreis Hildesheim und auch die Zahl der Personen, die stationär versorgt werden müssen, ist über Nacht auf insgesamt 16 angestiegen. Da bleibt die Frage erlaubt, ob die Beschlüsse in Berlin und Hannover zur rechten Zeit gefällt wurden.

#Donnerstag, den 16. April, 09:00 h: Über der Eingangstür meines Hauses begrüße ich seit Jahren unsere Gäste mit einer landesüblichen oder regionalen Beflaggung während der jeweiligen Residenzzeit. Damit verbinde ich den Gedanken, ein kleines Stück Heimat in die Ferne zu transportieren und ein "Herzliches Willkommen", eine ganz eigene Geste der Gastfreundschaft. Heute rechne ich mit der Stornierung der letzten, für das kommende Quartal noch bestehenden, Buchungen unserer Zimmer. Sogar über den 35. Tag der Ausgangsbeschränkungen hinaus wird in der Moltkestrasse 89 Totenstille herrschen, wo sonst quirlige Geschäftigkeit und ausgelassene, gute Laune das Tagesgeschehen bestimmten. Zum Zeichen der Trauer und als Fingerzeig und Aufbegehren hisse ich die schwarze Flagge auch im stillen Gedenken an die anderen Opfer der aktuellen Krise in unserer Branche und obendrein als öffentliches Zeichen ehrlicher Anteilnahme anlässlich des unerwarteten Todes der Gattin eines lieben Freundes.

Zur Kenntnisnahme: Nach Verlängerung der Corona-Maßnahmen fordert der DEHOGA sofortiges Rettungspaket für das Gastgewerbe

Die am 15. April getroffenen Entscheidungen zu den Corona-Maßnahmen beweisen erneut, dass das Gastgewerbe die hauptbetroffene Branche der Krise ist. „Unsere Betriebe waren die ersten, die geschlossen wurden, und sind nun die letzten, die wieder öffnen dürfen“, erklärt Guido Zöllick, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA Bundesverband). Zöllick betont, dass das Gastgewerbe alles akzeptiert, was gesundheitspolitisch geboten sei. Allerdings müssten die Maßnahmen nachvollziehbar und begründet sein. „Umso wichtiger ist jetzt ein sofortiges Rettungspaket für die Branche, wie wir es von Beginn an gefordert haben“, sagt Zöllick. Nur so ließen sich eine Pleitewelle nie gekannten Ausmaßes und Massenarbeitslosigkeit verhindern.

#Mittwoch, den 15. April, 23.30 h: Der Landkreis Hildesheim meldete am Nachmittag sieben Corona-Neuinfizierte. Damit gibt es insgesamt 238 bestätigte Fälle seit Ausbruch der Pandemie. 182 Personen gelten bereits als geheilt. 54 sind infektiös. Von denen werden seit heute 13 stationär im Krankenhaus versorgt. Zwei Menschen sind im Zusammenhang mit der Infektion verstorben. 

Ich errechne, dass, offiziell bestätigt, demnach 0,053 % der Bevölkerung von Stadt und Landkreis Hildesheim zusammen als infektiös gelten. Außerdem befinden sich 146 Personen präventiv in häuslicher Quarantäne.

Die weitreichenden Beschlüsse der Bundes- und Landesregierung Niedersachsens vom heutigen Abend machen unmissverständlich deutlich: Massive Einschränkungen im öffentlichen und privaten Bereich werden auch bis Ende August des Jahres unser Leben bestimmen. Die dadurch verursachten Auswirkungen auf die Tourismusbranche und das Gastgewerbe erreichen eine Dimension unvorstellbaren Ausmaßes. Es wird zu einer gewaltigen Marktbereinigung kommen müssen und insbesondere zahllose Klein- und mittlere Betriebe, die eben keine systemrelevante Bedeutung erreichen können, ersatzlos im Nichts verschwinden. Nur wer entsprechende Möglichkeiten hat oder sieht, kann durch Umstrukturierungen das Schlimmste verhindern. Aber ein Hotel ist bedauerlicherweise nicht in der Lage, seine Betten "außer Haus" zu verkaufen, um womöglich noch wenige Arbeitsplätze zu retten. Dort, wo Sie "früher" noch ein freundliches Lächeln empfangen hat oder ein Koch mit Herzblut und Persönlichkeit am Herd stand, werden Sie demnächst auf seelenlose Medientechnik, einen digitalen Concierge, allgegenwärtige Selbstbedienung und Automatisierung treffen. Für solche zukunftsorientierten Investitionen stehen Finanzierungshilfen nicht nur seit dem März diesen Jahres überall bereit. Einen staatlichen Rettungsschirm oder Ähnliches gibt es für einen Betrieb, wie wir ihn führen wollten, jedenfalls nicht.   

#Dienstag, den 14. April, 19:00 h: Nach den Feiertagen waren die Mitarbeiter der zuständigen, lokalen Behörde wieder fleißig und können Erfreuliches sagen. Während des Osterfests haben sich lediglich vier Personen neu mit dem Virus infiziert. Insgesamt sind bereits 180 vormals betroffene wieder genesen. Akut befinden sich noch 49 Infizierte und 115 "Verdachtspersonen" in häuslicher Quarantäne, 11 sind nach wie vor im Krankenhaus und werden stationär versorgt. Die Zahlen für den Bereich Hildesheim sinken. Für das Land Niedersachsen gilt das aber nicht und nicht überall halten sich Bürgerinnen und Bürger an das, was dringend notwendig bleibt. Die Polizei hat über 50 Strafanzeigen und mehr als 600 Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten während der zurück liegenden Tage einleiten müssen. Wir brauchen Einsicht und Disziplin von jedermann. Bitte bleiben Sie wachsam und zuhause, wann immer es geht!

#Ostermontag, den 13. April, 21:15 h: Eine zweite Person, die nachweislich mit dem Corona-Virus infiziert war und in einem Hildesheimer Krankenhaus behandelt wurde, ist gestorben. Dabei handelt es sich um jemanden, der nicht aus dem Landkreis stammte.

#Ostersonntag, den 12. April, 08:10 h: Wir bleiben zuhause, heute bereits den 31. Tag. Die Stimmung ist verhalten. Das Schicksal hat mit ganzer Härte zugeschlagen. Der frühe Blick in den Kühlschrank verheißt nichts Gutes. Dort, wo gestern noch die Königin des Gemüses ihr wunderschönes Antlitz dem Betrachter das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ, präsentiert sich nun gähnende Leere. Wir haben den Spargel bereits aufgegessen! Aber: "Glück im Unglück" sagt eine alte, deutsche Redensart. In diesem besonderen Fall handelte es sich nicht um eine Disziplinlosigkeit. Denn, wer 31 Tage in Einzelhaft überstehen soll, hat in unserem Land sogar ein Recht auf eine Überlebensration. Und wer will heute wissen, wie die Spargelsaison in diesem Jahr enden wird? Einem, der die aktuelle Lage und Tragik der Situation persönlich miterlebt, gebührt an dieser Stelle mein ganz besonderer Dank! Das ist mein lieber Freund Hans-Jürgen, der wieder einmal als rasender Bote unterwegs war und weder Aufwand, noch Mühen gescheut hat, sogar die eigene Gesundheit ganz hinten anstellte, um uns die ersten, frischen Stangen von einem geheimen Ort sogar noch bis an die Haustür zu bringen. Manche Kunden der Brüder Albrecht mögen es als Genusssucht bezeichnen, ich sehe es als das, was es ist: Wahre Leidenschaft und eine herausragende Geste, die von nichts übertroffen werden kann! 

#Samstag, den 11. April, 20:45 h: Zum Start in das Osterwochenende teilen uns die Damen und Herren vom Gesundheitsamt mit: Drei neue, laborbestätigte Fälle. Die Zahl derer, die stationär behandelt werden müssen, ist auf zwölf gestiegen. In unseren Postleitzahlbereich befinden sich drei infizierte Personen in häuslicher Quarantäne. Und erstaunlich ist es, dass es in der Stadt Alfeld noch niemanden "erwischt" hat! Womöglich pusten dort die Schlote der Papierfabrik nur gesunde Luft in den Talkessel und machen jedem Virus von vornherein den Garaus. Aber Spaß beiseite. Neue Zahlen werden von der Behörde erst am nächsten Dienstag Abend herausgegeben. Der Landrat bezeichnet sich in einem "Osterappell" als "ersten Krisenmanager" und "sehr zufrieden". Er schreibt weiter (Zitat): "Nutzen Sie die Chance und feiern Sie Ostern einmal anders. Ich tue das dieses Jahr auch."  Der Mann und seine Mitarbeiter wohnen nicht in Heinsberg, wo auch während der Feiertage weiter "an der Front" gekämpft wird. 

#Freitag, den 10. April, 13:00 h: Wir haben jetzt vier Neuinfektionen und die Zahl der Erkrankten, die stationär behandelt werden müssen, ist auf zehn Personen gestiegen. Es gibt 58 Infizierte und 140 "Verdachtsfälle". 188 BürgerInnen befinden sich in häuslicher Quarantäne, 156 vormals laborbestätigte Personen gelten als genesen. Die Lokalpresse scheibt: "Virus-Ausbreitung in Hildesheim bislang erfolgreich eingedämmt."

Für eine norddeutsche Großstadt liegen moderate Werte vor. Andernorts sieht die Situation nicht so aus. Gottesfürchtige mögen glauben, dass die täglichen Gebete unseres Bischofs Heiner Villmer erhört werden. Ich denke, dass es eher die Spätausläufer preußischen Gehorsams und Hildesheims langer Geschichte als Militärstandort sind, die einen Beitrag leisteten, diszipliniertes Denken und Handeln zu befördern. 

Die Neugestaltung der nahe gelegenen Straßenzüge im Bereich der "Steingrube" ist jetzt abgeschlossen. Freie Fahrt in Richtung Süden! Nach 18-monatiger Umleitung werden auch die Bushaltestellen vor dem Scharnhorstgymnasium wieder bedient. Große Beschränkungen der Bewegungsfreiheit haben die Hildesheimer während einer langen Bauphase in stoischer Gelassenheit über sich ergehen lassen. Diese Einstellung schürt begründete Hoffnung, dass bereits geübte Verhaltensmuster auch in Zukunft gewissenhaft umgesetzt werden können.

#Donnerstag, den 09. April, 07:00 h: Wieder etwas zum Thema "Zahlen", heute, am Gründonnerstag, ausnahmsweise in eigener Sache.

Diese Homepage gibt es unter der Adresse https://moltkestrasse89.de seit dem 01.01.2012. Damals waren Form, Gestaltung, Technik und Konzeption natürlich davon geprägt, dass ich von alledem gar keine Ahnung hatte. Von Kindesbeinen an hatte ich versucht, durch die Abfolge zweier Schläge mit der rechten und linken Hand, der sog. "Knochenmühle", einen Wirbel zu erzeugen. Und als das nach Jahrzehnten endlich irgendwie zu klappen schien, ging ich mit dieser Fertigkeit auf reisen. Computer, Internet, Handy: "Alles Hexenwerk!", nichts für mich, den ehrbaren Handwerker. Auch heute benutze ich kein "Navi" oder eine ähnliche Gehhilfe und finde stets das Ziel.

Zahllose Kritiker, kompetente Berater und gewerbliche Besserwisser, deren E-Mails mich aus der Tiefe des Spam-Ordners heraus anflehen, endlich ihre Hilfe anzufordern, um unseren Internetauftritt in einen zeitgemäßen und modernen zu verwandeln, sind heute Morgen einmal recht herzlich gegrüßt! Ja, auch ich habe inzwischen verstanden, dass es auf dieser Homepage viel zu viel Text gibt, den ohnehin niemand lese...

Bedanken möchte ich mich bei denen, die sich trotzdem auf einen "Klick" einlassen. 

Das Zählwerk, das ausschließlich Aufrufe externer Besucher berücksichtigt, hat in der Früh die Zahl 100.000 überschritten. Und auch während und nach der Krise bleiben wir für Sie am Ball, um unsere Idee des Bewahrens traditioneller Werte in sich stetig ändernden Zeiten zu gewährleisten.

#Mittwoch, den 08. April, 19:00 h: Bei strahlendem Frühlingswetter habe ich heute viel Zeit in unserer kleinen Außenanlage verbracht. Und nicht nur der Hobbygärtner weiß, dass es wegen der steigenden Temperaturen nun um den abschließenden Pflanzplan für die Sommermonate gehen muss. Das Gesundheitsamt meldet sieben Personen, die sich seit gestern neu mit dem Virus infiziert haben. Da beginnt das große Rechnen. 

Ich bin Eigentümer eines Grundstücks in der Moltkestraße 89 mit einer Fläche von insgesamt 166 qm. Darauf steht ein Haus, dessen Grundfläche 110 qm beträgt. 425 qm an bewohn- und nutzbarer Flächen erstrecken sich über fünf Etagen. Draußen bleiben 56 qm übrig, die als "begrünte Hof- und Wegefläche" im städtischen Kataster ausgewiesen sind. Davon entfallen etwa 16 qm auf den gepflasterten Eingangsbereich in Richtung Straße und im Innenhof der preußischen Blockbebauung sitze ich nun im "Kleinsten Biergarten der Welt", der uns neben viel, viel guter Laune auch in diesem Jahr wieder eine prächtige Ernte an Obst, Beeren, Gemüsen und Kräutern bescheren soll, die allesamt im "Kochtopf" landen werden. Viel Anbaufläche gibt es nicht, aber es kommt darauf an, was man daraus macht und wie die Situation zu betrachten wäre.

Gemäß der zur Verfügung stehenden Daten per Stichtag 31.12.2018 vermutet das niedersächsische Landesamt für Statistik, dass im Landkreis Hildesheim derzeit 276.594 BürgerInnen leben und wohnen. Offiziell benennt die Stadt Hildesheim seine Einwohnerzahl mit 101.990. Zusammen verteilen sie sich auf einer Fläche von 1.206 km². Umgerechnet sind das 1.206.000.000 qm oder 229 Einwohner pro 1.000.000 qm. Rein rechnerisch stünden also jedem etwa 4.367 qm oder 0,44 Hektar zur Verfügung. Da fühle ich mich hier, zwischen Gewächshaus und Kellertreppe, plötzlich ziemlich beengt. Und jetzt kommt auch noch Sabine und setzt sich "einfach" dazu! Bei einem Sicherheitsabstand von 2 m, der im Moment allseits empfohlen ist, könnte ich, wenn sich alle BürgerInnen unseres Landkreises gleichmäßig verteilten, von hier aus bis zum Hauptbahnhof und zurück marschieren, ohne dass ich eine Menschenseele träfe.

Aber nun endlich zum Kern meiner Überlegungen. Das Land Niedersachsen informiert heute über 6.845 laborbestätigte Covid-19-Fälle. Das sind 401 mehr als am Vortag. 32,5 % der bislang gemeldeten werden als "Genesene" betrachtet, insgesamt 2.222 Personen. Das lokale Gesundheitsamt hat bis heute in Summe 210 Infizierte seit Beginn der Welle (im Stadt- und Kreisgebiet zusammen) gezählt. Von denen werden per 08.04.2020 "151" als "geheilt" bezeichnet. Ich errechne, dass sich 0,076 % der Bevölkerung infiziert haben, von denen ein Anteil in Höhe von knapp 72 % inzwischen wieder als gesund gilt. Wären da nicht diejenigen, die in den Kliniken um ihr Leben rängen, könnte ich mich eigentlich sehr sicher fühlen hier, in unserem kleinen Biergarten. Und ich könnte auch fragen, ob alle notwendigen Beschränkungen und Maßnahmen überhaupt sinnvoll oder notwendig wären. Das tue ich nicht. Die Lage ist und bleibt ernst, wir halten uns an die Regeln.

Und noch eine Bitte an unsere Nachbarn. Belasten Sie nicht die Telefonleitungen von Polizei und Behörden. Bitte verpetzen Sie uns nicht, nur weil wir bei der Gartenarbeit keinen Mundschutz tragen.

#Dienstag, den 07. April, 19:35 h: An diesem Dienstag Abend gibt das Gesundheitsamt bekannt, dass sich sieben Personen neu mit dem Coronavirus infiziert haben. Da inzwischen 147 vormals Erkrankte als "geheilt" gezählt werden, geht die Rechnung der Behörde dahin gehend auf, dass es aktuell nur noch 56 Infizierte in Stadt und Landkreis gäbe. Auch die Zahl der "Verdachtspersonen" hat sich weiter verringert auf 175.

#Montag, den 06. April, 13:30 h: Es ist der 24. Tag unserer freiwilligen Ausgangsbeschränkung und die Nerven liegen blank: "Das Bild hängt schief!" Natürlich kennen wir alle den hinreißenden Sketch von Loriot, der vom wunderbaren Bolero begleitet wird. Aber damit hat dieser kleine Tagesbericht nun rein gar nichts zu tun!

Liebe Freunde bezeichnen mich gern als pedantischen Erbsenzähler und auch andere ehrabschneidende Ausdrücke fallen wie einst im "Schwiegermuttermörder" Jürgen von Mangers. Selbst die "beste Frau Fütterer der Welt" schickt sich an, mich regelmäßig darauf hinzuweisen, dass mein Ordnungssinn sei "wider jede Natur", nur weil ich ein einziges mal anrege, dass ich es nur schön fände, wenn Besteck auf dem Tisch nicht kreuz und quer angeordnet liegt. Diese Leute wollen sogar meine immerwährende Bitte um Verständnis nicht mehr zulassen und grinsen nur noch mitleidig, wenn die "ewige Leier losgeht" und meine abgenudelte Schutzbehauptung auf kein offenes Ohr mehr trifft: "Trommler werden so erzogen. Der erste Schlag, der daneben geht, ist auch dein letzter!" Aber keiner weiß, dass ich 67 Fenster putzen muss, 30 Türen gangbar halte und allein heute schon 167 Treppenstufen bewältigten musste! Warum nur will niemand wissen, dass ich exakt 379 Chilischoten im letzten November in unserem Gewächshaus geerntet habe und dass... Jetzt erlebe ich einen Supergau. "Das Bild hängt schief!" Es ist das vom "gemütlichen Hermann" vor dem "Henkeltöpfchen", eine Fotografie aus dem Berlin der frühen 20-ziger Jahre, als die Welt noch in Ordnung war. Neben dem dickwanstigen Hermann gibt es auf dem Bild noch drei Damen und vier Herren mit schaumlos gefüllten Biergläsern in der Hand. Eine Schiebermütze, drei Schnurrbärte, zwei Glatzköpfe, ein doofes, dickes Kind und zwei leere Sektflaschen, die millimetergenau auf einem schräg nach links stehenden Tisch angeschraubt wurden. Obendrein vermittelt die Szenerie auch gar keine Sektlaune, denn drei der vier Herren schauen irgendwohin, bloß nicht in die Kamera. Und Hermann selbst blickt, selbstgefällig und teilnahmslos, nach rechts oben ins Nichts mit angewinkeltem Arm, der eine deutliche Distanz zum Geschehen unverkennbar macht. Zwei Damen rauchen Zigaretten, eine dritte sitzt einfach nur blöd da. Ein Zigarrenstummel verbreitet keinen Qualm. Außerdem ist da noch ein Mettauge und der Ansatz eines frivolen Lächelns. "Und dieses Bild hängt plötzlich schief!" Alle Alarmglocken läuten, mein Adrenalinspiegel und die Frequenz meines arrhythmischen Herzschlags steigen stolpernd und rasant zugleich. Kalter Schweiß bricht heraus aus allen Poren, das Hirn fährt Achterbahn. "Das kann nicht sein!" Surreale Wahnvorstellungen, Bilder der einstürzenden Twin Towers und der Riesenwelle vor Fukoshima wechseln sich ab. Fips Asmussen zotet in der "Violetten Zwiebel" und Uwe Barschel erstickt an einem Ehrenwort. Aber jetzt mal "Tacheles": Wo ist die Kabeltrommel? Wer hat den 6-er Steinbohrer versteckt? Die kurze Wasserwaage war eben doch noch da! Scheiße. Immer und immer wieder und wieder bricht die Spitze des Bleistifts ab beim Versuch des Anzeichnens eines Fadenkreuzes, dort, wo sich stürzende Linien mit der Geometrie des rechten Winkels gar nicht vereinen wollen.

Mein Schatz zwitschert fröhlich, oben im Treppenhaus: "Hast du schon deine Tabletten genommen?" Und die Welt ist schlagartig im Lot. Mit einem winzigsten Schups des Zeigefingers, unten links am Rahmen, schaut der "gemütliche Hermann" wieder geradeaus und die Sache könnte erledigt sein.

Wir freuen uns trotz fernbleibender Gäste auf das Osterfest, machen Sie es sich gemütlich zuhause! 

Das lokale Gesundheitsamt meldet mittags Informationen zum "Umgang mit Brauchtumsfeiern" und erstmals keine einzige, neu infizierte Person. Da inzwischen 139 vormals Erkrante als geheilt aus der häuslichen Quarantäne entlassen werden konnten, bleiben noch 57 akut betroffene, davon leben 23 im Stadtgebiet. 191 Bürgerinnen und Bürger gelten weiterhin als "Verdachtspersonen". Sieben werden stationär behandelt.

#Sonntag, den 05. April, 19:30 h: Wir hoffen in den kommenden Tagen auf weniger Neuinfektionen, aber deutlich steigende Temperaturen. Wohl dem, der den Grill herausholen und auf die sonst übliche, große Runde von Mitessern während der "Corona-Krise" verzichten kann! Das Gitter, das unseren Ausgang derzeit beschränkt, gehört nun auf die Feuerstelle. Und es muss nicht immer Bratwurst sein! Folgen Sie diesem Rezept gegen drohendes Einerlei und nehmen ein ganzes, küchenfertiges, möglichst großes Huhn zur Hand. Zum Wohlsein gehören auch eine Flasche guten Weins und Suppengemüse. Ihre Ostereier hat das Tier schon vor einigen Tagen gelegt. In gastronomischen Betrieben gehört es zum Alltag, wirtschaftlich und nachhaltig zu kochen, aber gleichzeitig Schmackhaftes und Kreatives aus Lebensmitteln zuzubereiten. Eifern Sie dem zuhause nach! An der notwendigen Zeit mangelt es im Moment jedenfalls nicht.

Lösen Sie das Brustfleisch von der Karkasse, legen es zum Grillen beiseite. Teilen Sie den "Rest" in grobe Stücke und kochen Sie eine Brühe. Bei deren Zubereitung müssen die Herren von Knorr und Maggi nicht helfen und schon die Urgroßmutter kannte sie als Heil- und Hausmittel im Falle einer Infektion. Verwenden Sie ein Teesieb oder einen Mundschutz aus Stoff, um später, notwendige Gewürze und das fortlaufende, verbale Gesülze problemlos dem Topf entnehmen zu können, und denken daran, dass beim Kleinschnippeln des Gemüses alle mithelfen dürfen. Das Gleiche gilt beim Abwasch, der heutzutage nicht zwingend maschinell oder nur von Mutti allein erledigt werden muss. Garzeit etwa eine Stunde bei mäßiger Hitzezufuhr. Ein wichtiger Hinweis: Lassen Sie den Topf, bei dessen Ansetzen der gute Schuss Wein nicht fehlen sollte, über Nacht abkühlen! Gießen Sie erst dann die Flüssigkeit vorsichtig ab und zwar ohne vorher umzurühren. So landet der größte Teil der Trübstoffe nicht in der Suppenschüssel und Sie sparen sich den Aufwand, im Nachhinein etwas klären zu müssen. Am folgenden Tag, auf der Basis neuer Daten und Fakten, würde aus den gegarten Fleischstücken ein Frikassee zubereitet und die Gemüse womöglich als Beilage Verwendung finden können. Zerkochtes Gemüse, fein püriert, diente neben etwas Brühe als Basis einer Soße, so, wie sie auch beim "Tafelspitz" oder "Vitello tonnato" allerorts gemacht wird. Auf dem Grill dient das Fleisch der Hühnerbrüste purem Vergnügen, wenn es, als hauchdünnes Schnitzel geschnitten nur für Sekunden großer Hitze ausgesetzt wird. Orientalisch oder fernöstlich inspiriertes Würzen kleiner, flacher Fleischspießchen bringt ein geheimes, multikulturelles Interesse ans Licht und zum saftigen Hochgenuss wird die ganze Sache, wenn eine Hälfte der Brust, zusammen mit Wein, Brühe, Gewürz und Gemüse in Alufolie gewickelt, allen Aromen die Kontaktbeschränkung verweigert. Der letzte Schluck aus der Flasche gebührt traditionsgemäß demjenigen, der später Verantwortung übernehmen muss und dem die Rechnung präsentiert wird. 

Wir sitzen noch im Garten, die Dämmerung bricht herein und ich entzünde eine kleine, gelbe Kerze auf dem Tisch. Tagesaktuelle Fallzahlen liegen nicht vor. Jetzt versuche ich, meinem Schatz mit den von Fettaugen der Hühnerbrühe geschmeidig gemachten Lippen einen kleinen Kuss auf die Wange zu drücken. Doch sie lehnt dankend ab und schlürft genüsslich weiter aus der Tasse dampfend heißen Lebenselixiers. Beide Hände umklammern fest den kleinen Ofen. Im Moment vollendeten Genusses wird keinerlei Ablenkung geduldet. 

#Samstag, den 04. April, 19:10 h: Auch am Wochenende ist das lokale Gesundheitsamt nicht untätig. Es werden sieben Neuinfektionen gemeldet. Die Zahlen steigen verhältnismäßig langsam, wie die Flut im Wattenmeer. Es geht hin und her, vor und zurück, bleibt aber ein todsicheres, tägliches Ereignis von immenser Tragweite. Im Bezirk befinden sich heute insgesamt 86 infizierte Personen. 30 davon entfallen auf das Stadtgebiet Hildesheim, vier Erkrankte stammen aus unserem Postleitzahlbereich. In häuslicher Quarantäne müssen 266 Verdachtspersonen ausharren. Fünf der Infizierten befinden sich in stationärer Behandlung. Bislang bleibt es bei einem Todesopfer.

#Freitag, den 03. April, 12:45 h: Unser Start in die vierte Woche der selbst gewählten Ausgangssperre: "Es ist Frühling!"

Im Winter des Jahres 1980 gab es sogar im norddeutschen Flachland noch Schneehöhen von bis zu 40 cm! Wir befinden uns in der Ära der atomaren Abschreckung, Glasnost ist ein unbekannter Begriff, die biologische Kriegsführung weltweit geächtet. Nicht nur draußen wird es langsam wärmer. Es ist ein Freitag im Frühling, so wie heute, und meine Fahrt beginnt im Zwielicht auch dessen, was mich erwartet. Wie im Märchen, tief versteckt im Wald der bösen Hexe, erreiche ich ein Zuhause für die nächsten 54 Stunden. Das furchteinflößende, einmeterdicke Tor steht bedrohlich, weit offen. Die Stahltüren der Schleuse schließen sich. Das letzte Blinzeln des Tageslichts flüchtet zusammen mit seinem Freund, der frischen Luft, durch absterbende Schlitze ins Freie. Der Druck im Ohr steigt schlagartig und das tiefe Brummen der Aggregate wird zum ständigen Begleiter. Angekommen bin ich im Warnamt III Rodenberg. Es geht weiter unter der Erde. Neben mir auf der Treppe: Ein Verwaltungsmensch. Er hechelt, versucht ununterbrochen, die sintflutartigen Ströme des eigenen Schweißes vom frisch gebügelten, feinen Zwirn fernzuhalten. Und auch daheim hat er wohl nur zu oft nichts zu melden, wie sich später herausstellen wird. Ich nenne ihn "Heinrich, den Landrat", trottele treppab im schützenden Mantel meiner Jugend.

Es ist nur eine Übung! 

Damals, nach den totbringenden Bränden in der Lüneburger Heide und dem verheerenden Orkan, der den nahen Harz in nur wenigen Stunden einer Einöde gleichmachte, glaubte ich an den Sinn des Katastrophenschutzes als beste Alternative zum Dienst an der Waffe.

Gemeinsam kommen wir an im Lagezentrum, knapp 30 Höhenmeter unterhalb des Waldbodens. Der Raum gleicht auf das Haar genau dem des Kontrollzentrums in Houston während der Tage der Mondlandungen. Anhand der vorbereiteten Namensschilder finden wir vorbestimmte Plätze. Einer, der im Ernstfall die gesamte Verantwortung tragen soll, ganz vorn, der andere hinten auf einem "Beobachtungsposten". Bald lerne ich, dass das Beobachten auf einer AMAST oder BAMST einem Himmelsfahrtskommando gleichkommt und fühle mich beschissen. Abends steigt die Stimmung des Kantinenwirts: "Stets geschlossene Gesellschaft". Beim Skatspielen frage ich einen Kiebitz, warum er, als verbeamteter Ausbilder, tagsüber wissentlich Unsinn absondert. Später darf er Mitsitzen am Tisch.

Das Planspiel muß am Sonntag abgebrochen werden. "Heinrich" hat mit dem Wissen des Schreibtischtäters inzwischen 238.000 Opfer zu verantworten. Ich möchte auf gar keinen Fall in seiner Haut stecken. Sesam öffnet sich. Achtmal habe ich ähnliches mitgemacht: "Same procedure than every year!"

Hochachtung, dass es wenigstens in Heinsberg jemanden gibt, der "Eier in der Hose hat!" 

In den Jahren meiner Mitarbeit im Zivilschutz lernte ich gnadenlos, dass in Krisensituationen eine wohlformulierte Desinformation der Betroffenen zum Tagesgeschäft zählen muss, um Ströme zu lenken und Schlimmeres zu vermeiden.

Ein Fazit: Lesen Sie "zwischen den Zeilen" und glauben Sie weder an Schönredner, noch Gesundbetern oder Fatalisten. Bewerten Sie alle Informationen kritisch, wägen tagtäglich ab, was wirklich richtig und wichtig sein kann oder muß. Wir alle sind lange noch nicht "über den Berg".

Der Landkreis Hildesheim meldet zehn, neue "Laborbefunde", beziffert die Zahl der Infektiösen mit 76 und noch weniger vielen "Verdachtspersonen" als gestern. Wie hoch ist wohl die Dunkelziffer?

#Donnerstag, den 02. April, 13:00 h: So, jetzt haben wir den Salat! Nordischer Tradition folgend müssen heute die Eingangsschilder der Region Hildesheim erneuert werden, die vormaligen Aufschriften sind zu ersetzen durch "Helheim". 

Modgudur war stets wachsam, so, wie wir alle es bleiben müssen, und Garm hatte ununterbrochen gebellt, die Zähne gefletscht wie die Virologen in Echtzeit, dennoch öffnete sich gestern der Helgrind, um ein erstes Todesopfer einzulassen, einen 70-jährigen Mann, der zu der bekannten Hochrisikogruppe zählte und im Krankenhaus verstorben ist. Eine Infektion mit dem Coronavirus ist labordiagnostisch bestätigt. Den Hinterbliebenen, Freunden und allen Bekannten möchte ich offen und genau an dieser Stelle mein aufrichtiges Beileid und meine Anteilnahme aussprechen.

#Mittwoch, den 01. April, 10:30 h: An diesem Morgen vergeude ich keine Zeit für einen Aprilscherz. Auch Galgenhumor ist nicht angezeigt, obwohl mich eine unbekannte Dame aus dem mittleren Osten weckte. "Not macht erfinderisch!" 

Der Hassprediger Abu Walaa hat in einer Hildesheimer "Terror-Moschee" bis November 2016 seine extremistische Ideologie innerhalb des Islamismus und obendrein ein perfides Akquiseprogramm für den IS verfolgt, steht aber bis heute noch frei von jedem Urteil vor Gericht. Und die mediale Diskussion über Erlasse zum Thema "Kopftuch" und das Vermummungsverbot finden, seitdem der G7-Gipfel per Videokonferenz zu Ergebnissen führen kann, in Deutschland nicht statt.

Es ist nicht der düstere Charon, der seinen Obolus fordert für die Überfahrt in das Reich der Infizierten, etwas schläfrig erkenne ich das Augenpaar im Sehschlitz der Burka. Stolz präsentiert mein Schatz die Frühlingsmode des Jahres 2020! Zugegeben, die Bastelarbeit aus dem, was der eigene Kleiderschrank und die Hausapotheke hergeben, kann den hohen Ansprüchen der Haute Couture noch nicht genügen. Aber: "Viel hilft viel!" verspricht uns sogar der klassische Irrglaube. Jedenfalls wärmt mein Herz ein prächtiger Strauß kreativer Ideen und erweist sich als willkommene Abwechslung während Tagen, die ich jetzt fast ununterbrochen im Büro verbringe. Dort versteckt ein federloser Vogel seine Eier bis weit nach Ostern im einem Verzeichnis von erforderlichen Formularen. Die Elster wird dem Bundesadler auch demnächst in Form, Farbe und Vielfalt zwar nicht gleichen, aber im selben Maß Rätsel aufgeben.  

Wir sind also heute schon gewappnet, falls ab morgen das Tragen eines Mundschutzes nicht nur in Jena, sondern auch hier im Süden Niedersachsens und womöglich in den eigenen vier Wänden zur täglichen Pflichtaufgabe bestimmt wird!

Die lokale Presse druckt ebenfalls keinen Aprilscherz, sondern titelt mit einer kleinen Sensation. 86 Infizierte werden gezählt in Stadt und Landkreis Hildesheim, 75 vormals Erkrankte wurden als "geheilt" aus der häuslichen Quarantäne entlassen. 9 der Infizierten befinden sich in stationärer Behandlung. "Bitte halten Sie sich weiterhin an die angeordneten Beschränkungen sozialer Kontakte. Sie retten damit Leben! Vielen Dank."

#Dienstag, den 31. März, 18:35 h: Abends veröffentliche an dieser Stelle wieder die aktuellen Infektionszahlen, die meine Freunde vom lokalen Gesundheitsamt herausgeben. Das sind natürlich Angaben von gestern. Dennoch geben sie Anlass zur eingeschränkten Freude, denn es wird keine Neuinfektion gemeldet. 54 Genesene schönen die Statistik. 

#Montag, den 30. März, 08:30 h: Hat es an der Tür geschellt? Das muss er sein, der Paketbote, bringt Abwechslung und Rettung in die Isolationshaft! Einer Feder im frischen Herbstwind gleichend fliege ich über den Treppenstufen hinunter ins Erdgeschoss, vergessen sind die Qualen der Rückenschmerzen vergangener Tage, verschwunden wie im Nu. Und da steht er morgens in meiner Fantasie mit dem gebotenen Abstand zur Schwelle in bekleckerter, staubiger Arbeitsjacke. Es ist der neue Nachbar von schräg gegenüber: "Guten Morgen Herr Fütterer, mein Name ist Friedensreich Lager-Koller. Sie sind doch auch Heimwerker?" Blitzschnell kombiniere ich wie der Kommissar Schneider an besseren Tagen. Vater: Oberstudienrat i.R., Deutsch, Geschichte und Religion. Eine Staffelei im Hobbykeller zum stillen Ausgleich des täglichen Tohuwabohus einer Mittelstufenklasse, begleitet von einer insgeheimen Verneigung vor Yosuke Yamashita. Die beste Ehefrau von allen: "Kinder, das Essen ist fertig! Und dann wollen wir alle Filzen!" Das Paar lernte sich schätzen und lieben ganz hinten links im Labyrinth des Baumarkts. Dort blieben sie tagelang verschwunden auf der Suche nach dem 5-er Kippdübel mit Rundhaken. Orgelpfeifen auf dem Sofa vor dem Fernseher, nicht nur Struppi bekommt ab heute Futter aus der Dose. 

Gestern, Sonntag, pünktlich 13:58 h. Jäh werde ich herausgerissen aus dem seichten Anflug des Schlummers. Ein Hilfeschrei!? Jammernd, klagend, heulend, eine wahre Folter für jedes Trommelfell! Es ist dieses Geräusch, wenn der stumpfe Bohrer trotz aller Kraft partout kein Loch machen will im Stahlbeton. Immer und immer wieder. Draußen wird es langsam dunkel. Jetzt kommt endlich der große Vorschlaghammer zum Einsatz, Kinder schreien am offenen Fenster, selbst der Hund japst nach Luft. Das gewaltige Donnern eines nahenden Weltuntergangs verstummt erst ganz spät in der Nacht. Worte unendlicher Liebe erreichen dann mein Ohr: "Schlaf schön, mein Schatz!"

"Haben Sie ´mal ´nen Bohrfutterschlüssel? Meiner ist weg." 

"Nein, ich bin Schlagzeuger." Tür zu.

Quarantänezeit ist auch Heimwerkerzeit. Zweifelsfrei. Von letzterer gibt es weit mehr Infizierte zu vermelden als insgesamt 149, die bislang in Hildesheim von Covid-19 betroffen sind .

#Sonntag, den 29. März, 14:45 h: Spät in der Nacht hat uns die Zeitumstellung wenig gestört. Morgens gibt es eine Überraschung. Pünktlich zum verfügten Beginn des Sommers fällt in Hildesheim der erste Schnee dieses Winters. Der ganze Spuk dauert zwar nur zwei Minuten, dann ist die weiße Pracht auf den noch warmen Flächen wieder verdunstet, aber schön war´s und seltsam zugleich. Das Gespenst "Corona" wird wahrscheinlich zu Beginn der "Winterzeit" immer noch mit am Tisch sitzen und uns sein stacheliges Mondgesicht vorhalten, weil wir bis dahin zuhause bleiben, behördlich angeordnet wie das Umstellen der Uhren. Aber einen Vorteil hat die gesamte Misere: Unser kleiner Biergarten bleibt geschlossen, das gesamte Mobiliar und der schöne, große Grill werden erst wieder im Frühjahr 2021 aus dem Winterschlaf geweckt und deren Abnutzung deshalb deutlich verringert. Die Zahl des Tages kommt heute aus Hannover vom Gesundheitsamt des Landes: 144 Infizierte in Hildesheim, 5 mehr als gestern. 

#Samstag, den 28. März, 09:30 h: Pflichtgemäß verfolge ich das Spiel. Heute steht ein Brite im "Schach". Die Situation wird brenzlich, weil seine englische Eröffnung, die eigentlich als eine flexible, eine in der man noch andere umgehen und eine Vielfalt an Möglichkeiten erhalten kann, kläglich gescheitert zu sein scheint. Eben stand der noch am Ausstiegsfenster, jetzt ist er schwer getroffen in der Luftschlacht um England, muss irgendwie ´raus aus der Bredouille und verkündet den Erklärungsnotstand. 

Das Gesundheitsamt Hildesheim erklärt hingegen, ohne dass es den erkennbaren Sinnzusammenhang gäbe: "Hinweis: Bei der Meldung an das Landesgesundheitsamt werden alle Fälle addiert, d.h. als geheilt entlassene Patienten werden dort weiter in der Statistik geführt." Nicht Jedermann muss in Krisenzeiten dem Vorbild eines Yoga- oder Tanzlehrers am kleinen Bildschirm des Smartphones versuchen nachzueifern. Auch nach der Ära des Homeoffice bietet eine lokale Volkshochschule Deutschkurse nicht nur für Asylbewerber an. Verfassern des Teletexts im deutschen Fernsehen sei dort, ganz vorn in der ersten Reihe sitzend, eine Buchung ebenfalls uneingeschränkt empfohlen. 

Heute Vormittag verkünde ich bedauerlicherweise nur Zahlen vom gestrigen Abend. Aktuelleres gibt es noch nicht an diesem sonnigen Samstag. Zwei neue Infektionen. Es leben jetzt insgesamt 38 Infizierte im Stadtgebiet. Erfreulich: Zwei der vormals Infizierten aus unserem, dem oststädter Postleitzahlbereich, konnten als geheilt aus der Quarantäne entlassen werden.

#Freitag, den 27. März, 09:45 h: "Treppensteigen hält immer noch jung?" Bepackt und behutsam einen Schritt vor den anderen setzend erreiche ich unseren "Versorgungskeller". Denn ich habe einen Begleiter, der auch in der Krise keine Hilfe gewährt: Rückenschmerzen. Niedersachsen machen es anders, dazu gestern Ministerpräsident Stephan Weil: „Die Aufnahme von zehn Intensivpatienten aus Norditalien ist ein kleines Zeichen der Solidarität und der Nächstenliebe. Wir fühlen uns den Menschen in Italien eng verbunden – auch weil viele Niedersachsen aus diesem wunderschönen Land stammen, das jetzt eine so dramatische Zeit durchleben muss. Niedersachsen kann allerdings angesichts der auch hier stark ansteigenden Fallzahlen leider nicht mehr als zehn Intensivbetten zur Verfügung stellen.“

In der kleinen Schankwirtschaft plätschern sonst muntere Gespräche über das Tagesgeschehen, die zu hohen Bierpreise. Überhaupt geht es stets um alles, was uns wichtig erscheint, also in erster Linie um viel Unsinn. Heute Vormittag erwartet mich aber eine Solidargemeinschaft, aus anderem Holz geschnitzt, an der Stelle, wo vor zwei Wochen ein eleganter Franzose seine samtigen Schlieren im voluminösen Glas lächelnd präsentierte und ein zimmertemperierter Norweger die Grenzen seines Königreichs nicht geschlossen hatte vor den Gefahren, die draußen lauern. Ich sitze vor dem Schachspiel. Unsere Figuren sind weder weiß, noch schwarz. Diese archaische, vorverurteilende Trennung in gut und böse hätte mir nicht gefallen, zumal weiß im Spiel immer den klaren Vorteil des ersten Zuges beansprucht. Unsere Protagonisten tragen eine Uniform aus sonnigem Gelb und strahlendem Blau, Synonyme für Wärme und die grenzenlose Freiheit des Himmels und der Meere. Das Spiel hat bereits begonnen. Alle sind versammelt wie beim "Dinner vor one". Die Chinesen hatten den ersten Zug: Bauer E2 auf E4. Die Blauhelme kontern mit der spanischen Eröffnung, die später einen offenen Schlagabtausch gewährleistet. Die Uhr, die mein Freund Manfred vor einigen Jahren mitbrachte, tickt. Ein mittlerweile bekannter Gegner hat den Auslösemechanismus der Bombe in Gang gesetzt. Wie in jedem billigen Agenten- oder Katastrophenfilm sehe ich in Großaufnahme die Zeit verrinnen. Es wird wohl eine italienische Partie. Eine, die in mehrere Varianten mit der Möglichkeit schwerster Folgen unterteilt ist. Gegenüber formiert sich zielstrebig die Berliner Verteidigung, orientiert sich noch am Verlauf, während die hypermoderne Schule schon reagiert und eine besondere Strategie verfolgt: "Beherrschen statt besetzen!" Dabei übernehmen die Bauern eine zentrale Aufgabe. Fachleute sprechen von der "indischen" Verteidigung. Im wahren Leben sind die Kleinen auch zu oft die Dummen. Nicht nur im deutschen Sprachgebrauch ist deren Ausscheiden aus dem Spiel der Mächtigen, das "Bauernopfer", schon lange angekommen. Inzwischen haben die Russen das Schlachtfeld betreten. Ihre Springer können über eigene und fremde Linien hinweg Einfluss nehmen. 

Jeder Schachspieler hat die, die es nicht geschafft haben, fest im Blick. Sie stehen neben dem Spielplan wie die Kreuze Namenloser, wenn der Krieg endlich vorbei war. 

Mir reicht´s. Langsam aber unaufhaltsam beginnt das Endspiel, ein Remis wird es nicht geben. Schachspieler erheben sich, wenn es so sein könnte, lange bevor der König fiele, wie vom unsichtbaren Faden des Marionettenspielers gezogen, im selben Moment von ihren Plätzen, gewähren den freundschaftlichen Händedruck. Der feste Blick in das Auge desjenigen, der eben noch versucht hatte, einen Sieg zu erringen, transportiert Fairness, Anerkennung und gegenseitige Wertschätzung. Das kann bei einem Feind, der heimtückisch und hinterhältig an jeder Ecke lauern könnte, nicht in Frage kommen. Morgen komme wieder hierher und schaue dem neuen Tag optimistisch entgegen. Auf meinem Spielbrett bilden nämlich alle Figuren eine gemeinsame, starke Reihe gegen den Unsichtbaren. 

Heute geht das Hildesheimer Gesundheitsamt aus von 112 Infizierten, davon 36 im Stadtgebiet. 360 Personen befinden sich in Quarantäne. Aus der konnten bislang 132 Bürgerinnen und Bürger entlassen werden, weil sie sich nicht infiziert hatten. 32 haben die Erkrankung unbeschadet überstanden. Es gibt keine Opfer am Rand des Spielfelds.

#Donnerstag, den 26. März, 15:50 h: "Frau Dr. Katharina Hüppe, die Leiterin des Hildesheimer Gesundheitsamtes, unterstützt ausdrücklich den Aufruf der Medizinischen Hochschule Hannover! Die Mitarbeiterinnen des Gesundheitsamtes werden jetzt die mittlerweile 16 genesenen Patienten aus dem Landkreis Hildesheim bitten, sich bei der MHH zu melden wegen einer Blutplasmaspende. Das entnommene Blutplasma soll Schwerkranken und Risiko-Patienten verabreicht werden, damit die fremden Antikörper an das Virus andocken und somit unschädlich machen können. Die COVID-19-Genesenen können sich unter der kostenlosen Rufnummer 0800 532 5325 oder per E-Mail an RKP-Spende@mh-hannover.de melden." Ist das der Funken Hoffnung, auf den wir alle warten? Gleichzeitig wird ein Anstieg der Infizierten auf 109 Personen bestätigt, davon jetzt 34 im Stadtgebiet Hildesheim. Und weiter: "Bleiben Sie aktiv! Eine Runde Joggen oder mit dem Fahrrad fahren tun gut. Falls Sie zuhause bleiben, können Sie auch in der Wohnung Yoga oder einen Online-Sportkurs machen. Viele Medien und Fitness-Center bieten derzeit solche Angebote kostenlos an." Hiermit erteile ich den Verfassern dieser amtlichen Empfehlungen einen schweren Verweis und dulde auch keine Entschuldigung nach dem Motto: "Wegen der angespannten Lage, tun wir sowieso schon mehr als das Menschenmögliche!" Oder Ähnliches... Warum verwenden diese Schreiber die Worte "können" und "falls"? Die Spätfolgen eines Notabiturs der letzten Kriegsjahre können es jedenfalls nicht mehr sein. Auch die Nachwehen der Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996 fallen als Ursache aus, denn der Konjunktiv und andere Möglichkeitsformen wurden davon nicht betroffen. Provinzielle Einfältigkeit darf bei dem Ausmaß der Krise nicht als Grund für Unfertigkeit herhalten, genauso wenig wie die Richtlinien der Datenschutz-Grundverordnung des Jahres 2016, die wir, dem eigenen Todesurteil ähnlich, allerorts seither unterzeichnen müssen. Der Bürger an der Straßenecke würde sagen: "Verdammt nochmal, meldet Euch gefälligst!" Und die medial allgegenwärtigen Virologen sprächen verbindlich: "Bleiben Sie zuhause! Sie können auch in Ihrer Wohnung Yoga … machen." Selbst ein ehemaliger Berufspolitiker und Landesvater, der als Kanzlerkandidat scheiterte und endlich von allen weggelobt in Brüssel zum ehrenamtlichen Leiter einer Arbeitsgruppe der europäischen Union zum Abbau der Bürokratie ernannt wurde, hätte es neben dem "Äh, äh,...äääh!" besser hinbekommen.

#Mittwoch, den 25. März, 17:00 h: Hier sind die aktuellen Zahlen. In Niedersachsen gibt es heute insgesamt 2.313 Infizierte. Das sind 242 mehr als gestern. Vom Landkreis Hildesheim werden nur noch 99 Fälle gemeldet aber 360 Kontaktpersonen. 459 Menschen befinden sich somit in Quarantäne, 4 davon in stationärer Behandlung. 15 Menschen wurden inzwischen als geheilt aus der Quarantäne entlassen. 30 Infizierte im Stadtgebiet.

#Dienstag, den 24. März, 19:30 h: Vorab die Zahlen vom lokalen Gesundheitsamt: Es bleibt, in Stadt und Landkreis zusammen, bei 100 Infizierten! Zitat: "Insgesamt konnten jetzt schon 9 ehemals laborbestätigt infizierte Personen nach nunmehr negativem Test als geheilt aus der häuslichen Quarantäne entlassen werden, ebenso 66 Kontaktpersonen, die sich nicht infiziert hatten." Es gibt 7 Infizierte in unserem Postleitzahlbereich, also im nahen Umfeld, und keine Entwarnung, nur weil die Kurve heute wieder nicht ansteigt.

"Glauben Sie nicht allem, was in der Zeitung steht." 

Als pubertierende Rotznase hatte ich wirklich nichts Besseres zu tun, als auf das Setzen des Kommas zu achten. Viel, viel wichtiger für mich war diese junge Dame, mittig links in der Gruppe. Plötzlich verliebt. Was macht es da schon aus, die einzige Fünf im gymnasialen Diktat zuhause dem Familienvorstand zur Kenntnisnahme und Gegenzeichnung vorzulegen! Pustekuchen. Ohrfeige, Straflager: Androhung häuslicher Quarantäne. Es folgt ein erster, hoheitlich verfügter Aufsatz, verkündet zur sofortigen Vollstreckung: "Mein Stück Seife!, zwei Seiten, bis morgen Mittag! Und dass endlich mal diese langen Loden vom Kopf kommen!" Blödsinn? Geglaubt hatte ich bis in dieses Moment hinein, dass mich eine wallende Haarpracht unantastbar machte für Angriffe von jeder Seite, insbesondere von Kamm und Schere. Vor wenigen Tagen war ich noch im Kino zusammen mit dem Schatz, den ich heben wollte. Woodstock. Niemand trug dort angefüllt von der Selbstüberzeugung und Zweckmäßigkeit heutiger Tage eine Glatze. Es gab keinen einzigen Verdachtsfall, der als Begründung für eine Klage eines Alt-Bundeskanzlers herhalten konnte wegen des Färbens von Informationen bezüglich des jeweils aktuellen Status` seines Haupthaars.

Mein Vater war ein Herr von Feder und Fotos, Journalist seit den ersten Stunden nach Kriegsende, wusste nur zu oft aus dem "FF", worum es gehen musste in einer Zeit, wo Informationen nur morgens im Briefkasten Bewertung erfahren haben. 

Der "Ritterschlag?"

"Und es war Sommer, es war ein schöner Tag..." Zwischen Sport- und Deutschunterricht, knapp zwei Jahre vor dem Abitur, auf dem Rückweg von der städtischen Badehalle, dem verpflichtenden Mutsprung vom Fünf-Meter-Turm kopfüber in die unendliche Tiefe des Beckens in der "Speicherstraße", führt mich mein Weg zur Rotation im Pressehaus am "Bankplatz". "Drei Mann machen Zeitung für die gesamte Region!" heißt es dort im "Sommerloch" sehr hektisch. Eine Herkulesaufgabe damals in einer Ära, wo vom Internet noch niemand etwas wusste und Zeitung noch sehr wichtig war. Das Telefon auf dem Schreibtisch hat eine komische "Wählscheibe", die sogar mit Wurstfingern fehlerfrei und unglaublich schnell bedient wird. Ein Fernschreiben trifft ein in der Redaktion der Hildesheimer Presse! Das riesige Empfangsgerät spuckt meterweise Lochstreifen aus immer und ohne Unterlass. Ich kannte das alles gar nicht. Wer um Himmels willen könnte etwas Herauslesen aus dem ganzen Haufen? "Wo bleibt das Horoskop?" schallt es von unten heraus, von denjenigen, die den Bleiguss fertigen müssen, bevor riesige Walzen Unmengen von Papier verschwendeten, ohne dass eine Vorausschau für gläubige Fatalisten mit gedruckt würde. Plötzlich ein Auftrag meines Vaters: "Horoskop für Morgen, heute bis 18:00 h!" Bis dato kannte ich ein Mikroskop und das Teleskop, ein Periskop und Stethoskop. "Ließ, was während der Woche in der Zeitung stand!" Ich fahre mit dem Rad bergauf in Richtung "Marienburger Höhe", rätselratend und angespannt. Während der notwendigen Recherche treffe ich auf keinerlei Unbekannte. Es gibt Tiere, ein Küchengerät, Kinder, deren besondere Lebensumstände ich aus der Nachbarschaft kenne und den "Schützen". Der Letztere mag wohl "keine gute Perspektive" haben in den nächsten Tagen: "Ein eher nebensächliches Problem wird künstlich aufgebauscht!" steht in der Zeitung von gestern, bleibt aber stets aktuell. "Fische muss man im Normalfall gar nicht lange bitten..." Stier: "Viele Menschen sind momentan überfordert, Ihre Missstimmungen richtig einzuordnen!" Ich sitze in meinem kleinen Zimmer unterm Dach und denke nach.

Zeitsprung: 24.03.2020: "Ich habe ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte meiner Mitmenschen, und man muss mich im Bedarfsfall auch gar nicht lange bitten!" (Zitat: Hildesheimer Allgemeine Zeitung vom 21.03.2020, Seite:10, "Ihr Horoskop" - Fische) 

Geändert hat sich also rein nichts seit den Tagen meiner Jugend.

17:10 h: Mein Vater erreicht das Haus, verschwindet sofort zum Bearbeiten der Fotos des Vormittags grußlos im stockfinsteren Keller. Zielpunkt: 18:00 h! Das mit dem "Entwickeln" der Aufnahmen könnte geklappt haben? Ich stehe vor unserem Wohnzimmer mit meiner Zettelwirtschaft. Es gibt bestimmt keinen Fehler mehr bei Setzen der Kommas? Übergabe. Schweigen. Lesen. In einem solchen, ganz fies knisternden Augenblick hoffst Du auf eine Falltür unter den Füßen, den Fahrstuhl zur Hölle für das Moment, dass Deine Ideen beim Ausdenken eines Horoskops für tausende von Lesern nicht ausreichten. Erlösung von dem Übel... Links im Mundwinkel Deines Gegenüber erreicht der verbale Unsinn erst ein kleinstes, aber stetiges Zucken, dem folgt ein leichtes, dann sich unaufhaltsam steigerndes Schütteln des Oberkörpers, gefolgt von hingebungsvollem, quasi irrsinnigen Gelächter: "Wer glaubt schon, was in der Zeitung steht!" Wir wurden nach den Fehlern in meiner Jugend Freunde bis zum bitteren Ende.

Was ich Ihnen in dieser sehr persönlichen Art und Weise heute empfehlen möchte: "Bleiben Sie zuhause!" Vertrauen Sie nicht uneingeschränkt allen Informationen, die Sie erreichten. Machen Sie nur das Beste in der aktuellen Situation und "fordern Sie nichts heraus"!

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen, wenn Sie nach der Pandemie wieder unsere Gäste sein möchten!

Sabine und Bert  

#Montag, den 23. März, 08:30 h: Achtung, Achtung! Der "Oststädter Inselfunk" sendet aus dem "Untergrund"! Ich sitze früh morgens in unserer kleinen Weinstube, einem ehemaligen Kohlenkeller, den ich im Jahr 2016 unter unsäglichen Anstrengungen rekonstruieren konnte. Mein Blick schweift vorbei an den gut gefüllten Regalen, den untrügerischen Werten unserer heutigen Konsumgesellschaft, führt nach oben und ruht nun auf dem Tonnengewölbe der preußischen Kappendecke. Jetzt werde ich eingefangen von meiner Erinnerung. Genau hier stand ich vor vier Jahren auf einer Leiter, gezeichnet vom Tagewerk, vollkommen erschöpft. Der rheinländer Fugenmörtel tropft unaufhörlich wieder und wieder auf die Schutzbrille, das Atmen durch die Maske wird zur unsäglichen Qual, der Schutzanzug ist total zerrissen. Zementstäube sind sehr giftig! Da höre ich ein sanftes Poltern im Treppenhaus. Sabine, der gute Geist des Hauses, schwebt engelsgleich herunter, steht an der Schwelle des Sperrgebiets und verordnet mit strenger Gebärde die sofortige Pause. Ich füge mich nur zu gern. Watschelnd erreiche ich den Garten, der Pegelstand der Flüssigkeiten in meinen Gummistiefeln übersteigt die des legendären "Hildesheimer Hochwassers" im Jahr 2015. "Damals" füllten sich kleinste Rinnsale, mutierten zu gewaltigen, reißenden Strömen, traten über alle Ufer. Bei jedem Schritt ins Freie folgen mir eigene und fremde Säfte auf den Böden. Später werden mir diese riesigen, nassen Flächen unweigerlich den Weg zurück in die Folterkammer weisen. Jetzt fällt mein Blick geradeaus in den Kristallspiegel an der Wand. Und dort, ganz hinten rechts, erscheinen langsam Gesichter. Die Gesichter derer, die genau an dieser Stelle vor 75 Jahren verängstigt und versteinert saßen, verzweifelt Schutz suchten. Blicke in eine vollkommen ungewisse Zukunft. Tags zuvor, noch kurz vor Kriegsende, war der verheerende Bombenhagel aus den Schächten britischer und kanadischer Flugzeuge auf die Oststadt niedergegangen. Am "Tag danach" gab es genauso wenige Informationen wie heute, wo das lokale Gesundheitsamt keine neuen Zahlen nennt, sondern bislang nur darauf hinweist, dass 6 vormals Infizierte wieder als gesund zuhause sind. Anfang April 1945 stand eine Rechnung: Allein 52 Tote in unserem Stadtteil, die Leute von nebenan, Freunde, Nachbarn, womöglich der Wirt "von schräg gegenüber", wo gestern noch ein Haus war. Ungewissheit. Mit vielen Überlebenden des Bombenangriffs habe ich noch persönlich und sehr intensiv sprechen können. Die Sätze bleiben wie eingemeißelt, immerwährend präsent. Aus irgendeinem Grund wendet sich mein Kopf nach links. Unwillkürlich, berufsbedingt, beginne ich mit dem Zählen von Gläsern und Konserven. Auf Neudeutsch heißen die Dinge, die ich liebe, nun unverständlicherweise "Home convenience". Verstehe das, wer will. "Unser Omma" hat früher jedenfalls noch Gemüse und Obst aus dem Garten eingekocht. Und die Dosenwurst kam vom Metzger des Vertrauens. Apropos Vertrauen: Vertrauen Sie in der Krise insbesondere den Kollegen aus der lokalen Gastronomie. Die waren bis gestern immer für Sie da, "wenn der kleine Hunger kam", kämpfen nun allesamt ums Überleben wie die Menschen, die ich eben noch in meinem Spiegel sah. Wenn wegen der ab heute auch in Niedersachsen verordneten Ausgangsbeschränkungen Kochversuche am eigenen Herd unerwartet, aber dennoch kläglich scheitern oder im Kühlschrank Ihnen die übliche Leere fratzengleich entgegen grinst: Bestellen Sie keine "Pappe" beim x-beliebigen Lieferdienst, der in Hildesheim auf einem Hochglanz-Flyer im Briefkasten mit "Original italienischer Pizza" und angeblich frischen Zutaten lockt. Rufen Sie dort an, wo Köche am Werk bleiben, die ihren Beruf gelernt haben und lieben. Fragen Sie genau dort nach Speisen, die Ihnen für den Verzehr in den eigenen vier Wänden zubereitet und ab nun zum Mitnehmen zur Verfügung stehen werden.  

#Sonntag, den 22. März, 20:30 h: Sehr geehrte Leser, wegen der aktuellen Lage in der Corona-Krise schließen wir heute Abend die Buchungsmöglichkeit unserer Gästezimmer im 1. Obergeschoss des Hauses zunächst bis zum 02. Mai des Jahres, bitten um Ihr Verständnis! Unsere abgeschlossene Ferienwohnung im Erdgeschoss bleibt weiterhin verfügbar und zwar ausschließlich für Gäste, deren Aufenthalt in unserer Region beruflich oder geschäftlich veranlasst ist. Wir leisten auf diesem Weg unseren Beitrag, denjenigen ein sicheres Zuhause zu geben, die durch eine Tätigkeit dringende, unverzichtbare Aufgaben fern von ihrer Familie in Hildesheim erfüllen müssen. Wir begrenzen aus gegebenem Anlass verantwortungsvoll die Nutzung der Räume auf Buchungen für 1 bis 2 Personen. Da sich unser Haus in der Nähe des lokalen HELIOS-Klinikums befindet, sehen wir uns veranlasst, Anfragen für den Aufenthalt von Ärzten und klinischem Personal, insbesondere von Firmen, die diese Berufsgruppe für kurzzeitige Einsätze vermitteln, stets vorrangig zu bearbeiten. 

#Sonntag, den 22. März, 11:45 h: Die Zahl der bestätigten Corona-Patienten ist nun auf 100 angestiegen, davon 31 im Stadtgebiet Hildesheim. 451 Menschen befinden sich in "häuslicher Quarantäne". Die Statistik des Gesundheitsamts des Landkreises weist vor allem jüngere Menschen als Betroffene aus! Bislang konnten 3 Patienten als geheilt aus der Quarantäne entlassen werden.
Der verhältnismäßig moderate Anstieg der Zahlen gibt weder Grund zur Freude, noch Anlass zu Entwarnung oder Fahrlässigkeit. Wir befinden uns erst am Beginn der eigentlichen Problematik. Ab Montag sind weitere, einschneidende Maßnahmen zur Beschränkung des öffentlichen Lebens von der Landesregierung Niedersachsens angekündigt. Sabine und ich nehmen die Sache sehr ernst, so, wie wir es alle tun sollten. Wir gehören zu der Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern, deren Erkrankungsrisiko als besonders hoch eingestuft werden muss. Deshalb haben wir uns bereits gestern Abend ganz freiwillig eine "Ausgangssperre" auferlegt und bitten ab heute auch gute Freunde und liebe Bekannte von Besuchen auf unserer "Oststädter Insel" bis auf weiteres abzusehen. 
Für mich erringt die ungeliebte Empfehlung "Treppensteigen hält jung!" wieder mehr Beachtung und Wertschätzung, denn Bewegung muss sein und zwar auch zuhause, nicht nur rein körperlich, sondern insbesondere mental in alle Richtungen. Als "Trommler", der seinen Beruf "von der Pike auf" erlernt hat, fallen mir Disziplin, Exaktheit, Umsicht und vorausschauendes Denken und Handeln nicht schwer. Neue Regeln und Vorgaben sind eigentlich nur ein nächster Schritt, es geht "eine Stufe" nach oben. Wer sich in der Krise nur abwärts bewegt, sollte jeden einzelnen Schritt täglich neu und genauer bewerten.

#Samstag, den 21. März, 14:45 h: Ab heute, 18:00 h, gilt nachfolgender Erlass des Niedersächsischen Gesundheitsministeriums
"1. Restaurants, Speisegaststätten, Systemgastronomie, Imbisse und Mensen und dergleichen sind für den Publikumsverkehr zu schließen.
2. Es gelten folgende Ausnahmen:
2.a) die in Nr. 1 genannten Betriebe dürfen Leistungen, den Verkauf von Speisen und Getränken, im Rahmen eines Außerhausverkaufs für den täglichen Bedarf nach telefonischer oder elektronischer Bestellung erbringen,
2b) gleiches gilt für entsprechende gastronomische Lieferdienste.
3. Der Verzehr ist innerhalb eines Umkreises von 50 Metern zu diesen Betrieben unzulässig.
4. Aus hygienischen Gründen ist eine bargeldlose Bezahlung dringend zu empfehlen.
Diese Weisung gilt ab sofort bis einschließlich Sonnabend, den 18. April 2020. Eine Verlängerung ist möglich.
"
(Zitat: Runderlasse vom 16.03.2020, (Einschränkung sozialer Kontakte) und 17.03.2020, AZ: 401.41609-11-3 (Übernachtungen, Gaststätten, Restaurants)

#Samstag, den 21. März, 12:00 h: Vormittags zwingen mich pralle Sonnenstrahlen nach draußen. Nein, selbstverständlich gehe auch ich nicht auf die Straße, sondern nehme Platz am kleinen Tisch in unserem Garten und wärme mich an der ersten Tasse heißen Kaffees. Den Pflanzen geht es gut, sie begrüßen mich mit zahllosen frischen Knospen, zartem Grün überall. Der große Rosmarinbusch steht sogar in voller Blütenpracht vor mir wie ein Fels in tobender Brandung und das Thermometer im Gewächshaus vermeldet stolz: 20°!  Aber etwas ist anders als sonst. Ich höre nichts. Dort, auf dem Giebel des Nachbarhauses, wo sich gestern noch in einer Inszenierung Alfred Hitchcocks ähnelnden, langen Reihe die "Aasgeier" ihrem fröhlichen Balztanz hingaben: Leere. Es ist kalt draußen. Alle Fenster sind geschlossen. Fern von hier tut sich etwas! Das bekannte Intervall des Martinshorns ist im Moment ein einziger Beweis für Leben in der Region. Es wird leiser und leiser und noch leiser. Wieder Stille. 
Das lokale Gesundheitsamt meldet lediglich 2 Neuinfektionen im Stadtgebiet Hildesheim, jetzt insgesamt 26. Im Landkreis hat sich die Zahl der Betroffenen auf 63 erhöht. Öffentlich wird von einem ersten Fall mit der Notwendigkeit der stationären Behandlung im Krankenhaus informiert. Aber ich erkenne, wie sich Formulierungen ändern. Dort, wo es gestern noch "häusliche Quarantäne" hieß, wird jetzt verharmlosend von "Verdachtsfällen" (338) gesprochen. Diese Vorgehensweise ist Bestandteil von Katastrophenschutzplänen, die ich selbst aus meiner jahrelangen Tätigkeit im Zivilschutz nur zu gut kenne. Bleiben Sie zuhause! Befolgen Sie unbedingt die Empfehlungen und Vorgaben der zuständigen Behörden! Vermeiden Sie soziale Kontakte! Leisten Sie Ihren Beitrag durch verantwortungsvolles Tun und Handeln, helfen Sie persönlich, um die Expansion der Pandemie weiter zu verlangsamen!

#Freitag, den 20. März, 12:00 h: Am 20.03. ist der kalendarische Frühlingsanfang! Der Morgenhimmel empfängt uns grau in grau, die eiskalte Nässe des Nieselregens zieht beißend durch die Atemluft und die Glocken des nahen Kirchturms läuten sanft aber bestimmt, so, wie bei einer Hinrichtung. Zwölfmal, erst dann höre ich auf mitzuzählen. Ich schaue aus dem Fenster: Totenruhe in der Oststadt. Mein Blick schweift nach links, ein erster Sonnenstrahl erreicht mein Gesicht. Das Zwitschern der Vögel erwacht und am Horizont, da ist er. Nein, nicht Gary Cooper betritt allein, von allen enttäuscht, in aussichtsloser Lage, die Szenerie und er wird auch nicht begleitet von grandioser Filmmusik. Erst jetzt verstummt gurgelnd der Motor der kleinen Rüttelplatte, dessen Handgriff er eben noch umklammerte wie den Colt, der zum finalen Schuss immer bereit ist. Es ist der letzte Mitarbeiter der STRABAG, der am östlichen Rand der "Steingrube" während der Woche gearbeitet hat, nun endlich nach Hause fahren darf, um die Liebste zu umarmen und alle Sorgen und Ängste zu teilen. Seine Warnweste und der gelbe Helm verschmelzen in der Corona des Sonnenlichts, das ihn nun von hinten einfängt, er wird zur wahren Lichtgestalt. Das Absperrgitter ist geschlossen. "Mein Held des Tages" sorgt für Sicherheit und das nicht nur in Zeiten der Pandemie.
Ein Funken Hoffnung spiegeln auch die tagesaktuellen Zahlen des lokalen Gesundheitsamts: 2 vormals Infizierte konnten, als "geheilt" eingestuft, wieder aus der häuslichen Quarantäne entlassen werden. Aber die Zahl der Betroffenen steigt auch in Hildesheim dramatisch und unaufhörlich, wie vorausgesagt. Gemeldet werden heute 24 Infizierte in der Stadt und 62 im Landkreis Hildesheim. Insgesamt 383 Personen zuhause in Quarantäne. Es gibt keinerlei Grund zur "Entwarnung" nur aus dem billigenden Grund, dass momentan keine Fälle öffentlich gemacht werden, die stationär behandelt werden müssten. Aber es liegt nahe, dass die Vorbereitungen der lokalen Krankenhäuser, mit der notwendigen Ruhe, Exakt- und Gewissenhaftigkeit vorgenommen, später nicht zu "italienischen" Verhältnissen führen werden, in einem Moment, wo die Spitze des Eisbergs noch lange nicht in Sicht sein kann.
Ich veröffentliche an dieser Stelle auch pflichtgemäß die aktuelle Pressemitteilung des Niedersächsischen Ministers für Inneres und Sport, Pistorius sagt: „Leider ist es so, dass einige Menschen immer noch nicht akzeptiert haben, dass die durch die Landesregierung aufgestellten Regeln lebensnotwendige und lebensrettende Maßnahmen sind. Wir befinden uns in einer einmaligen und historischen Ausnahmesituation. Niemand kann sagen, wo wir in einigen Wochen stehen werden. Wir appellieren darum noch einmal eindringlich an die Vernunft und die Verantwortung aller Bürgerinnen und Bürger. Denn ohne ihre Einsicht und ihre Vernunft geht es nicht! Es muss jetzt allen klar sein, dass weitere Schritte folgen müssen, wenn die jetzt erlassenen Regeln nicht überall ohne Ausnahme eingehalten werden. Wenn wir jetzt alle gemeinsam solidarisch und vernünftig sind, haben wir eine Chance, die Folgen dieser Krise zu mildern, die Zahl der Opfer so klein wie möglich zu halten. Diese Chance hat jeder Einzelne. Aber jeder hat auch eine eigene Verantwortung. Jeder und jede Einzelne kann durch richtiges Verhalten unserer Gesellschaft dabei helfen, so schnell es geht wieder in die Spur zu kommen. Damit dieses Land schnell wieder da ist, wo es gestern war. Ich wünsche mir heute, dass alle diese drastischen Maßnahmen, die vor wenigen Wochen kaum jemand für möglich gehalten hätte, schnell wieder aufgehoben werden können, weil die Krise überwunden ist. Dazu braucht es der Mithilfe aller." (Zitat: Pressestelle des MI vom 19.03.2020)

"Mein Held des Tages" ist nun unterwegs. Der kleine Transporter mit der großen, roten Aufschrift schnurrt in Richtung Autobahn davon. Ich freute mich auf ein Wiedersehen in der kommenden Woche, denn dort, wo er die Tage bis dahin verbringt, wird er genauso gewissenhaft handeln und leben wie bei uns. Machen wir es alle so wie dieser Mann, fahren wir wie einst Gary Cooper, schwer verletzt, aber mit den Zügeln fest in der Hand und befeuert von Liebe und Herzlichkeit in die untergehende Abendsonne, sehen schweren Zeiten mit Zuversicht entgegen.

#Donnerstag, den 19. März, 12:45 h: Heute, nach der herzzerreißenden Ansprache unserer Bundeskanzlerin vom gestrigen Abend, erscheint die Stadt wie ausgestorben. Toll, wie "Mutti" die Situation gemeistert hat, meine Hochachtung! Lange überlegte, mahnende, teils erschreckende und trotzdem irgendwie herzliche Worte rütteln endlich wach. Und nur wer gelernt hat, zwischen den Zeilen zu lesen, weiß, worum es im Moment eigentlich geht. 
Die lokale Presse titelt heute mit neuen, alarmierenden Zahlen, dieses mal vom  zuständigen Gesundheitsamt des Landkreises: Jetzt 66 Infizierte in Stadt und Kreis. 19 in der Stadt Hildesheim und 47 im Landkreis. "Neben den Betroffenen befinden sich noch 245 Personen in häuslicher Quarantäne." (Zitat: HAZ vom 19.03.2020). Die Gemeinde Harsum ist am schwersten betroffen, was allerdings womöglich zu erwarten war. Das RKI und die zuständigen Stellen des Landes verwalten noch die Zahlen "von vorgestern". Zu mutmaßen bliebe, ob das mit Absicht passiert. Vor der Haustür spüren wir jetzt die Verunsicherung ganz unzweideutig. Simple Strukturen beklagen gebetsmühlengleich und lautstark den Engpass bei der Versorgung mit Toilettenpapier, schleichen dann eher etwas zittrig, jedoch vom schelmischen Grinsen begleitet, den 12er-Pack "vom ALDI" ganz fest von beiden Armen in einer Art Schraubzwinge vor Halunken und brutalen Straßenräubern gesichert um die nächste Ecke herum, verschwinden im Nichts.

#Mittwoch, den 18. März, 19:45 h: Die Landesregierung gibt um 15:00 h bekannt: 740 bestätigte Corona-Fälle in Niedersachsen insgesamt. Das ist eine Steigerung um 177 Fälle im Vergleich zum Vortag. Bislang kein Todesfall und in Hildesheim keine neuen Infektionen!

#Mittwoch, den 18. März, 13:00 h: So, der Erlass des Niedersächsischen Gesundheitsministeriums ist mit sofortiger Wirkung bis zunächst zum 18. April 2020 umzusetzen: "Betreibern von Beherbergungsstätten und vergleichbaren Angeboten, Hotels, Campingplätzen, Wohnmobilstellplätzen sowie privaten und gewerblichen Vermietern von Ferienwohnungen, von Ferienzimmern, von Übernachtungs- und Schlafgelegenheiten und vergleichbaren Angeboten ist es untersagt, Personen zu touristischen Zwecken zu beherbergen". Ausgenommen von diesem Verbot sind ausdrücklich beruflich und geschäftlich bedingte Aufenthalte. Begründung: "Vor dem Hintergrund der sehr dynamischen Verbreitung von Infektionen mit dem SARS CoV-2 Virus und Erkrankungen an COVID-19 müssen unverzüglich weitere umfänglich wirksame Maßnahmen zur Verzögerung der Ausbreitungsdynamik und zur Unterbrechung von Infektionsketten ergriffen werden. Weitreichende effektive Maßnahmen sind dazu dringend notwendig, um im Interesse der Bevölkerung und des Gesundheitsschutzes die dauerhafte Aufrechterhaltung des Gesundheitssystems in Niedersachsen sicherzustellen. Die großflächige Unterbrechung und Eindämmung des touristischen Reiseverkehrs ergänzt die bereits ergriffenen Maßnahmen und stellt im Kontext der übrigen Maßnahmen zur Kontaktreduzierung ein wirksames, angemessenen Vorgehen dar, um das Ziel einer Entschleunigung und Unterbrechung der Infektionsketten zu erreichen. Angesichts des angestrebten Ziels der Aufrechterhaltung der Gesundheitsversorgung für die Gesamtbevölkerung ist die Maßnahme auch verhältnismäßig." Zitate: Runderlass vom 16.03.2020, AZ: 401.41609-11-3 (Einschränkung sozialer Kontakte)

#Mittwoch, den 18. März, 10:45 h: Die Zahl der amtlich bestätigten Infektionsfälle in ganz Niedersachsen ist "über Nacht" auf 563 sprunghaft angestiegen. Für Hildesheim wurden aber bislang keine neuen Infektionen gemeldet. Es bleibt bei 28 bestätigten Fällen. Viele Geschäfte sind wegen gesetzlicher und behördlicher Empfehlungen und Beschlüsse nun geschlossen. Die Versorgungslage in der Stadt präsentiert sich jedoch (nach wie vor) uneingeschränkt lückenlos. Wir rechnen quasi stündlich mit nachvollziehbaren Maßnahmen, die den Tourismusbetrieb in der Region zusätzlich und womöglich nachhaltig einschränken werden und haben uns heute dazu entschlossen, als weitere präventive Maßnahme das Angebot von Versorgungsleistungen im Restaurantbereich (Frühstück/Abendessen) ebenfalls für unbestimmte Zeit einzustellen, um Infektionsgefahren im größtmöglichen Umfang in unserem Haus auszuschließen, bitten unsere Gäste um Verständnis, hoffen auf gegenseitiges Einvernehmen.

#Dienstag, den 17. März, 16:40 h: Keine neuen Infektionen in Hildesheim gemeldet. Im Landkreis Peine 1 Neuinfektion. In Niedersachsen keine Veränderung der Zahl der Infizierten, da inzwischen 1 vormals Erkrankter als "wieder genesen" eingestuft ist! Insgesamt also 391 Infizierte. Schön! In unserer Stadt gibt es bislang keine Beschlüsse über die mögliche Schließung von Hotels und Beherbergungsbetrieben. Für Kneipen und Gaststätten gelten aber gesonderte Öffnungszeiten und Hygiene-Richtlinien. Restaurants werden ab heute jeweils um 18:00 h absperren.

#Dienstag, den 17. März, 10:30 h: Die Bundesregierung und die Regierungschefs der Bundesländer haben am 16. März 2020 Leitlinien zum einheitlichen Vorgehen zur weiteren Beschränkung von sozialen Kontakten im öffentlichen Bereich angesichts der Corona-Epidemie in Deutschland vereinbart. U.a.: Regelungen, dass Übernachtungsangebote im Inland nur zu notwendigen und ausdrücklich nicht zu touristischen Zwecken genutzt werden können. Wir bitten deshalb neue Interessenten um entsprechende Beachtung! Unser Haus bleibt für Gäste, deren Reiseanlass beruflich bedingt ist, weiterhin geöffnet.

#Montag, den 16. März, 22.30 h: Jetzt 391 bestätigte Infektionen in Niedersachsen, 28 davon in Hildesheim (unverändert)

#Montag, den 16. März, 8:45 h: Die Zahl der gemeldeten Infizierten in der Stadt Hildesheim ist heute Morgen auf 14 gestiegen. Im Landkreis Hildesheim: 14 Infizierte, 145 Personen in häuslicher Quarantäne, insgesamt 287 Fälle in ganz Niedersachsen

#Sonntag, den 15. März, 15:00 h: Gemäß des aktuellen Situationsberichts des Robert-Koch-Instituts vom #14. März 2020, 15:00 h, gibt es in Niedersachsen insgesamt 253 laborbestätigte Fälle von Infektionen, nur 10 davon entfallen auf die Stadt Hildesheim mit etwa 103.000 Einwohnern. Die regional zuständigen Organe und Verwaltungen haben rechtzeitig und zielgerichtet gehandelt, um zusätzliche Infektionen einzudämmen und die momentan Betroffenen unter Quarantäne gestellt (85 Personen). Wir haben keinerlei Kenntnis von Komplikationen oder einem schweren, bedrohlichen Verlauf der Erkrankungen, wünschen von ganzem Herzen "Gute Besserung!" Auch in unserer Stadt sind inzwischen alle größeren Veranstaltungen oder Versammlungen abgesagt, die präventiven Maßnahmen greifen ganz offensichtlich. Schulen, Museen, Kirchen, Bäder und andere öffentliche Einrichtungen bleiben vorerst geschlossen, im Personennahverkehr werden Busfahrer sogar dadurch geschützt, dass Fahrgäste nur noch im hinteren Bereich der Fahrzeuge zu- und aussteigen dürfen.

Wir haben trotz alledem ein gutes Gefühl, fühlen uns sicher!

Stammgäste unseres Hauses wissen, welchen hohen Stellwert die Hygiene bei uns seit der Eröffnung des Beherbergungsbetriebs ununterbrochen einnimmt. Wir können unsere Standards auch im Fall der Krise eigentlich gar nicht mehr verbessern. Dennoch gehört seit einer Woche die täglich mehrmalige Desinfektion aller Türgriffe und -Klinken unter Verwendung biologisch abbaubarer Reinigungsmittel zum selbstverständlichen Prozedere. Wir glauben, das Einbringen des Virus durch Dritte, wie Postboten, Paket- und Lieferdienste, auf diesem Weg gewissenhaft auszugrenzen. Wir führen weder ein Hotel, noch eine öffentliche Gaststätte. Es gibt also weder Fremde, noch Laufkundschaft im Haus. Alle Leistungen erbringen wir bekanntermaßen nur für diejenigen, die unsere Gäste sein möchten. Unsere Wohneinheiten sind in sich abgeschlossen und gewährleisten eine komplette Selbstversorgung während der Anwesenheit. Obendrein werden auch wir, rein präventiv, den Schankbetrieb in unserem "Versorgungskeller" für unbestimmte Zeit einstellen und unsere Weinstube nicht öffnen. Fühlen Sie sich als unser Gast bitte so wie auf einer kleinen Insel, die mitten im Ozean, im größten Orkan aller Zeiten, jeder Sturmflut trotzen kann!

Die Region Hildesheim wird sehr stark wegen des nahen Messe-Geländes in Hannover-Laatzen frequentiert. Die Industrie- (Hannover-) Messe wurde frühzeitig und nach bestem Wissen und Gewissen der Verantwortlichen in den Monat Juli des Jahres verlegt: Das ist sehr gut! Alle Buchungen für unser Haus von Gästen aus dem Ausland, dort, wo das Virus viel stärker grassiert als im Süden Niedersachsens, wurden inzwischen für die kommenden acht Wochen im gegenseitigen Einvernehmen storniert. Dadurch können wir noch mehr Sicherheit gewährleisten, um das Ankommen des Virus von der Moltkestrasse 89 abzuwenden. Außerdem bitten wir Geschäftsreisende und Interessenten aus den bekannten Risikogebieten Deutschlands und dem europäischen und insbesondere, internationalen Umfeld, die bei uns wohnen möchten, ab sofort konsequent auf Anfragen oder Onlinebuchungen während der nächsten sechs Wochen zu verzichten, insbesondere für den Fall, dass sie Anzeichen einer Erkrankung, die dem Erscheinungsbild des Corona-Virus entsprechen könnten, wahrnähmen, weil wir deren Unterkunft in unserem Haus, quasi "an der Tür" ablehnen müssten. Wir bitten in einem solchen Fall bereits weit im Voraus für unbedingtes Verständnis und eine diesen Rahmenbedingungen entsprechende Vorgehensweise.

Wir möchten Sie abschließend dahingehend versichern, dass wir in der Krise stets und überaus gewissenhaft unser Bestes geben und Ihre Vorstellungen und Wünsche uneingeschränkt erfüllen möchten! Frei nach unserem Motto "Wir freuen uns auf Sie!" bleiben wir also gut gelaunt und sehen den erforderlichen Aufgaben angefüllt von Kraft und Ehrgeiz entgegen. Bleiben Sie gesund!

Sabine und Bert-Holger Fütterer

 
 
 
 
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